Vor dem Landratsamt geht nichts mehr. Zumindest nicht, wenn man keinen festen Termin hat, wegen dem man das Gebäude betreten muss. Zwei Personen kontrollieren am Eingang, nachdem das Landratsamt den Besucherverkehr wie nahezu alle Behörden stark zurückgefahren hat.

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Am Dienstag waren 45 Personen im Landkreis mit dem Coronavirus infiziert

Hinter verschlossenen Türen tagte wie jeden Dienstag und Freitag die Große Runde, um die aktuelle Lage der Corona-Pandemie zu besprechen – darunter Vertreter sämtlicher Kliniken im Landkreis, der Blaulicht-Einheiten, des Gesundheitsamts und die Bürgermeister der Region.

Im Kreis Konstanz gab es bis Dienstag 45 bestätigte Corona-Infektionen, gab Hannes Winterer vom Gesundheitsamt bei einer Pressekonferenz bekannt. Darunter sei „keine schwere Erkrankung“. Eine Person sei stationär ins Krankenhaus aufgenommen worden, auch diese befinde sich in einem stabilen Zustand. „Erfreulicherweise befindet sich ein erster Infizierter auf dem Weg der Genesung“, ergänzte Winterer.

„Senioren sollen bitte zu Hause bleiben“

Frank Hinder, ärztlicher Direktor des Gesundheitsverbundes, appellierte: „Alle Senioren sollen bitte zu Hause bleiben und sich von der Familie oder Bekannten versorgen lassen.“

Frank Hinder, Ärztlicher Direktor des Gesundheitsverbundes im Landkreis Konstanz.
Frank Hinder, Ärztlicher Direktor des Gesundheitsverbundes im Landkreis Konstanz. | Bild: sk

Hinder schloss sich den Worten von Kanzlerin Angela Merkel an, man solle „soziale Kontakte weitgehend einschränken“. Insbesondere soll man sich von anderen Personen fernhalten, wenn sich irgendein Erkältungsanzeichen bemerkbar mache.

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Appelle an Partys feiernde Menschen am Bodenseeufer – vorerst keine behördliche Auflösung

Nicht alle Menschen folgten zuletzt den Appellen. Frank Hinder mahnte daher vornehmlich junge Leute an, ihre dank Studiums- oder Schulpause gewonnene Freizeit nicht mit Partys am Bodenseeufer zu verbringen. Landrat Zeno Danner sagte zur Option einer behördlichen Auflösung solcher Partys: Er sei kein Freund restriktiver Maßnahmen. Man habe das Thema gemeinsam mit der Polizei und Ordnungsämtern besprochen und „wir wollen den Eindruck einer Kriminalisierung vermeiden“, so Danner.

Landrat Zeno Danner erklärte, man wolle Menschen, die sich nicht an Einschränkungen halten, vorerst nur auf mögliches Fehlverhalten hinweisen. Behördliche Verbote, etwa von Partys am Seerrhein in Konstanz, finden derzeit nicht statt.
Landrat Zeno Danner erklärte, man wolle Menschen, die sich nicht an Einschränkungen halten, vorerst nur auf mögliches Fehlverhalten hinweisen. Behördliche Verbote, etwa von Partys am Seerrhein in Konstanz, finden derzeit nicht statt. | Bild: Scherrer, Aurelia

Er könne nachvollziehen, dass Menschen derzeit verstärkt soziale Nähe suchen. Es sei schwierig genug, auf den Handschlag zu verzichten. „Wir setzen deshalb vorerst auf Hinweise, sich bitte nicht zu nah beieinander aufzuhalten“, meinte Danner.

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Landrat reagiert auf Kritik über Mängel beim Testverfahren

Zur aufkommenden Kritik über ein chaotisches, langsames und schlecht koordiniertes System bei den Tests auf den Coronavirus sagte Danner auf Nachfrage des SÜDKURIER: „Wir testen, was das Zeug hält.“ Die Labors seien voll ausgeschöpft – täglich liefen am Testzentrum Singen rund 200 Proben, in Konstanz circa 150.

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„Aber es werden immer mehr“, so Danner, „wir versuchen deshalb nachzusteuern und gleichzeitig unsere Kapazitäten nicht zu überlasten.“ Wichtig sei es deshalb, sich bei Grippesymptomen an den Hausarzt zu wenden, der wiederum mit einem Testzentrum einen Termin vereinbare.

Danner: „Gesundheitsamt arbeitet rund um die Uhr“ – Hotline nur bis nachmittags erreichbar

Für Verwunderung sorgte die begrenzte telefonische Erreichbarkeit des Gesundheitsamts (täglich von 8 bis 12 Uhr; montags bis donnerstags auch von 14 bis 16 Uhr). „Das Gesundheitsamt arbeitet rund um die Uhr“, sagte Zeno Danner nachdrücklich. Wenngleich es stimme, dass es derzeit nicht machbar ist, die Hotline rund um die Uhr besetzt zu halten.

Alternative zum Anruf: Online-Kurztest des Gesundheitsverbundes

Hannes Winterer als Vertreter des Gesundheitsamts ergänzte: Die Hotline sei mit sieben Mitarbeitern besetzt. Weil diese insbesondere neu aufkommende Fragen zunächst mit einem Arzt besprächen und erst dann eine Rückantwort gäben, sei der Aufwand groß. Der ärztliche Direktor des Gesundheitsverbundes, Frank Hinder, verwies als Alternative zur Hotline auf den Schnelltest im Internet, mit dem sich durch die Beantwortung von drei Fragen das Risiko einer Covid-19-Erkrankung besser einschätzen ließe. Der Test endet mit einer ständig aktualisierten Übersicht wichtiger Fragen im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Zur Klarstellung ergänzte Landrat Zeno Danner: „Selbstverständlich läuft die Kommunikation mit Infizierten nicht über die Hotline und auch nach 16 Uhr.“ Also wohl auch dann, wenn die Kontrolleure am Eingangsbereich des Landratsamts längst im Feierabend sind.

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