Ein echter Ala-Bock hält, was er verspricht. Wenn er Fasnacht vom anderen Stern ankündigt, dann bekommt das Publikum genau das. Dann heben die Dingelsdorfer in Sphären ab, die kaum eine andere Narrengruppe in der Region erreichen kann: Sie begeistern vor allem mit Mutterwitz und dem Bauchgefühl für die spontane, wilde Party. Die Ala-Bock, das sind an diesem Abend nicht die Narren mit den ausgefeilten Büttenreden oder aufwendigen Bühnendekorationen. Dennoch legen sie eine großartige Fasnachteröffnung hin, weil sie den Mut zum Ungeprobten zulassen und ein Publikum haben, das sich nur zu gern mitziehen lässt.

Da sind zunächst die Weckmusikanten, die neue Beats in alte Melodien bringen. Die Truppe fegt gleich zum Auftakt Partystimmung in den Saal des Dorfgasthauses Anker. Alle Musiker sind ziemlich jung, und beim Musikverein engagiert, und Könner an ihren Instrumenten. „Wir versuchen traditionelle Lieder mit dem Neuesten aus den Charts zu mischen“, sagt Patrick Romer, Sprecher der Gruppe. Unterstützt werden sie dabei von Andreas Renz, der die Musik auf die Instrumente der Gruppe umschreibt, also auf Posaunen, Trommeln, Trompeten, Klarinetten, Saxophon und Tuba. Eines ist sicher: Bei diesem Wecktrupp wird in Dingelsdorf keiner die Fasnacht verschlafen. Lange Zeit steht an diesem Abend die Frage im Raum, was denn bitteschön die ganzen Bühnennummern mit Saison-Motto „Ala-Bock im Weltraum“ zu tun haben sollen. Doch dann kommen Trudbert und Leopold Stader, Wolfgang Schönwald und Adi Sulger als Außerirdische auf die Bühne.

Das Quartett trägt den irreführenden Namen „Teilzeitnarren“, der darauf verweisen will, dass die Truppe nicht in jeder Saison Zeit fürs Närrische hat. Dabei handelt es sich bei den Vieren unstrittig um Vollblutnarren, die den Saal zum Kochen bringen. Sie preisen in einer urkomischen Nummer „Spechtele“ an, also Bündel mit Hölzern zum Anfeuern eines Kamins. Damit sie auch Kunden unter jenen gewinnen, die gar keinen Ofen haben, präsentieren sie eine Sonderkollektion: Duft-Spechtele mit Lavendel- und Tannenzweigen, das Geschenk-Spechtele, in besonders aufwendiger Verpackung mit Leuchteffekten, und das Space-Spechtele, das aussieht wie eine kleine Rakete. Die Zuschauer schütteln sich vor Lachen, und dann – genau im richtigen Moment – gehen die Vier von der Nummer zu einer Polonaise über. Sie springen in den Saal, das Publikum lässt sich nicht lange bitten. Schnell bildet sich eine Schlange der Feiernden, die sich durch den ganzen Anker bewegt, mal vorwärts, mal rückwärts, mal über Stühle auf die Bühne und wieder zurück in den Saal. Das Solo 2 mit Berti Sturm an der Elektrogitarre und Peter Jäck am Elektro-Klavier treiben den närrischen Zug mit immer rockigerer Musik an. Zum Schluss tanzen Akteure wie Gäste zu Highway to Hell auf der Bühne. Es ist der Höhepunkt eines Abends, der auch von der übersprudelnden Bereitschaft der Gäste lebt, bei allen Narreteien mitzumachen.

