Am Duoday öffneten im Landkreis Konstanz rund 20 Betriebe ihre Türen für Menschen mit einer seelischen oder geistigen Einschränkung. Einen Tag lang begleiteten sie einen Mitarbeiter an dessen Arbeitsplatz und bildeten mit ihm ein Duo. Am Duoday konnten sich Praktikanten ausprobieren und Erfahrungen auf dem ersten Arbeitsmarkt sammeln. „Der Tag hatte einen experimentellen Charakter“, so die Leiterin des Fachdienstes für Inklusion der Caritas Konstanz, Ute Jakob, beim Feierabendgespräch im Café der Radolfzeller Caritas. „Der Tag stand nicht unter dem Druck, dass sich daraus eine Arbeitsstelle ergibt, sondern beide Seiten sollten Erfahrungen sammeln, neue Blickwinkel eröffnen und aufeinander zuzugehen.“

Tag soll Einblick in Betriebe ermöglichen

Die Idee zur Teilnahme am international ausgerichteten Duoday entstand im Arbeitskreis der Träger für Beratung und Begleitung von Menschen, deren Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt eingeschränkt ist. „Der Duoday soll Einblicke in die Betriebe ermöglichen“, so Susanne Hauck. Im Vordergrund stehe das Sammeln von Erfahrungen, so die Sozialarbeiterin am Zentrum für Psychiatrie Reichenau: „Sowohl für die Klienten als auch für die Unternehmer.“ Sechs verschiedene Träger der Inklusion vermittelten Praktika am Stadttheater oder den Stadtwerken Konstanz sowie in einer Tierpension, einem Discounter, einer Drogerie und in einer Schreinerei oder an der Rezeption einer Arztpraxis. Inklusion fange mit der Begegnung zweier Menschen an, so Ute Jakob. Ergebnisse aus der Vorurteilsforschung hätten gezeigt, dass ohne eine Begegnung Vorurteile fleißig genährt werden. Sie könnten sich erst ändern, wenn man sich begegnet und wenn man Erfahrungen macht. Am Duo-Day konnten die Praktikanten einen Einblick in den ersten Arbeitsmarkt gewinnen, mitlaufen und den Ablauf kennenlernen. Sie fühlten sich in ihrer Wahl bestätigt oder erlebten ihre Grenzen.

Fotograf beteiligt sich

Frank Müller ist Fotograf und Inhaber eines Fotostudios für Industrie- und Werbefotografie in Gottmadingen. Für seine Kunden im Mittelstand fertigt er professionelle Bilder ihrer Produkte, Porträts der Mitarbeiter und Geschäftsführer sowie Produktionsabläufe im Betrieb an. Der Kontakt zum Duoday kam über einen Auftrag der Caritas im Februar zustande.

Viele Impulse vom Praktikanten

Der Wohlfahrtsverband vermittelte ihm Christian Bernardi als Praktikant. Was als ein eintägiges Praktikum angedacht war, weitete sich auf eine dreitägige Zusammenarbeit unter normalen Arbeitsbedingungen aus. „Gestern war es sehr kreativ“, so der Fotograf: „Wir haben ein Stillleben mit Gewürzen gemacht und Aufnahmen, bei denen dem Betrachter förmlich das Wasser im Mund zusammenläuft.“ Immer wieder wurden die Gewürze neu drapiert und das Licht neu gesetzt. Müller schätzte die Flexibilität und Kreativität seines Praktikanten und wie er auf neue Bedingungen schnell reagierte. „Beim Einrichten des Stilllebens kamen viele Impulse vom Christian, das fand ich richtig klasse“, berichtet Frank Müller begeistert.

Wunsch nach Kreativität erfüllt

Christian Bernardi beschreibt sich als Hobbyfotograf, für den das Fotografieren eine Leidenschaft ist und dessen Bilder im Freundes- und Familienkreis Anklang finden. Als er die Zusage des Fotografen erhalten hatte, wusste er, dass der Duoday „die Erfahrung schlechthin sein wird“. Bernardi arbeitet 30 Stunden pro Woche im geschützten Rahmen in der Bürogruppe der Caritas-Werkstatt. „Der heutige Tag ist etwas ganz Tolles für mich“, so der 48-Jährige. Alles was komplexer als der Alltag sei, empfindet er als spannend: „Das Kreative ist ein Bestandteil, dass ich mir auch im Alltag wünsche“, so Bernardi: „Endlich hatte es geklappt.“