Bodensee Ein Aufprall mit Wucht: Wie beim Katamaran-Unfall der Stand der Ermittlungen ist

Mittlerweile ist klar: Beim Katamaran-Unfall im August waren offenbar beide Kapitäne auf der Brücke. Auch die Instrumente funktionierten. Trotzdem gab es die fatale Kollision mit der Segelyacht. Viel spricht für schlichtes menschliches Versagen.

Es ging mächtig schnell, bis die zehn Meter lange Segelyacht gesunken war. Die Ermittlungen zu der heftigen Kollision mit dem zwischen Konstanz und Friedrichshafen fahrenden Katamaran dauert dafür umso länger. Am 12. August rammte der Katamaran Constanze auf Höhe Hagnau das Kajütenboot und versenkte es, dessen zweiköpfige Besatzung musste aus dem Wasser gerettet werden. Aber erst im November dürften die Ermittlungen abgeschlossen sein und dürfte die Entscheidung fallen, ob Anklage erhoben beziehungsweise eine andere Sanktion in Frage kommen wird, wie es nun von der Staatsanwaltschaft Konstanz auf Nachfrage heißt.

Rund drei Monate quälendes Warten auf drängende Fragen: Warum übersahen die beiden Schiffsführer an einem Tag mit klarer Sicht das etwa zehn Meter lange Sportboot? Was geschah an jenem frühen Abend auf der Brücke des Katamarans?

Klar ist mittlerweile offenbar: Beide Schiffsführer waren auf der Brücke, als es krachte, so die Staatsanwaltschaft Konstanz am Freitag auf Nachfrage. Obwohl bei klarem Wetter laut aktueller Betriebsgenehmigung nur einer hätte da sein müssen. Und nach allem, was man weiß, waren sie auch nüchtern. Die technischen Systeme haben laut Reederei funktioniert. Als Ermittlungsfazit „zeichnet sich Unaufmerksamkeit beziehungsweise menschliches Versagen ab“, heißt es von der Staatsanwaltschaft.

„Ich konnte beim Katamaran weder eine Geschwindigkeitsreduktion, noch eine Kursänderung feststellen“ – dies schreibt ein Leser des Wassersport-Magazins IBN, der Internationalen Bodensee- und Boot-Nachrichten, als Kommentar auf deren Internetseite. Er selbst habe von seinem Boot aus etwa 500 Meter Entfernung gesehen, wie die Segelyacht „förmlich explodiert“ sei, als der Katamaran sie „aus meiner Sicht frontal erfasste“. Von der Konstanzer Staatsanwaltschaft heißt es: Die Art der Kollision „spricht dafür, dass eine gewisse Wucht dahinter war“.

Die IBN werfen der Katamaran-Reederei vor, nicht nur das Paar auf der Segelyacht, sondern auch die Constanze-Passagiere gefährdet zu haben: Es habe keinen Funkruf an den in Gegenrichtung fahrenden Katamaran gegeben, obwohl der am schnellsten am Unfallort hätte sein können. Es sei ja nicht sofort einzuschätzen gewesen, wie groß der Schaden an der Constanze war. „Der andere Katamaran wurde verständigt“, widerspricht Reederei-Sprecher Sebastian Dix. „Nachdem klar war, dass der Katamaran Constanze fahrtüchtig war, war eine Hilfe jedoch nicht notwendig.“

Reinhard Heinl, Vorsitzender des Segler-Verbands Baden-Württemberg, kritisiert eine dürre Informationspolitik: „Tendenziell ist erkennbar, dass sich die Reederei hier aus der Verantwortung davonmachen will.“ Viele Segler kritisieren den Katamaran seit langem als Sicherheitsrisiko. Die Reederei beharrt drauf, derzeit weiter keine detaillierten Angaben zu machen: „Aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens und zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Betroffenen“, so Dix. „Wir haben null Interesse, etwas zu vertuschen, und es gibt auch nichts zu vertuschen.“

Der Schiffsführer, der die Constanze beim Unfall steuerte, tut derzeit nicht auf einem Katamaran Dienst. „Weitere Auskünfte können wir aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens und zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Betroffenen nicht geben“, schreibt Teresa Wolf, Pressesprecherin der Stadtwerke Konstanz, bei denen die Kat-Schiffsführer angestellt sind, auf Nachfrage. „Der andere Mitarbeiter arbeitet weiterhin auf dem Katamaran, wird aber nicht als Schiffsführer eingesetzt.“ Die beiden Segler, ein Konstanzer Ehepaar, waren am Freitag für eine Anfrage nicht erreichbar.

Die Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt wegen des Verdachts auf Gefährdung des Schiffsverkehrs nach Paragraph 315a Strafgesetzbuch. Ein Gutachter rekonstruiert derzeit den Unfallablauf, was noch mehrere Wochen dauern dürfte: So vollzieht er zum Beispiel anhand der GPS-Daten die Fahrmanöver nach und untersucht, ob es Sichtbehinderungen gegeben hat. Die Zeugenvernehmungen scheinen derweil weitgehend abgeschlossen. "Es gibt mehrere Zeugenaussagen, auch von Passagieren und den beiden Seglern", so die Staatsanwaltschaft. (ebr)

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