Auf der Internationalen Bodenseewoche den Überblick zu behalten, das ist keine leichte Aufgabe. Auf fünf Regattabahnen laufen die Wettkämpfe der etwa 160 Segelboote, teilweise sind mehrere Bootsklassen auf einer Bahn im Einsatz. Dazu kommen noch Dampf-, Motor- und Einsatzboote, die sich im Konstanzer Hafen präsentieren, Ruderregatten und Wasserskishows. Doch einer weiß immer, wo was passiert: Moderator Michael Kirz. Mit schwarzer Mappe und Mikrofon ist er an den Veranstaltungstagen im Hafenbereich im Einsatz, vor allem vor der Großleinwand. In seiner schwarzen Mappe finden sich Steckbriefe von allen Booten, die an den vier Tagen den Konstanzer Hafen anlaufen.

Er hält das Publikum auf dem Laufenden: Moderator Michael Kirz. Hier posiert er sich für den Fotografen testweise vor der Großleinwand am Konstanzer Hafen.
Er hält das Publikum auf dem Laufenden: Moderator Michael Kirz. Hier posiert er sich für den Fotografen testweise vor der Großleinwand am Konstanzer Hafen. | Bild: Jürgen Rössler

Dank gründlicher und zeitaufwändiger Recherche schafft Michael Kirz es sogar, den ein oder anderen Eigner mit neuen Fakten zum Boot zu überraschen. „Ich habe erst nach der Zusage gemerkt, wie zeitaufwändig das ist. Denn ich habe teilweise mit Werften in Kanada telefoniert, um Fakten zu den Booten zu sammeln“, so der 52-jährige Segelexperte. Er weiß beispielsweise, dass ein Konstanzer Feuerwehrboot und sein Schwesterschiff in Friedrichshafen aus DDR-Beständen stammen. Und er erläutert auf Anfrage, was der Unterschied zwischen eine Spinnaker und einem Gennaker ist.

„Segeln ist mein Leben“

Nun schon zum fünften Mal kommentiert Kirz an der Großleinwand im Konstanzer Hafen das Regattageschehen und stellt die Boote vor, die nach der Regatta in den Hafen einlaufen. Er interviewt Segler und Gäste. „Das macht riesigen Spaß, das Geschehen auf dem Wasser den Leuten rüberzubringen“, so Kirz zu seinem Part bei der Bodenseewoche, auch wenn es ihm ab und an schwerfällt, die Boote auslaufen zu sehen und selbst nicht auf dem Wasser aktiv werden zu können. Über 20 Jahre ist er jetzt schon in unterschiedlichen Bootsklassen im Regattasport im Einsatz, konnte schon deutsche Meistertitel und Europacups gewinnen. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er dem Publikum die Manöver der Schiffe draußen im Konstanzer Trichter erläutert, beispielsweise bei einem Winddreher oder in der spannenden Vorstartphase. Einige Bootsklassen sind mit GPS-Tracker versehen, so dass der aktuelle Stand auf dem Wasser auf der Großleinwand live bewertet werden kann. „Segeln, Regattasegeln ist mein Leben“, so Kirz. Diese Begeisterung bringt er auch am Mikrofon rüber.

Es geht um Sieg und Platzierung

Die Beurteilung der Regatten fällt nicht immer leicht. Bei den Yardstick-Klassen ist nicht immer derjenige Sieger, der als Erster die Ziellinie quert. Da muss die Zeit noch nach einer Formel umgerechnet werden. Zudem muss man abwarten, ob Proteste zu bearbeiten sind – was sich bei der Bodenseewoche trotz allen Ehrgeizes aber in Grenzen hält. Die Bodenseewoche hat zwar das Image eines Familienfestes der Wassersportler, doch kurz vor und während der Regatta geht es um den Sieg und Platzierungen. „Ich würde nicht sagen, dass hier nicht verbissen gesegelt wird – vor allem in der Startphase. Da versucht jeder, die beste Ausgangslage zu bekommen. Aber nach dem Zieleinlauf ist dann alles vergessen“, sagt der Moderator. Bis Sonntag wird er die Dinge wieder fürs Publikum einordnen.