Es sind Ereignisse wie diese, die verstärkt Polizeiakten füllen. Fall Nummer eins: Als die Fußstreife der Polizei die Jugendlichen in einem Park passiert, nehmen die Ordnungshüter einen markanten Geruch wahr. Da keimt der Verdacht, dass hier Cannabis geraucht wird. Bei der Kontrolle finden die Polizisten einschlägige Rauchutensilien und stellen eine geringe Menge Marihuana sicher. Ein 19-Jähriger wird angezeigt. Fall Nummer zwei: Bei der Kontrolle eines 20-jährigen Autofahrers finden Polizisten im Kofferraum des Pkw unter anderem mehrere Gramm Marihuana. Der junge Mann zeigt Anzeichen einer Drogeneinwirkung. Er wird zur Blutentnahme gebeten und wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angezeigt.

Im Bereich der Rauschgiftkriminalität hat das Polizeipräsidium Konstanz einen starken Anstieg der Delikte insbesondere bei den als weiche Drogen bezeichneten Cannabis-Produkten Marihuana und Haschisch gemeldet. Präsidiumsweit mit den Landkreisen Konstanz, Sigmaringen, Ravensburg und dem Bodenseekreis wurden 2017 bei Besitz beziehungsweise Erwerb von Cannabis 2333 Fälle registriert, das sind 555 Delikte oder 31 Prozent mehr als 2016. Besonders stark beteiligt ist der Landkreis Konstanz mit 1200 Vorkommnissen (plus 51 Prozent). Das heißt, am westlichen Bodensee wurden im vergangenen Jahr pro Tag statistisch mehr als drei Feststellungen von Cannabis-Konsum oder -Besitz aktenkundig (Zum Vergleich: Im Bodenseekreis war es etwa ein Fall pro Tag). Eindeutiger Schwerpunkt der Cannabisszene ist die besonders grenznahe Stadt Konstanz (514 Delikte).

Das Polizeipräsidium hält Argumente parat, die die deutlichen Steigerungsraten relativieren. Zum einen heißt es, Drogendelikte seien eine "Hol-Kriminalität". Das soll heißen: Nur über aktive Ermittlungen der Polizei werden Delikte bekannt. Und das Präsidium habe verstärkt Personal eingesetzt, um das Dunkelfeld von Drogenkonsum und -handel auszuleuchten. Zum anderen fließen in die Polizei-Statistik auch Fälle ein, die vom Zoll ermittelt worden sind. Gleichwohl ist man im Präsidium alarmiert und besorgt. Polizeivizepräsident Gerold Sigg hat jüngst bei der Präsentation der Kriminalstatistik davor gewarnt, die gesundheitlichen Risiken des Konsums von Marihuana und Haschisch zu verharmlosen. Die Polizei setze weiter auf konsequente Strafverfolgung und Prävention. Im Gespräch mit dieser Zeitung warnte jetzt Polizeisprecher Berndt Schmidt: "In der Szene herrscht häufig die Meinung vor, dass Kleinstmengen zum Eigenkonsum straflos sind. Das ist nicht der Fall." Es handle sich um einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, den die Polizei zur Anzeige bringe.

Sorge bereitet den Ermittlern die Tatsache, dass vor allem viele junge Leute als mutmaßliche Cannabis-Konsumenten auffallen. 50 Prozent der Tatverdächtigen des vergangenen Jahres waren jünger als 21 Jahre. Im Bodenseekreis betrug der Anteil dieser Altersgruppe sogar 59 Prozent. Derzeit kümmern sich bei der Polizei zwei Ermittlungsgruppen an den Standorten Konstanz und Singen ausschließlich um die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität. Zugleich treibt das Präsidium die Präventionsarbeit voran. Beamte klären zum Beispiel Schüler über die Gefahren des Drogenkonsums auf und werben für "totale Abstinenz".

Cannabis-Handel

Das Polizeipräsidium Konstanz trifft auch Aussagen zum Cannabis-Handel. 2017 wurden 555 Strafanzeigen gefertigt (plus 44 Prozent). Meist wurden nach Angaben von Polizeisprecher Bernd Schmidt kleine Mengen gedealt. Aber die Polizei stieß auch auf professionelle Strukturen. Im August 2017 wurden in Konstanz zwei Männer und eine Frau verhaftet. Fahnder stellten bei einer Wohnungsdurchsuchung mehr als 20 Kilogramm Marihuana sicher, außerdem 55 Gramm Kokain und größere Bargeldbeträge. Fahnder deckten auch einen schwunghaften Handel mit Cannabis-Produkten in einer Flüchtlingsunterkunft in Konstanz auf.