Mit dem neuen Angebot „Grenzenloses Herbst-Hopping“ wollen die Touristiker am westlichen Bodensee die Schifffahrtssaison noch etwas ausdehnen und zugleich insbesondere die Einheimischen beidseits der Grenze in Kontakt bringen. Das manchmal etwas angespannte Verhältnis könnte sich nach der Vorstellung von Initiator Remo Rey, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) beispielsweise am sogenannten Begegnungstisch auf der MS Schaffhausen entspannen.

Deutsche und Schweizer können sich in angenehmer Atmosphäre besser kennnenlernen, Urlaubern sollen neue Blicke auf die Bodenseeregion geboten werden.

Fahrradmitnahme ist im Fahrpreis inbegriffen

Hinter dem über einen längeren Zeitraum vorbereiteten Herbst-Hopping verbirgt sich eine Art Kreuzfahrt an vier Wochenenden zwischen dem 19. Oktober und 10. November. Zum Preis von 17 Euro pro Erwachsenem oder 44 Euro für Familien mit bis zu vier Kindern (immer inklusive Fahrradmitnahme) können die Ausflügler einen Tag lang auch mehrfach den Untersee auf der zwei Stunden dauernden Fahrt von Mannenbach über Berlingen, Gaienhofen, Hemmenhofen, Steckborn, Radolfzell und Reichenau bis zurück nach Mannenbach durchkreuzen. An Bord sollen laut Lucia Kamp vom deutschen Tourismusverband Regio die Einheimischen für die Bedeutung des grenzüberschreitenden Tourismus sensibilisiert werden.

Einheimische dürfen Urlaub am Bodensee machen

Dies geschieht durch die Einbindung von Gastronomie, Kultur, Brauchtum, aber auch Handel bis weit ins Hinterland. Gerade jene, die selber im Tourismus arbeiten und im Sommer kaum Freizeit haben, sollen ihre Heimat genießen können.

Die Angebote an Land sind auf die Abfahrtszeiten der Schiffsrundfahrten alle zwei Stunden angepasst. So können die Passagiere auf eigene Faust entspannt das Napoleonmuseum auf dem Arenenberg besuchen, eine kleine Radtour mit gemieteten E-Bikes auf dem Bodanrück einschieben, Bummeln gehen, Museen besuchen oder bei einer Vielzahl kooperierender Gastronomen einkehren. Und das alles zu oft reduzierten Preisen.

Stoßen am Begegnungstisch auf der MS Thurgau auf ein Gelingen des ersten deutsch-schweizerischen Herbst-Hopping an (v.l.): Sandra Melnyk (Tourismusverband Regio), Nadja Anderes (Thurgau Tourismus), Eric Thiel (Geschäftsführer Tourismusverband Regio Konstanz-Bodensee-Hegau), Rolf Müller (Geschäftsführer Thurgau Tourismus), Lucia Kamp (Regio), Remo Rey (Geschäftsführer Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein).
Stoßen am Begegnungstisch auf der MS Thurgau auf ein Gelingen des ersten deutsch-schweizerischen Herbst-Hopping an (v.l.): Sandra Melnyk (Tourismusverband Regio), Nadja Anderes (Thurgau Tourismus), Eric Thiel (Geschäftsführer Tourismusverband Regio Konstanz-Bodensee-Hegau), Rolf Müller (Geschäftsführer Thurgau Tourismus), Lucia Kamp (Regio), Remo Rey (Geschäftsführer Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein). | Bild: Buchholz, Michael

„Der westliche Bodensee hat tendenziell immer mehr herbstliche Attraktionen, beispielsweise für Fotofreunde“, begründet Eric Thiel, Geschäftsführer von Regio, warum mit Blick auf Herbsturlauber sein Verein neben Thurgau Tourismus mit Geschäftsführer Rolf Müller von Remo Reys Ideen begeistert ist.

Zu ihnen gehört ein Familientag am 27. Oktober. Rey betont aber auch: „Ohne die Leistungsträger an Land hätten wir das Herbst-Hopping nicht verwirklichen können.“ Die Initiatoren haben aber auch darauf geachtet, das Angebot nicht zu weiträumig zu fassen.

