Berlin – Konstanz. Zweimal umsteigen. 11.49 Uhr ab, 20.16 Uhr an. Das ist doch mal ein Wort der Deutschen Bahn. Auch mit dem Auto wäre das kaum schneller zu machen. Und wenn man sieht, was in der Ferienzeit auf den Flughäfen los ist? Lieber Schiene. Leider gibt es Tage wie diesen in der dritten August-Woche, da zerschellen die Fahrpläne der DB an den rauen Steilhängen der Wirklichkeit. Schon am Berliner Hauptbahnhof hat der hier eingesetzte ICE beim Start zehn Minuten Verspätung. Beim Halt in Hannover sind es dann 29 Minuten. Um Unwetterschäden vom Vorabend an der Strecke auszuweichen, war ein Umweg nötig. Leider ist mit der Verspätung auch der Anschluss in Hannover verpasst. Statt mit einem ICE geht es nun mit dem Intercity Richtung Süden. Der hält irgendwo auf freier Strecke noch vor Göttingen. Laut Durchsage des Zugmanagers nehmen wir die Fahrgäste eines Zuges auf, der in Gegenrichtung auf der Fahrt nach Norden liegengeblieben ist. Hilfe von Gleis zu Gleis. Über zwei Stege zwischen zwei gegenüberliegenden Zugtüren wechseln die Gestrandeten, ihre Kinder, ihr Gepäck, ihre Fahrräder. Funktioniert die Klimaanlage?

Die Stadt, die Wissen schafft

Das Außenthermometer kratzt an der 30 Grad-Marke. Im Großraumabteil bleibt genug Zeit, über das Leben nachzudenken. Stillstand in Deutschland. 120 Minuten später rollt der IC wieder. Dann Halt in Göttingen, das als guter Umsteigebahnhof im Fernverkehr gilt. Das sollte man versuchen. Warten auf den ICE nach Stuttgart. Die Anzeigetafel zeigt 10 Minuten Verspätung an. Als die Prognose 35 Minuten beträgt, liefert die Ansage eine Erklärung mit: Notarzteinsatz am Gleis. So was kann dauern. Bummeln in der Bahnhofspassage. Es ist 18.50 Uhr. Andere essen daheim Abendbrot. Ich lese: Göttingen –Stadt, die Wissen schafft. Der ICE nach Stuttgart kommt. 97 Minuten Verspätung. Kassel, Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, 22.15 Uhr.

Blick auf den Taxameter

Wer weiterfahren will nach Konstanz, hat ein Problem. Es gibt an diesem Werktag keine durchgehende Verbindung mehr. Der Fahrplan weist für die Gäubahn 21.17 Uhr als Abfahrtszeit des letzten Zuges aus. Da heißt es Vorsprechen beim Servicecenter der DB im Stuttgarter Hauptbahnhof. „Sie sind nicht die einzigen mit dem Problem. Wir organisieren ein Taxi“, heißt es. Fünf ausgebremste Bahnreisende werden im SUV über die A 81 an den Bodensee kutschiert. Es regnet. 0.22 Uhr. Ankunft direkt vor der Haustür. Bei Aussteigen schaue ich kurz auf den Taxameter-Stand: 350 Euro. Die DB zahlt’s. Danke, Deutsche Bahn.

franz.domgoergen@suedkurier.de