Die freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Konstanz stehen vor wichtigen Weichenstellungen. Dabei geht es um nichts weniger als um die Zukunft. Wie müssen sich die Hilfsorganisationen aufstellen, um die (wachsenden) Anforderungen weiter gut erfüllen zu können? Am kommenden Montag, 19. März, diskutiert der Konstanzer Kreistag (Sitzungsbeginn 16 Uhr, Landratsamt) über ein Vorhaben, das Maßstäbe zur Zukunftssicherung setzen könnte. Es geht um die Einrichtung und den Betrieb eines neuen Feuerwehr-Servicezentrums am Standort Rielasingen-Worblingen für alle kommunalen Feuerwehren.

Wichtigster Bestandteil der Einrichtung soll eine neue Anlage sein, in der Brände simuliert werden und Feuerwehrleute den Einsatz mit Atemschutzausrüstung trainieren können. Die alte Atemschutzübungsstrecke in Radolfzell war 2015 geschlossen worden, weil sie den Ansprüchen nicht mehr genügte. Von sicherheitsrelevanten Mängeln war beim Landkreis Konstanz die Rede, der für die Bereitstellung der Übungsanlage zuständig ist. Seither absolvieren Feuerwehrleute aus dem Landkreis die notwendigen Übungen andernorts, zum Beispiel in Schaffhausen.

Laut Vorlage der Verwaltung für den Kreistag sollen der Atemschutzübungsstrecke weitere Einrichtungen für die Freiwilligen Feuerwehren der 25 Kreiskommunen angegliedert werden. Dazu zählt zum Beispiel eine zentrale Werkstatt, in der sicherheitsrelevante Ausrüstungsgegenstände der Einsatzkräfte gewartet werden können. Dies sei bei den Feuerwehren vor Ort derzeit eher unzureichend oder gar nicht möglich. Zum Servicezentrum sollen weiterhin Übungsflächen und -objekte gehören, wo die Aktiven Einsätze zur Verkehrsunfallrettung, zur Hilfe nach Hoch- und Tiefbauunfällen oder Einsätze mit Gefahrgut üben können. Weitere Bestandteile des neuen Servicezentrums sind ein Lager für die Katastrophenschutzausrüstung und ein Raum für den Führungsstab des Landkreises, der bei ganz großen Unglücken die Hilfseinsätze koordiniert.

Die Kreisverwaltung stellt in der Vorlage heraus, warum man sich Gedanken über Veränderungen machen müsse. Seit einigen Jahren zeige sich, dass das ausschließlich ehrenamtlich getragene Feuerwehrsystem an Grenzen stoße. "Aufgrund des demografischen Wandels und einer tendenziell sinkenden Bereitschaft in der Bevölkerung, sich in der freiwilligen Feuerwehr zu engagieren, gerät die Leistungsfähigkeit der Feuerwehren in Gefahr."

Rückendeckung für das Projekt in Rielasingen-Worblingen kommt vom Kreisfeuerwehrverband. Dessen Vorsitzender Helmut Richter spricht von einer grundlegenden Weichenstellung. "Der Bedarf für ein Feuerwehr-Servicezentrum besteht. Wir haben das bereits 2014 thematisiert und Lösungsansätze erarbeitet", sagt Richter. Er freut sich, dass sich die Überlegungen des Feuerwehrverbands nun auch im Konzept der Verwaltung widerspiegeln, verhehlt aber nicht, dass es in Details noch Klärungsbedarf gibt. Für Richter, der Kommandant der Feuerwehr Radolfzell ist, sind neue Organisationsstrukturen wichtig, um die Ehrenamtlichen zu entlasten. Philipp Gärtner, Umweltdezernent im Landratsamt, verweist darauf, dass der Kreistag nun die Entscheidung über das weitere Vorgehen treffe: "Der Prüfauftrag liegt auf dem Tisch." Die Bürgermeister der Städte und Gemeinden im Landkreis unterstützen das Projekt Feuerwehr-Servicezentrum.

Befürwortet das Projekt Feuerwehr-Servicezentrum: Helmut Richter, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands und Kommandant der Feuerwehr Radolfzell.
Befürwortet das Projekt Feuerwehr-Servicezentrum: Helmut Richter, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands und Kommandant der Feuerwehr Radolfzell. | Bild: Franz Domgörgen

Helmut Richter wird den Fortgang der Dinge zwar noch als Chef der Radolfzeller Stadtfeuerwehr, aber nicht mehr in der Funktion des Kreisfeuerwehrverbands-Vorsitzenden begleiten. Die Führung des Kreisfeuerwehrverbands will er in der Delegiertenversammlung am Freitag, 23. März, in der Eichendorffhalle in Gottmadingen (Beginn 19 Uhr) abgeben. Vorab lässt Richter durchblicken, dass es nicht leicht war, überhaupt einen Bewerber für die Nachfolge zu finden. Inzwischen hat sich der Gottmadinger Feuerwehrchef Stefan Kienzler zur Kandidatur bereit erklärt. Seine Wahl gilt als sicher.

 

Das neue Millionenprojekt

  • Das Servicezentrum der freiwilligen Feuerwehren soll in Rielasingen-Worblingen gebaut werden. Als Standort ist ein Areal vorgesehen, dass den Schweizerischen Bundesbahnen gehört und auf dem die Gemeinde auch ihr neues Feuerwehrhaus bauen will. Über den Kauf wird derzeit verhandelt. Der Kreistag kann am kommenden Montag grünes Licht für die Erarbeitung eines detaillierten Konzepts geben. Dabei geht es um folgende Bestandteile: eine Atemschutzübungsstrecke, weitere Möglichkeiten zur Sonderausbildung von Einsatzkräften, eine zentrale Werkstatt, ein Katastrophenschutzlager und Räume für den Führungsstab des Landkreises. Viele Details sind offen, zum Beispiel die Kostenverteilung zwischen Kommunen und Kreis. Früheren Berechnungen zufolge war allein die Atemschutzübungsstrecke mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Das Gesamtprojekt dürfte deutlich teurer werden.
  • Der Kreisfeuerwehrverband vertritt die Interessen von rund 5000 Feuerwehrmitgliedern in 25 freiwilligen Feuerwehren und sechs Werksfeuerwehren. Über 3000 Frauen und Männer sind in den Einsatzabteilungen der Gemeindefeuerwehren aktiv, in den Werksfeuerwehren sind es 200. Die Mitgliedsfeuerwehren rücken pro Jahr zu rund 2500 Einsätzen aus. Das sind knapp sieben Einsätze pro Tag. Verbandsvorsitzender Helmut Richter wird auf der Delegiertenversammlung am 23. März in Gottmadingen sein Amt abgeben. Er stand 15 Jahre an der Spitze der Vereinigung.