Der 3. November 2018 ist ein sonniger Tag. In der Singener Nordstadt steigt die Fahrerin eines Streetscooters der Deutschen Post aus ihrem Fahrzeug, um Warensendungen zuzustellen.

Als sie zurückkommt, steht der Elektrotransporter in Flammen. Obwohl die Feuerwehr rasch zur Stelle ist, brennt das Fahrzeug völlig aus.

Video: privat

Der Polizeibericht über den Vorfall nennt später einen technischen Defekt als Brandauslöser und bringt zudem noch ein Problem zur Sprache. Weil eine Explosion der Fahrzeugbatterie nicht auszuschließen war, wurde für den Abtransport des Wracks eine spezielle Mulde eingesetzt. Einsatzkräfte der Feuerwehr begleiteten die Aktion.

Brennende Batterien sind nur schwer zu löschen

Bilder und ein kleines Video des Streetscooter-Brands in Singen sind inzwischen bundesweit als Anschauungsmaterial verbreitet worden. So nutzte zum Beispiel das ARD-Magazin Plusminus im März dieses Jahres die Aufnahmen als ein Beispiel dafür, dass brennende Fahrzeuge mit Elektro­antrieb die Feuerwehren vor große Herausforderungen stellen.

Dieses Feuer ist nicht mehr aufzuhalten: Flammen schlagen in Singen aus einem Postauto mit Elektroantrieb.
Dieses Feuer ist nicht mehr aufzuhalten: Flammen schlagen in Singen aus einem Postauto mit Elektroantrieb. | Bild: Feuerwehrarchiv

Das größte Risiko beim Brand von Elektrofahrzeugen geht demnach von den Batterien aus. Brennt erst einmal die eingebaute Lithium-Ionen-Batterie, dann ist sie mit einfacher Löschtechnik schwer zu löschen. Und auch nach dem Löschen scheint ein Wiederaufflammen wegen der hohen Temperaturen möglich.

Wie gut sind die Feuerwehren auf brennende E-Fahrzeuge vorbereitet?

Worauf sich die Feuerwehren am westlichen Bodensee und auch anderswo in Deutschland einstellen müssen, ist jetzt in einer Antwort des Umweltdezernats des Landkreises Konstanz auf eine Anfrage der FDP-Kreistagsfraktion nachzulesen.

„Ich wollte wissen mit meiner Anfrage, wie unsere Feuerwehren auf derartige Brände vorbereitet sind“, erläutert FDP-Fraktionsvorsitzender Georg Geiger. Das Umweltdezernat räumt ein, man sei noch „nicht umfassend“ auf ein solches Einsatzszenario vorbereitet und bestätigt in seiner Stellungnahme zunächst: „Brände von Elektroautos haben langwierige Einsätze zur Folge, die nur mit viel Löschwasser unter Kontrolle gebracht werden können.“

Batterien können nach 24 Stunden erneut Feuer fangen

Und auch nachdem das Feuer aus sei, könne es über einen Zeitraum von bis zu 24 Stunden und sogar darüber hinaus zu einer Wiederentzündung kommen. Kreisbrandmeister Carsten Sorg merkt an, der Brand eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor sei für die Feuerwehr nach einer Stunde erledigt, brenne ein Elektroauto, binde dies Einsatzkräfte über längere Zeit. „Wir müssen das thematisieren“, sagt Sorg. Und FDP-Kreisrat Geiger befürchtet: „Die sind ja kaum zu löschen in einer Tiefgarage.“

Umweltdezernent Philipp Gärtner verweist in der Antwort auf die FDP-Anfrage auf die Wiederentzündungsgefahr der Lithium-Ionen-Batterien. Die mache es oftmals notwendig, dass das gelöschte Fahrzeug längere Zeit in einem gesicherten Bereich abgestellt und kontrolliert werden müsse. Mit Blick auf die ehrenamtlichen Brandschützer heißt es: „Durch die lange Einsatzdauer kann dies in Einzelfällen zu einer immensen Belastung für das Ehrenamt führen.“

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Spezialausrüstung muss angeschafft werden

Die Rückzündungsgefahr der Batteriezellen könnte die Feuerwehren zu einer außergewöhnlichen Anschaffung herausfordern. Das Umweltdezernat regt an, einen mobilen Wasserbehälter anzuschaffen, in den die gelöschten Elektrofahrzeuge komplett versenkt werden könnten.

In dem Behälter bleibe das Fahrzeug so lange, bis es zu keiner Wiederentzündung mehr kommen könnte. Kreisbrandmeister Sorg sieht schon ein Anschlussproblem: „Was passiert mit dem kontaminierten Wasser?“