Kreis Konstanz Flüchtlingsquartiere: Bei Kreisturnhallen gibt's kein Tabu

Die Frage der Belegung von Sporthallen als Notunterkünfte wird zur Nagelprobe in der Kreispolitik. Am Montag stellte Landrat Frank Hämmerle in der Sitzung des Kreisausschusses für Kultur und Schulen klar, dass die Nutzung weiterer Kreissporthallen nicht ausgeschlossen werden könne.

Selbst die in diesen Tagen erst fertig gestellte neue Sporthalle des Berufsschulzentrums Radolfzell und die Kreissporthalle in Stockach werden laut Hämmerle in das Verfahren einbezogen: Der Landkreis habe die rechtliche Vorgabe, bei der Einrichtung von Notunterkünften zunächst die eigenen Ressourcen zu nutzen, bevor auf andere Räumlichkeiten zugegriffen werden könne. Termine für einen weiteren Zugriff auf Sportstätten nannte der Landrat indes nicht.

Der Sportunterricht ist bedroht

Bereits vier Hallen (zwei in Konstanz, je eine in Radolfzell und Singen) können nicht mehr für den Schul- und Vereinssport genutzt werden. Den Widerspruch zweier Singener Berufsschulleiter gegen die Belegung einer zweiten Sportstätte in Singen (Uhlandhalle) hat das Regierungspräsidium Freiburg inzwischen abgelehnt. In der Ausschusssitzung warnte CDU-Sprecher Manfred Jüppner (Mühlingen): „Die Grenze ist erreicht. Wir sollten keine weiteren Hallen mehr belegen.“ Sportunterricht für die Schüler im Landkreis müsse weiterhin möglich sein. Der Radolfzeller Kreisrat Dietmar Baumgartner ging noch weiter. Er stellte die Frage: „Wie kriegen wir die Sporthallen wieder frei?“

Siegfried Lehmann (Grüne) wies darauf hin, die Erteilung von Sportunterricht dürfe nicht beliebig werden. Schüler hätten einen Rechtsanspruch auf Sportunterricht, wenn es sich um ein relevantes Fach für das Zeugnis handle. Schulen seien in der Angelegenheit keine Bittsteller. Lehmann erhob den Vorwurf, die Einquartierung von Flüchtlingen in die Sporthallen hätte verhindert werden können, wenn bei der Bereitstellung von Unterkünften von Anbeginn alle Bürgermeister im Landkreis mitgezogen hätten.

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