Der Umschlagbahnhof für Gütertransporte in Singen hat sich erneut als Station einer Route erwiesen, die Flüchtlinge für die unerlaubte Einreise nach Deutschland nutzen. Kurz nach sechs Uhr am Mittwochmorgen griff eine Patrouille der Bundespolizei an der Verladestation des Gütertransport-Unternehmens Hupac sechs Westafrikaner auf, die versteckt auf Containern auf einem Güterzug aus Italien angekommen waren. Zuvor hatten Arbeiter festgestellt, dass an zwei Containern auf den Waggons die Abdeckplanen zerschnitten waren. Als Einsatzkräfte der alarmierten Bundespolizei nachschauten, entdecken sie in einem Container, der mit einigen Stahlträgern beladen war, eine fünfköpfige Familie, die nach eigenen Angaben aus Nigeria stammt. Die Kinder sollen laut Polizei ein, vier und fünf Jahre alt sein. Im zweiten Container fanden die Beamten auf einer Stückgut-Ladung eine junge Frau vor. Sie gab an, aus Guinea zu stammen.

Wie der Konstanzer Bundespolizei-Sprecher Christian Werle informierte, waren die Migranten stark durchnässt, auf den ersten Anschein aber offenbar unverletzt. Die Flüchtlinge wurden zunächst in Singen versorgt. Bereits am Mittwochnachmittag nahmen sie in einem regulären Personenzug Platz. Ziel der Reise: die Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge In Karlsruhe. Dort wollen die unerlaubt Eingereisten Asylanträge stellen.

Seit Jahresbeginn hat die Bundespolizei am Umschlagbahnhof in Singen 21 Menschen festgestellt, die auf Güterzügen aus Italien illegal nach Deutschland eingereist waren. Man gehe davon aus, dass Schleuser an der Organisation der Reisen auf Güterzügen beteiligt seien, so informierte der Bundespolizeisprecher. Details wollte Werle "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht preisgeben. Er warnt ausdrücklich vor der Gefahr, der sich die Flüchtlinge auf den Güterzügen aussetzen. Baden-Württemberg-weit hat die Bundespolizei nach eigenen Angaben seit Jahresbeginn rund 50 blinde Passagiere aufgegriffen, die versteckt in Containern ins Land gekommen waren.