Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz

Schöne neue Krankenhauswelt: Hier im Bild der Eingangsbereich des 2018 bezogenen Neubaus am Klinikum in Konstanz. Rund 100 Millionen Euro wurden investiert.
Schöne neue Krankenhauswelt: Hier im Bild der Eingangsbereich des 2018 bezogenen Neubaus am Klinikum in Konstanz. Rund 100 Millionen Euro wurden investiert. | Bild: Aurelia Scherrer

Die Lage: Im Bereich der stationären medizinischen Versorgung können sich Dinge rasch ändern. Diese Erfahrung hat der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz (GLKN) gerade in erschreckender Weise gemacht. Über fünf Jahre seit der Gründung 2012 wies die kommunale Gesellschaft, getragen vom Landkreis Konstanz und den Klinikgesellschaften Konstanz und Singen, insgesamt über elf Millionen Euro Gewinn aus, wie Aufsichtsratschef Landrat Frank Hämmerle erst im Dezember rekapitulierte.

 

"Der Aufsichtsrat sieht die Notwendigkeit, strategisch zu planen."Frank Hämmerle, Aufsichtsratsvorsitzender Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz
"Der Aufsichtsrat sieht die Notwendigkeit, strategisch zu planen."Frank Hämmerle, Aufsichtsratsvorsitzender Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz | Bild: Peter Lippert

Doch die Zeiten sind vorbei. Ganz plötzlich tat sich im Spätherbst das siebenstellige Finanzloch auch. Der Kreistag spannte den Rettungsschirm auf, genehmigte fünf Millionen Euro Betriebskostenzuschuss und wendete damit möglicherweise sogar die Zahlungsunfähigkeit ab. Akuter Anlass für die Finanznot waren Rückforderungen der Krankenkassen – der GLKN sah sich verheddert in einem Streit um komplexe Abrechnungssysteme, der bundesweit Kliniken betraf. Doch der Kassenstreit macht nur einen Teil des finanziellen Leidens aus. Ins Minus hat den Verbund auch der Fachkräftemangel in der Branche getrieben. Weil Pflegekräfte fehlten, musste 2018 am Klinikum Konstanz vorübergehend bis zu 50 Betten in der Inneren Medizin geschlossen werden. Das belastet die Bilanz. Hinzu kommen selbst gewebte Strukturfehler, wie eine zu schwache Eigenkapitalbasis des Klinikverbunds. Am Ende scheint der Aufsichtsrat auch nicht mehr den eigenen Geschäftsführern richtig zu trauen, deren Verträge erst 2017 langfristig verlängert wurden. Von Trennung ist nicht die Rede, aber ein neuer Oberaufpasser wird schon gesucht. Wie sagte Aufsichtsratschef Landrat Frank Hämmerle, als er bekanntgab, dass der Verbund einen neuen Geschäftsführer suche: "Der Aufsichtsrat sieht die Notwendigkeit, strategisch zu planen."

Die Struktur: Der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz mit seinen Klinikgesellschaften Konstanz und Singen (einschließlich der Standorte Radolfzell und Stühlingen) verfügt nach Angaben des Verbunds derzeit über 1300 Betten. Die Gesundheitseinrichtung zählte im Jahr 2017 knapp 45 700 stationäre und rund 94 600 ambulante Patienten.

Klinikverbund Medizin Campus Bodensee

Das 1975 eröffnete Städtische Krankenhaus ist als Klinikum Friedrichshafen seit 2013 Teil des Medizin Campus Bodensee. Die 400-Betten-Klinik ist das größte Haus im kommunalen Klinikverbund mit den Krankenhäusern in Tettnang und Weingarten. Bild: Medizin-Campus Bodensee
Das 1975 eröffnete Städtische Krankenhaus ist als Klinikum Friedrichshafen seit 2013 Teil des Medizin Campus Bodensee. Die 400-Betten-Klinik ist das größte Haus im kommunalen Klinikverbund mit den Krankenhäusern in Tettnang und Weingarten. Bild: Medizin-Campus Bodensee | Bild: Klinikum

Die Lage: Mit der Gründung eines Klinikverbunds in kommunaler Regie wollte sich das Klinikum Friedrichshafen, das bis 2016 schwarze Zahlen schrieb, zukunftssicher aufstellen. Doch der Zusammenschluss mit den Krankenhäusern in Weingarten und Tettnang zum Medizin Campus Bodensee (MCB) geriet zum Kraftakt. Die Anlaufverluste der drei Betriebe unter einem Dach summierten sich von 2014 bis 2017 auf rund 15,5 Millionen Euro – ein Drittel mehr als kalkuliert.

"Die größten Kopfschmerzen bereitet uns gegenwärtig der Fachkräftemangel, vor allem in der Pflege. Aber auch die duale Finanzierung ist ein dauerhaftes Problem."Johannes Weindel, Geschäftsführer des Klinikums Friedrichshafen bis Ende 2018
"Die größten Kopfschmerzen bereitet uns gegenwärtig der Fachkräftemangel, vor allem in der Pflege. Aber auch die duale Finanzierung ist ein dauerhaftes Problem."Johannes Weindel, Geschäftsführer des Klinikums Friedrichshafen bis Ende 2018 | Bild: Klinikum Friedrichshafen

