Es ist nichts weniger als ein dramatischer Hilferuf: „Das ist eine Schadenssituation, wie wir sie zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg hatten“, sagt Bernhard Hake, der Leiter des Forstamts im Landkreis Konstanz.

Der Radolfzeller Revierförster Gerhard Heizmann spricht von der „schlimmsten Situation“, die er in 30 Jahren seiner Tätigkeit hier erlebt habe.

Der Baum muss weg: Revierförster Gerhard Heizmann neben einer rot marktierten Fichte, die von Borkenkäfern befallen ist.
Der Baum muss weg: Revierförster Gerhard Heizmann neben einer rot marktierten Fichte, die von Borkenkäfern befallen ist. | Bild: Jarausch, Gerald

Was die Forstleute alarmiert, lässt sich unter der Beschreibung klimabedingte Waldschäden zusammenfassen.

Es sind die Folgen von Stürmen, Wetterextremen und einem schleichenden Niederschlagsdefizit, dass 2018 in einen Dürre-Sommer mündete. Im Sog dieser Entwicklung haben sich Schädlinge wie der Borkenkäfer rasant ausgebreitet. In einer Saison können aus 1000 Käfern leicht 50.000 werden.

Geschwächte Bäume, ein Schädlingsbefall, der besonders Fichten, aber auch andere Arten betrifft: Die Forstleute sind zum Handeln gezwungen.

Wie das aussieht, lässt sich im Radolfzeller Stadtwald, aber auch anderswo am westlichen Bodensee beobachten. Während in den besseren, früheren Jahren der Holzeinschlag im März beendet war, rattern nun auch im Sommer die Vollernte-Maschinen.

Kurzer Prozess: Ein Vollernter fällt, entastet und zersägt eine Fichte. Das dauert eine gute Minute.
Kurzer Prozess: Ein Vollernter fällt, entastet und zersägt eine Fichte. Das dauert eine gute Minute. | Bild: Jarausch, Gerald

Das Kreisforstamt lässt derzeit 60-jährige Fichten fällen, die von Schädlingen befallen sind. Die Bäume könnten gut noch weitere 40 bis 60 Jahre stehen bleiben, wenn sie gesund wären.

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Doch nicht nur viele Nadelbäume sind stark geschwächt und geschädigt. Im Konstanzer Lorettowald, einem beliebten Naherholungsgebiet, hat die Forstverwaltung eine Fläche von einem Hektar sperren lassen, weil Äste aus dürregeschädigten Buchen herausbrechen könnten. Der Wald in Not.

Was sich am westlichen Bodensee zeigt, ist Teil einer europaweit kritischen Situation, wie Forstamtsleiter Hake betont.

Er verweist auch auf das Lagebild in Baden-Württemberg: Hier sei der Landkreis Konstanz derjenige mit dem größten Schadholzanteil in der Fläche.

Für Hake ist die Dynamik offenkundig: „Wir können nur reagieren, aber nicht agieren.“ Er verweist auf die Folgen der Dynamik. Weil allerorten Holz eingeschlagen wird, kommt es zu Staus in den Sägewerken. Die Preise fallen.

Wie viele Schädlinge haben sich anlocken lassen? Forstamtsleiter Bernhard Hake überprüft eine Borkenkäferfalle.
Wie viele Schädlinge haben sich anlocken lassen? Forstamtsleiter Bernhard Hake überprüft eine Borkenkäferfalle. | Bild: Jarausch, Gerald

Das Waldvermögen verliert rapide an Wert. Dazu kommen hohe Kosten, die für die Wiederaufforstungen kahler Flächen einzukalkulieren sind. Das trifft private Waldbesitzer ebenso wie Kommunen, für die die Einnahmen aus dem Holzverkauf lange ein sicherer Posten im Etat war.

Und dann ist da ja noch der Mensch, der im Wald Entspannung sucht und findet.

Auch auf den kommen Veränderungen zu. „Die Bevölkerung nimmt den Wald als Erholungsraum stabil wahr“, sagt Forstamtsleiter Bernhard Hake. Doch jetzt verändert sich das Erscheinungsbild. Es entstehen mehr freie Flächen, die wieder aufgeforstet werden müssen. Das kann Jahrzehnte dauern.