Konstanz Energiewende-Report für den Landkreis Konstanz: Es ist noch viel zu tun

Der Landkreis Konstanz kommt zwar in einigen Bereichen mit den Energieeinsparungen voran. Doch um bei erneuerbaren Energien und Schadstoffausstoß die baden-württembergischen Klimaziele zu erreichen, sind noch deutliche Anstrengungen nötig.

Soeben hat das Bundesumweltministerium eingeräumt, dass die Bundesrepublik die selbstgesteckten Klimaschutzziele wohl nicht erreichen wird. Und auch am westlichen Bodensee kommt die Energiewende nicht richtig voran. Das zeigt eine aktuelle Bestandsaufnahme des bei der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) angesiedelten Kompetenzzentrums Energiewende Region Konstanz. Zwar hat sich im Kreisgebiet der Energieverbrauch pro Person innerhalb eines Jahres um 2,5 Prozent verringert. Dies liegt jedoch weniger an nachhaltigerer Lebensweise der Einwohner als am deutlichen Rückgang des Energieverbrauchs in der Industrie (minus 9,4 Prozent) sowie an Effizienzsteigerungen bei Gebäudeheizungen. Durch einen bewussteren Umgang der Menschen mit Energie wären nach Einschätzung der Experten deutlich größere Einsparungen zu erzielen. Und dann seien auch die von der Landesregierung gesetzten Klimaziele erreichbar.

Als markanten Bremser der Energiewende hat das Kompetenzzentrum den wachsenden Autoverkehr identifiziert. Die Zunahme des Verkehrs und der Trend zu größeren Fahrzeugen mit höherem Treibstoffverbrauch kompensieren nach Ansicht von Sven Simon einen Großteil der in anderen Bereichen erzielten Energieeinsparungen. Simon hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HTWG den aktuellen Energiewende-Monitor verfasst. Das Gros der Daten bezieht sich auf das Jahr 2014, in Teilen sind neuere Zahlen einbezogen.

Anlass zu Ernüchterung sieht das Kompetenzzentrum auch im Bereich des Ausbaus erneuerbarer Energien. Knapp sieben Prozent des Energieverbrauchs im Landkreis Konstanz wurden im Jahr 2014 aus erneuerbaren Energien wie zum Beispiel Solarstrom gedeckt. Um die Klimaziele in Baden-Württemberg zu erreichen, müsste der Anteil bis 2025 auf 25 Prozent steigen. „Beim tatsächlichen Ausbau erneuerbarer Energien kann man in der Zeit von 2011 bis 2014 keinen nennenswerten Fortschritt erkennen“, sagt Sven Simon. Auch für den Bereich der Treib­-hausgase hat der Energiewende-Monitor für den Landkreis die Emissionen mit den Zielen der Landesregierung abgeglichen. Demzufolge reduzierten sich die Kohlendioxid-Emissionen 2014 gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent auf 7,9 Tonnen pro Einwohner. Die Landesregierung peilt derweil bis 2020 einen Pro-Kopf-Wert von 6 bis 6,5 Tonnen CO2 an.

Ein besonderes Augenmerk richtet die Untersuchung auf die Frage, wie trotz eines beträchtlichen Bevölkerungswachstums (2014/15 kamen 7700 Neubürger in den Landkreis) Energiebedarf und -verbrauch gesenkt werden können. Dafür wurden Bauweisen in Neubaugebieten und Wohn- und Belegungsdichten verglichen. Daraus wird beispielsweise der Vorschlag zu Bauformen mit Wohngemeinschaftscharakter entwickelt, um etwa platz- und energiesparend Küchen gemeinsam zu nutzen. Für Sven Simon steht zudem fest: „Wir müssen dringend mehr bei der Bestandssanierung von Gebäuden tun.“


Impulse setzen

Das Kompetenzzentrum Energiewende Region Konstanz an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung analysiert die Situation im Landkreis und will Impulse zur Beschleunigung der Energiewende setzen. 26 Organisationen sind Kooperationspartner. Dazu zählen etwa die Solarcomplex AG und die Konstanzer Stadtwerke. Der aktuelle Energiewende-Monitor lässt sich auf der Homepage des Kompetenzzentrums herunterladen (www.energiewende.htwg-konstanz.de).

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen/Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren