Nachdem der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle am 22. Oktober seinen vorzeitigen Rücktritt zum 30. April 2019 angekündigt hatte, stellte sich eine wichtige Frage: Wird der Kreistag in seiner derzeitigen personellen Zusammensetzung den neuen Landrat wählen, oder macht dies der neue Kreistag, der am 26. Mai nächsten Jahres gewählt wird und der sich voraussichtlich nicht vor Juli nächsten Jahres konstituieren dürfte? Seit Montagabend ist diese Frage abschließend beantwortet. Der noch amtierende Kreistag hat in einer Sondersitzung bei nur zwei Gegenstimmen beschlossen, den neuen Mann an der Spitze der Kreisverwaltung noch selbst zu wählen und dafür die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen. Einstimmig fiel sogar der wichtige Beschluss zur Einsetzung eines zwölfköpfigen Sonderausschusses aus, der die weiteren Abläufe steuert.

"Wir wollen nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass ein Vakuum entsteht"

Der Beschlussvorschlag der Verwaltung und damit des noch amtierenden Landrats sieht die Wahl des neuen Landrats durch den alten Kreistag vor. In der überschaubaren Debatte zu dem Tagesordnungspunkt führten die Befürworter dieser Idee an, der alte Kreistag müsse die Personalentscheidung treffen, weil sonst nach dem Rücktritt Hämmerles im April nächsten Jahres der Tanker Kreisverwaltung über viele Monate ohne Führung sei. "Wir wollen nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass ein Vakuum entsteht", sagte Artur Ostermaier, Fraktionschef der Freien Wähler. Ähnlich äußerte sich FDP-Fraktionsvorsitzender Georg Geiger. Und SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Baumert sagte: "Es wäre unverantwortlich, den Chefsessel über Monate unbesetzt zu lassen." CDU-Fraktionsvorsitzender Uli Burchardt betonte, der alte Kreistag sei legitimiert, die Personalentscheidung zu treffen. Gegenrede kam allein von Siegfried Lehmann. Er appellierte, nach der Kommunalwahl solle der neue Kreistag den neuen Landrat wählen, denn der müsse anschließend auch mit dem neuen Kreistag zusammenarbeiten. Lehmann bemühte sogar das Argument der "demokratischen Hygiene". Seine Anträge wurden abgelehnt.

Noch vor Eintritt in die Diskussion hatte der CDU-Fraktionschef und Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt für eine Klarstellung gesorgt. Er stehe endgültig nicht als Kandidat für die Hämmerle-Nachfolge zur Verfügung, sagte er. In den vergangenen Wochen war Burchardt als potenzieller Bewerber gehandelt worden. Wohl auch deshalb, weil er auf SÜDKURIER-Anfrage eine Bewerbung zwar für die derzeitige Situation, aber nicht endgültig ausschließen mochte. Am Montagnachmittag nun hat Burchardt allen weiteren Spekulationen ein Ende gesetzt.

In einer schriftlichen Erklärung, die noch vor der Kreistagssitzung versandt wurde, stellt der Konstanzer Oberbürgermeister fest: "Ich kandidiere nicht für die Nachfolge von Frank Hämmerle. Ich werde bis 2020 und ich will darüber hinaus OB in Konstanz bleiben, ich brenne für diese Aufgabe und für meine Stadt. Es gibt in Konstanz noch viel für mich zu tun und ich habe ein Bündel von Ideen, mit dem ich mich 2020 wieder zur Wahl stellen und dann erneut um das Vertrauen der Konstanzerinnen und Konstanzer werben werde. Bis dahin werde ich mich weiterhin mit ganzer Kraft und Leidenschaft für die Zukunft der Stadt Konstanz und ihre Bürger einsetzen."