In den Ausbau des Schienenverkehrs kommt mehr und mehr Bewegung. Bei einem Fachgespräch zu Wochenbeginn in Singen bekräftigte ein Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, dass der Bund 550 Millionen Euro für eine umfassende Modernisierung der Gäubahnstrecke (Singen-Stuttgart) zur Verfügung stelle. Die Elektrifizierung der Südbahn (Ulm-Friedrichshafen) soll in absehbarer Zeit in Angriff genommen werden. Im Zuge dessen wird voraussichtlich auch der Streckenabschnitt Friedrichshafen-Lindau bis Ende 2021 mit einer Oberleitung ausgestattet. Auch auf der Hochrheinstrecke zwischen Basel und Schaffhausen sei eine Elektrifizierung absehbar, wie das Landratsamt Konstanz in einer Bestandsaufnahme für den Kreistag ausführt. Bleibt am Ende die nicht elektrifizierte Kernstrecke der Bodenseegürtelbahn (Radolfzell-Friedrichshafen-Stadtbahnhof) die einzige Verbindung, auf der weiterhin Dieselloks die Wagen ziehen?

Halbstundentakt für die Regionalbahn

Damit auch auf der Bodenseegürtelbahn moderne Zeiten beginnen können, hat der Konstanzer Kreistag ein Zeichen gesetzt. In einem einmütigen Beschluss bekräftigte das Gremium nicht nur seine grundsätzliche Unterstützung für die Bemühungen des Interessenverbands Bodenseegürtelbahn zur Elektrifizierung der Strecke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen. Der Kreistag beschloss auch, sich finanziell an ersten Planungen zu beteiligen. Dafür stellt der Landkreis 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Planungskosten für die bevorzugte Variante mit Interregioexpress (IRE) im Stundentakt und Regionalbahn (RB) im halbstündlichen Rhythmus werden auf 3.8 Millionen Euro beziffert. Der Anteil des Landkreises Konstanz beträgt 40 Prozent – entsprechend dem Anteil an der Strecke. Knapp 2,3 Millionen Euro soll der Bodenseekreis beisteuern. Das entspricht einem Anteil von 60 Prozent der Streckenlänge von rund 70 Kilometern. Grundlage für die Planungskostenansätze sind geschätzte Baukosten von rund 100 Millionen Euro.

Nun ist der Bodenseekreis am Zug

In Konstanz wird mit der Zusage des Bodenseekreises gerechnet. Der Friedrichshafener Kreistag will seine Entscheidung im Herbst treffen. Bis dahin soll der Interessenverband Bodenseegürtelbahn, dem neben den beiden Landkreisen die Regionalverbände am Bodensee, die Industrie- und Handelskammern sowie diverse Kommunen angehören, noch Detailfragen klären. Dabei geht es zum Beispiel um die Mitfinanzierung von Infrastrukturbauten durch Bund und Land. Auf die Klärung dieser Details legt man auch im Konstanzer Landratsamt wert. Vielleicht lässt sich ja auch der Anteil an den ersten Planungskosten noch drücken.

Lob von der Initiative Bodensee-S-Bahn

Die Initiative Bodensee-S-Bahn hat die Zusage zur Kostenbeteiligung aus dem Konstanzer Landratsamt ausdrücklich gelobt. Die Interessengemeinschaft, in der sich Verkehrsclubs und die Organisation Pro Bahn für bessere Angebote im grenzüberschreitenden Schienenverkehr einsetzen, ist überzeugt, dass sich mit der Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn der größte Engpass für den Schienenverkehr im Bodenseeraum entschärfen lässt. Denn nach der Elektrifizierung von Südbahn und Hochrheinbahn bis 2026 bliebe ansonsten zwischen Radolfzell und Friedrichshafen eine Elektrifizierungslücke. Es bestünde die Gefahr, dass die nordwestliche Bodenseeregion dauerhaft von den überregionalen Bahnverbindungen abgeschnitten bleibe. Was den zukünftigen Fahrplan der Bodenseegürtelbahn angeht, fordert die Initiative Bodensee-S-Bahn nicht nur für die Regionalbahn, sondern auch für den Interregioexpress einen Halbstundentakt.