Hoffnung auf dauerhaftes Angebot

Dieses Miteinander der Kooperationspartner hoffen die Organisatoren auch auf die Fahrgäste übertragen zu können. In der Herbstsaison mit eingeschränkten Fahrzeiten sind es allein bei der URh täglich immer noch 800 Passagiere, erklärt Remo Rey, im Sommer können es bis zu 2500 auf vier Schiffen sein. Sollte das „Grenzenlose Herbst-Hopping“ Anklang finden, könnte es zu einem dauerhaften Angebot werden.

MS Radolfzell nimmt Kurs auf den Heimathafen

Fast den ganzen Sommer lang mussten die Schiffsausflügler auf dem Untersee auf die MS Stadt Radolfzell verzichten.

Die „Stadt Radolfzell“ vor Überlingen. Im Juli wurde das Ausflugsschiff vom Untersee auf den Obersee verlegt, weil dort die „Schwaben“ wegen Maschinenschadens ausgefallen war. Auf dem Untersee wurde die „Stadt Radolfzell“ durch die „Reichenau“ ersetzt.
Die „Stadt Radolfzell“ vor Überlingen. Im Juli wurde das Ausflugsschiff vom Untersee auf den Obersee verlegt, weil dort die „Schwaben“ wegen Maschinenschadens ausgefallen war. Auf dem Untersee wurde die „Stadt Radolfzell“ durch die „Reichenau“ ersetzt. | Bild: Buchholz, Michael

Der Grund

Im Juli kam es auf der „Schwaben“ zu einem kapitalen Motorschaden, wie Pressesprecher Josef Siebler von den Stadtwerken Konstanz erläutert. Zu den Stadtwerken gehören die Bodensee Schiffsbetriebe und damit die MS Stadt Radolfzell. Der Motor der „Schwaben“ habe in der BSB-Werft Friedrichshafen komplett ausgetauscht werden müssen. Vermutlich altersbedingt sei wegen eines defekten Drehzahlreglers der Motor in einen Überdrehzahlbereich geraten. Der Schaden liege im mittleren sechsstelligen Bereich. Bei der Revision der „Schwaben“ auf die Saison 2018 hin seien keine entsprechenden Mängel festgestellt worden.

Die Folge

Die „Stadt Radolfzell„ übernahm auf dem Obersee laut Josef Siebler Kurse der „Karlsruhe„, die wiederum Kurse der „Schwaben“ übernahm. Auf dem Untersee wurde als Ersatz die „Reichenau„ genutzt. Sie war das Stammschiff in der Zeit, bevor die „Stadt Radolfzell„ anlässlich des 750. Stadtjubiläums von Radolfzell dort wieder ihren Heimathafen erhielt. Diesen hatte das Schiff (Baujahr 1994) bereits ganz am Anfang unter dem Namen „Königin Katharina“ und wurde dann an den Obersee verlegt. Die „Reichenau“ wird normalerweise im Überlinger See zwischen Unteruhldingen, Mainau und Meersburg eingesetzt.

Die Reaktionen

Es habe laut Josef Siebler Beschwerden wegen der geringeren Kapazität auf den Schiffen und daraus resultierenden zeitweiligen Einschränkungen für Gruppen, Fahrradfahrer und behinderte Menschen mit elektrischen Rollstühlen gegeben. Die „Stadt Radolfzell„ ist für 300 Passagiere zugelassen, die „Reichenau„ für 250, die „Schwaben“ für 770, die „Karlsruhe„ für 800. Die meisten Passagiere hätten aber angesichts der Gründe Verständnis für die Engpässe gezeigt.

Viele Gäste hätten sich besorgt nach der Zukunft der gerade erst im Art-Deco-Stil renovierten „Schwaben“ erkundigt. Laut Sabine Hellner von Tourismus und Stadtmarketing Radolfzell habe es keine dramatischen Folgen gegeben. Allerdings hätten zwei BSB-Veranstaltungen auf dem Untersee abgesagt werden müssen.

Die Auslastung

Infolge der geringeren Platzzahl sei die Auslastung auf der „Stadt Radolfzell„ und der „Reichenau„ sehr hoch gewesen, erläutert Stadtwerke-Sprecher Josef Siebler.

Die Zukunft

In der kommenden Saison soll die „Stadt Radolfzell„ zurück an den Untersee kommen. Die „Schwaben“ hat laut Josef Siebler neue Motoren des Herstellers Scania, die nicht nur weniger Kraftstoff verbrauchen, sie ermöglichen auch den Einbau von Rußpartikelfiltern. Ausgebaut wurden zwei Dieselmotoren der Motorenwerke Mannheim mit je 294 Kilowatt, Baujahr 1968.