Sorgen um den Bestand der Fasnacht muss man sich nicht wirklich machen. Rainer Hespeler als Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee demonstrierte am frühen Samstagabend in einer eindrücklichen Inszenierung die Entwicklung des Verbands seit seiner Gründung vor 60 Jahren.

Nach und nach zitierte er Hästräger der insgesamt 120 Zünfte auf die Bühne, was am Ende für die etwa 800 Besucher im Volkertshausener Festzelt zu einem ebenso bunten wie imponierenden Bild führte.

Vier Bürgermeister, drei Gemeinden: Als Testbild erscheinen beim Festakt Noch-Bürgermeister Alfred Mutter (Volkertshausen) sowie Benjamin Mors (Steißlingen), Marian Schreier (Tengen) sowie Marcus Röwer als neuer Rathauschef in Volkertshausen (von links).
Vier Bürgermeister, drei Gemeinden: Als Testbild erscheinen beim Festakt Noch-Bürgermeister Alfred Mutter (Volkertshausen) sowie Benjamin Mors (Steißlingen), Marian Schreier (Tengen) sowie Marcus Röwer als neuer Rathauschef in Volkertshausen (von links). | Bild: Tesche, Sabine

Die Hegau-Gemeinde wurde nicht umsonst gewählt, denn mit dem 60sten Geburtstag des Verbands feierte am Wochenende die örtliche Rehbock-Zunft ihr 111-jähriges Bestehen. Der Aufgalopp von Bürgermeistern, Politikern und Behördenvertretern bei der offiziellen Geburtstagsfeier verdeutlichte dabei die gesellschaftliche Funktion der Narrenvereinigung, bei deren Gründung im Jahr 1959 gerade einmal 24 Zünfte mitwirkten.

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Im Laufe der folgenden Dekaden übte der Verband eine Sogwirkung aus, was nicht zuletzt auf die Ausweitung von organisatorischen Aufgaben bei närrischen Veranstaltungen zurückzuführen sein dürfte. So ergibt sich die Sinnhaftigkeit einer Verbandsmitgliedschaft für die Zünfte heutzutage allein aus den Erfordernissen für die Sicherheit.

Norbert Heizmann in Bestform: Für den Beitrag des Konstanzer Narren gibt es mehrfach Szenenapplaus.
Norbert Heizmann in Bestform: Für den Beitrag des Konstanzer Narren gibt es mehrfach Szenenapplaus. | Bild: Tesche, Sabine

Wie Rainer Hespeler in seinem geschichtlichen Abriss erläuterte, trug der Verband seinerseits durch eine offene Politik zum Wachstum bei. Der fasnächtlichen Tradition hat dies nach Einschätzung des Präsidenten nicht geschadet, weshalb auch künftig an der "liberalen Brauchtumsentwicklung" festgehalten werde. Das hört sich wie eine Floskel aus dem Repertoire von Festreden an – tatsächlich aber ist es noch gar nicht so lange her, dass beispielsweise die Übernahme von Vorstandsposten durch Frauen ein kleines Politikum darstellte.

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Volkertshausen als Keimzelle

Inzwischen sind die Rollen gänzlich anders verteilt und so konnte man am Samstag ein Grußwort der Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer in Form einer gereimten Verneigung vor den Zünften erleben. Deren soziale Aufgabe und Integrationskraft hob auch Karl Szofer als Vertreter der südwestdeutschen Narrenverbände am eigenen Beispiel hervor. Der Funktionär wurde im rheinischen Karneval sozialisiert, dennoch habe er es im Süden zu etwas bringen können.

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Karl Szofer hob dabei die Rolle des Dorfes hervor, das er als Keimzelle der Fasnacht im Verband Hegau-Bodensee bezeichnete. Als Bestätigung lässt sich dabei das Geschehen rund um das Festzelt deuten. In Volkertshausen herrschte am Wochenende eine Art des närrischen Ausnahmezustands. Beim Gang durch das Dorf mit rund 3000 Seelen, das am Wochenende insgesamt rund 8000 Hästräger empfangen haben dürfte, waren zumindest im Zentrum so gut wie alle Häuser für die Umzüge dekoriert, es gab etliche Besenwirtschaften samt der Infrastruktur sanitärer Einrichtungen sowie Service-Leistungen örtlicher Hilfsorganisationen und der Rehbock-Zunftmitglieder.

Norbert Heizmann in Hochform

Dass trotz der Fasnacht als Kollektivleistung kein Narr wie der andere ist und der ganze Mummenschanz letztlich nur durch die Summe ihres individuellen Witzes funktioniert, zeigte nach den Ansprachen ein bestens aufgelegter Norbert Heizmann im Schlussteil des Festakts. Der Parade-Narr aus Konstanz sammelte reihenweise Tuschs des Hannoken-Sextetts als Abordnung der Radolfzeller Froschenkapelle und dürfte bei vielen Besuchern für die Einplanung eines Fernsehabends gesorgt haben.

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Das Zugpferd der Konstanzer Fernsehfasnacht ist am Dienstag, 19. Februar, im Konzil zusammen mit Claudia Zähringer zu erleben, die Show wird ab 20.15 Uhr im SWR-Fernsehen übertragen. Ihren großen Auftritt wird dann auch die Garde der Narrenvereinigung Reichenau haben, die im Volkertshausener Festzelt den tänzerischen Schlusspunkt setzte.

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