Im Oktober genehmigte der Gemeinderat Friedrichshafen deshalb einen Nachschuss von 6,4 Millionen Euro. Ohne Betriebskostenzuschüsse geht es vorerst nicht. Für 2018 und 2019 zahlt der Hauptgesellschafter aus Mitteln der Zeppelin-Stiftung weitere zehn Millionen Euro. Darüber hinaus sind Investitionen nötig, um den MCB im Klinikwettbewerb zu stärken. Für 2018 genehmigte der Rat 16,2 Millionen Euro für alle drei Häuser, darunter 9,3 Millionen allein für das neue Zentrale Versorgungszentrum, das der MCB für 28 Millionen Euro auf seinem Campus in Friedrichshafen bauen will; 12 Millionen Euro gibt das Land dazu. Nachdem MCB-Chef Johannes Weindel diese Gelder mit dem Ratsbeschluss Ende Oktober gesichert wusste, gab er bekannt, zum Jahresende 2018 die Geschäftsführung abzugeben. Aber nicht nur die Finanzlage, auch die Personalsituation ist angespannt. „Die größten Kopfschmerzen bereitet uns gegenwärtig der Fachkräftemangel, vor allem in der Pflege“, sagt Johannes Weindel. Zwölf Vollzeit-Pflegekräfte fehlen im MCB. "Für unsere 633 Pflegekräfte und 167 Schüler bedeutet dies eine weitere Verdichtung der Arbeit und mehr Überstunden“, so Weindel. Es bedeutet aber auch, dass temporär Stationen geschlossen werden müssen, um andere personell zu verstärken. „Das kann und wird keine Dauerlösung sein“, so Weindel.

Die Struktur: Zum MCB (650 Betten) zählen die Krankenhäuser Weingarten und Tettnang. Haupteigner ist die Klinik Friedrichshafen GmbH, an der zu 5 Prozent die Waldburg-Zeil-Kliniken beteiligt sind. Je 5,1 Prozent gehören der Stadt Weingarten bzw. dem Bodenseekreis. 2017 wurden 33 500 Patienten stationär behandelt, dazu kamen 7845 ambulante Eingriffe.

Schwarzwald-Baar Klinikum

Der Neubau des Schwarzwald-Baar Klinikums zwischen Villingen und Schwenningen ist als zusammenhängender Gebäudekomplex in der oberen Bildmitte zu sehen. Das rund 46 000 Quadratmeter große Krankenhaus mit 750 Betten ging 2013 in Betrieb und kostete gut 280 Millionen Euro.
Der Neubau des Schwarzwald-Baar Klinikums zwischen Villingen und Schwenningen ist als zusammenhängender Gebäudekomplex in der oberen Bildmitte zu sehen. Das rund 46 000 Quadratmeter große Krankenhaus mit 750 Betten ging 2013 in Betrieb und kostete gut 280 Millionen Euro. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Die Lage: Das Thema Geld setzt auch das kommunale Schwarzwald-Baar Klinikum unter Druck. Das hat vor allem mit dem 2013 in Betrieb genommenen Großklinikum in Villlingen-Schwenningen zu tun. Dieses ersetzt zwar mehrere Altstandorte, um effizienter und auf modernstem medizinischen Niveau arbeiten zu können. Aber das Projekt kostete gut 280 Millionen Euro. Und davon musste das Klinikum – mangels ausreichender Landeszuschüsse für Investitionskosten – 131 Millionen Euro per Darlehen finanzieren.

"Es herrscht Fachkräftemangel, das bekommen wir auch zu spüren. Im Ärztlichen Dienst und im Pflegedienst sind zurzeit etwa jeweils drei Prozent der Stellen unbesetzt."Sandra Adams, Sprecherin Schwarzwald-Baar Klinikum
"Es herrscht Fachkräftemangel, das bekommen wir auch zu spüren. Im Ärztlichen Dienst und im Pflegedienst sind zurzeit etwa jeweils drei Prozent der Stellen unbesetzt."Sandra Adams, Sprecherin Schwarzwald-Baar Klinikum | Bild: Schwarzwald-Baar-Klinikum

Daraus resultiert nun eine schwere Bürde: Alljährliche Abschreibungen von rund 4,4 Millionen Euro und die Zinszahlungen von rund 6,3 Millionen Euro für die kreditfinanzierten Teile des Klinikneubaus müssen aus dem laufenden Betrieb erwirtschaftet werden. Bislang kam das Klinikum mit der Herausforderung aber so gut klar, dass etwa 2017 unterm Strich immer noch ein Gewinn von 2,85 Millionen Euro blieb. Obendrein investiert das Klinikum weiter: Das Krankenhaus am zweiten Standort Donaueschingen wurde nun komplett auf Zweibettzimmer-Standard umgebaut. Von den Investitionskosten in Höhe von 6,3 Millionen Euro übernahm das Land aber nur 1,7 Millionen Euro, den Rest bleibt erneut am Klinikum hängen. Was die Neuregelung für Abrechnungen mit den Krankenkassen betrifft, sieht Klinikum-Sprecherin Sandra Adams "keine nennenswerten Auswirkungen". Anders sieht es im Personalbereich aus: Hier wurde die Stellenzahl zwar weiter aufgestockt von 2017 Vollkräften im Jahr 2013 auf 2093 Vollkräfte in 2017. Doch dafür Leute zu finden ist schwer: "Es herrscht Fachkräftemangel, das bekommen wir auch zu spüren. Im Ärztlichen Dienst und im Pflegedienst sind zurzeit etwa jeweils drei Prozent der Stellen unbesetzt", so Adams.

Die Struktur: Das Klinikum gehört zu 60 Prozent dem Schwarzwald-Baar-Kreis, der die alleinige Finanzverantwortung trägt, sowie zu 40 Prozent der Stadt Villingen-Schwenningen. Das Klinikum hat zwei Standorte – Villingen-Schwenningen und Donaueschingen – mit insgesamt 1000 Betten. Die Gesundheitseinrichtung zählte im Jahr 2017 knapp 50 000 stationäre und fast 160 000 ambulante Patienten.