Man könnte süffisant von einem kleinen Familienbetrieb sprechen. Im Unterschied zu rechtschaffenen Unternehmern aber ging die Gruppe aus Osteuropa kriminellen Machenschaften nach. Eine Mutter (51) und ihre beiden Söhne, 31 und 27 Jahre alt, sollen unterstützt vom heute 52-jährigen Lebensgefährten der Frau in der Saison 2016 am Untersee und am Überlinger See nicht weniger als 63 Außenbordmotoren von Booten abmontiert und entwendet haben.

Der Wert der Beute wird auf rund 70 000 Euro beziffert. Die Motoren wurden stets rasch nach Tschechien verfrachtet und dort offenbar auch teilweise in Einzelteile zerlegt verkauft. Am Dienstag gaben die Wasserschutzpolizei und die Staatsanwaltschaft Konstanz die Aufklärung des Falles bekannt. Die mutmaßliche Mutter wird als Haupttäterin gehandelt. Sie erwartet ebenso wie die anderen drei Beteiligten ein Strafverfahren, das von der Staatsanwaltschaft Konstanz geführt wird.

Gut erreichbar und nachts unbeaufsichtigt

Die Diebstahlserie von Außenbordmotoren, die der Familienbande zugerechnet wird, erregte vor zwei Jahren einige öffentliche Aufmerksamkeit. Die Täter gingen stets im Schutze der Dunkelheit ans Werk. Tatorte waren Bootsliegeplätze und Bojenfelder am Untersee vor Allensbach, Radolfzell und der Höri. Am Überlinger See waren es Bojenfelder vor Konstanz-Litzelstetten.

Alle Tatorte waren mit Fahrzeugen gut erreichbar und zur Nachtzeit unbeaufsichtigt. So ließ sich die Beute gut abtransportieren, wie die Polizei rekapituliert. Den Dieben fielen überwiegend Motoren im Leistungsbereich zwischen vier und sechs PS in die Hände, aber auch Aggregate bis zu 20 PS seien nicht verschmäht worden, heißt es in der Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Wasserschutzpolizei zu der Diebstahlserie. Die Taten ereignete sich zwischen März und Dezember 2016.

Verdächtige als Touristen unterwegs

Die Skizzierung der weiteren Abläufe zeigt die internationalen Verflechtungen auf – einerseits auf Seiten der Diebe, andererseits bei den polizeilichen Ermittlungen. Es war eine Streife des Polizeipräsidiums Konstanz, die im Dezember 2016 in Bodman-Ludwigshafen ein Auto kontrollierte. Darin saßen die 51-Jährige und ihr 27-jähriger Sohn. Beide Osteuropäer gaben an, als Touristen unterwegs zu sein. Glauben mochten die Kontrolleure das nicht, nachdem sie in dem Wagen entsprechendes Werkzeug, ein Fernglas und ein Schlauchboot gefunden hatten.

Für eine Festnahme reichten die Verdachtsmomente damals allerdings nicht aus, wie ein Ermittler gegenüber dieser Zeitung erläuterte. Weitere Ermittlungen hätten dann ergeben, dass es sich bei der Frau um die mutmaßliche Haupttäterin der Diebstahlserie handelte. Die Frau war zuvor bereits in der Schweiz gemeinsam mit ihrem 31-jährigen Sohn wegen Außenbordmotorendiebstählen ausgefallen und wurde dort von der Polizei gesucht.

Diebesgut im Kofferraum

Es war der 28. Januar 2017, als Fahnder dann die erfolgreiche Festnahme der tatverdächtigen Mutter und ihres 31-jährigen Sohnes vermelden konnten. Beide waren im bayerischen Waidhaus bei der Ausreise nach Tschechien festgenommen worden. Im Fahrzeug fanden Kontrolleure drei Außenbordmotoren, gestohlen in der Nacht zuvor in Rümikon im Kanton Aargau. Die Schweizer Justiz beantragte bei den deutschen Behörden die Auslieferung der Tatverdächtigen. Dort wurde die 51-Jährige zügig verurteilt. Ihre Haftstrafe hat die Frau bereits abgesessen.

Gutes Erinnerungsvermögen

In der Folge stellte die Staatsanwaltschaft Konstanz wiederum ein Rechtshilfeersuchen an die Schweizer Justiz. Konstanzer Polizisten konnten die Verdächtigen auf Schweizer Boden vernehmen. Dabei habe die 51-Jährige ihre Beteiligung an der Diebstahlserien am deutschen Bodensee gestanden.

Die Frau habe sich noch an viele Details und Tatorte erinnern können, vermerkt dazu die Presseerklärung der Konstanzer Polizei vom Dienstag. Einem Mitglied der Familienbande droht derweil noch in Österreich Strafverfolgung. Der 31-Jährige soll sich dort wegen mehrerer Wohnungseinbrüche verantworten.