Kurz vor dem Bahnübergang hält der Zug an. Der Lokführer steigt aus und senkt selbst per Schlüssel die Bahnschranke. Die Fahrt geht im Schritttempo bis zum Bahnsteig weiter. Der Lokführer steigt aus und hebt die Bahnschranke wieder. Seit Jahren wiederholt sich dieser Vorgang immer wieder zwischen Allensbach und Markelfingen. Grund ist die Art, wie die Steuerung von fünf Bahnübergängen verdrahtet ist. Gibt es bei einem davon ein technisches Problem, haben die anderen vier es auch. Ende 2020 sollen die daraus resultierenden Verspätungen der Vergangenheit angehören, denn ab Februar will DB Netz diese Bahnübergänge sanieren. Die Deutsche Bahn geht von Kosten von 6,4 Millionen Euro aus, detailliertere Angaben der beteiligten Kommunen ergeben einen Wert von 6,6 Millionen Euro.

Bild: Orlowski, Birgit

Daniel König ist Pressesprecher beim Seehas-Betreiber SBB Deutschland und steht immer wieder auch selbst im Führerstand eines Zuges. „Besonders bei feuchtem Wetter merken wir es kräftig, im November und Dezember 2018 gab es sehr viele Störungen“, erläutert er das vielen Fahrgästen vertraute, wenn auch unregelmäßig auftretende Problem. Im August hätten bislang die Lokführer bei zwei größeren Störungen die Bahnübergänge selbst sichern müssen. Umso mehr freut er sich, dass voraussichtlich Ende 2020 die Bahnübergänge mit moderner Steuerungstechnik ausgestattet sein sollen.

Freude herrscht auch bei den Landtagsabgeordneten Nese Erikli (Grüne), Jürgen Keck (FDP) und Karl Rombach (CDU, Villingen-Schwenningen). Sie vermelden Landeszuschüsse von insgesamt 396 000 Euro für die Anteile der Stadt Radolfzell und der Gemeinden Allensbach und Radolfzell an den Sanierungskosten. Die Kommunen müssen sich allerdings nicht an den Kosten der Schrankentechnik beteiligen, sondern nur an jenen, die mit den kreuzenden Straßen verbunden sind.

Der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll verspricht sich von der Sanierung des Bahnübergangs beim Campingplatz Willam neben mehr Sicherheit auch eine Stärkung des Tourismus in seiner Gemeinde.
Der Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll verspricht sich von der Sanierung des Bahnübergangs beim Campingplatz Willam neben mehr Sicherheit auch eine Stärkung des Tourismus in seiner Gemeinde. | Bild: Optik Photo Hepp

Mit 100 000 Euro netto ist die Gemeinde Reichenau mit im Boot, denn auf ihrer Gemarkung liegt der nicht nur bei Urlaubern beliebte Campingplatz Willam zwischen Allensbach und Markelfingen. Dort sollen die Überquerungsmöglichkeiten von Fußgängern und Kraftfahrzeugen räumlich getrennt werden, erläutert Bürgermeister Wolfgang Zoll. „Außerdem sind südlich des Bahnübergangs einige Baumaßnahmen durchzuführen, die zusammen mit einer neuen Beschilderung dafür sorgen sollen, dass es zu keinem Rückstau auf den Bahngleisen kommt, wenn etwa Nutzer des Campingplatzes auf ihre Abfertigung warten müssen.“ Die finanzielle Beteiligung leistet die Gemeinde offenbar gerne, denn Wolfgang Zoll verspricht sich davon nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch eine bessere Erreichbarkeit des Campingplatzes mit DGB-Gelände. Sie stellen laut Zoll eine wichtige Übernachtungsmöglichkeit des Tourismusstandorts Reichenau dar.

Vergleichbares gilt auch für den Bahnübergang beim Campingplatz in Markelfingen. Dort soll die querende Straße optimiert werden, was sich in einem städtischen Anteil von 187 000 Euro an der Finanzierung niederschlägt. Weniger aufwendig sind die Straßenarbeiten beim Naturfreundehaus, für diese muss Radolfzell nur 70 000 Euro beisteuern.

Der Bahnübergang Allensbach Unterhausgasse bildet das östliche Ende der Sanierungsarbeiten, die im Februar beginnen und Ende 2020 beendet sein sollen.
Der Bahnübergang Allensbach Unterhausgasse bildet das östliche Ende der Sanierungsarbeiten, die im Februar beginnen und Ende 2020 beendet sein sollen. | Bild: Buchholz, Michael

Ähnlich unterschiedlich hoch sind die Kosten in Allensbach verteilt. Die Sanierung des westlich des Ortsrands liegenden Bahnübergangs Lohorn kostet die Gemeinde 85 616 Euro. Einige hundert Meter östlich davon befindet sich in idyllischer Wohnlage der Bahnübergang Unterhausgasse. Dort fallen die Kosten für die Gemeinde mit 132 058 Euro deutlich höher aus.