An der Spitze der Ala-Bock steht Präsident und Moderator Florian Rossknecht, der im Zweifel alles selbst machen muss, die Kulissen schieben, das Bühnenlicht anknipsen und das Mikrofon regeln. Das Publikum lacht, er beklagt sich nicht. Bei den Ala-Bock muss jeder ein Alleskönner sein. So wie Leopold Stader, der für 30 Jahre närrischen Dienst bei den Ala-Bock den goldenen Verdienstorden der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee bekommt. Landvogt Manfred Knopf überreicht ihn. Noch so ein Alleskönner ist Roland Schmiedmeister, der sich über den Dackelorden freuen kann, für 15 Jahre Vereinsdackelei als Schriftführer. Doch er ist noch viel mehr: Seit 31 Jahren steht der 46-Jährige in der Bütt und bezeichnet sich selbst als Dienstältesten im Elferrat. Nicht nur die langjährigen Mitstreiter bekommen Orden. Um die Jungen zu motivieren, ehrt Manfred Knopf auch die, die fünf und zehn Jahre lang eine Aufgabe übernehmen, sei es im Ballett, in der Garde, im Narrenrat, im Festzelt oder hinter der Bar. Erstmals zelebrieren die Ala-Bock auch die Aufnahme der jungen Hästräger unter 18 Jahren. Auf der Bühne sollen sie den närrischen Eid der Ala-Bock leisten, etwa, dass sie niemals mit einem anderen Federvieh Schabernack treiben würden. Die Jugendlichen finden das wohl eher peinlich. Der Eid geht über weite Strecken in Kichern unter.

Einer der alten Recken der Ala-Bock, der sich 40 Jahre lang im Elferrat engagierte, bringt die Sehnsuchtsmomente in den Saal. Auf Wunsch der Narren singt der 80-jährige Alois Schmiedmeister das Lied von der Klara und dann noch ein närrisches Evangelium. Diese alten Lieder, so sagt er auf Nachfragen, kenne heute kaum mehr einer. Sie seien nicht niedergeschrieben, nur in den Köpfen der Alten. Er freut sich, dass sie noch nicht ganz vergessen sind. Alois Schmiedmeister trägt wie nun auch sein Sohn den Dackelorden. Der Vater war 18 Jahre lang Schriftführer bei den Ala-Bock.

Alles andere auf der Bühne an diesem Abend fällt in die Kategorie gut gespielter Witz. Roland Schmiedmeister und Horst Becker geben Jäger, die auch mal auf ein Gesäß-Geweih anlegen. Roland Schmiedmeister zeigt in dieser Nummer, dass er das Sächseln perfekt beherrscht. Als gnadenlos dominante Mama tritt Tommy Keller in einem Sketch auf. Sie zwingt ihren Sohn (Peter Baumann) im November zum Ostereiersuchen und drängt ihm eine Dame (Dennis Dietrich) auf, die so gar nicht seinem Geschmack entspricht. Dietrich ist dann noch zusammen mit Michael Allweier in einem Kurzauftritt im Badeanzug zu sehen. Landvogt Manfred Knopf von der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee nennt die Ala-Bock im närrischen Witz seine liebste Truppe. Klar wissen alle, dass er das bei allen sagt. Einen besonderen Abend aber hat er auf jeden Fall erlebt.

Ausgezeichnet

Die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee zeichnet folgende Aktive bei den Ala-Bock in Dingelsdorf aus. Das goldene Ehrenzeichen für 30 Jahre närrischen Dienst geht an Leopold Stader, der Dackelorden für 15 Jahre Schriftführer an Roland Schmiedmeister. Medaillen in Silber gehen für fünf Jahre im Narrenrat und zehn Jahre Dienst an anderer Stelle an: Horst Becker (Narrenrat), Sascha Bossart (Narrenrat und Ballett), Michaela Franchini (Bar und Garde), Petra Pfau (Ballett und Trainerin), Kai Sablijc (Männerballett und DJ), Florian Sutter, Ingo Thiedmann und Jonny Walz (alle Männerballett). Weitere sieben Aktive wurden für fünf Jahre Einsatz auf dem selben Feld geehrt. Sie bekamen die Medaille in Bronze. (rin)

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