Vor zwei Jahren kriselte es vorübergehend etwas bei den Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU), einem der ältesten Verkehrsverbünde in der Bodenseeregion. Die in Romanshorn ansässige Schweizerische Bodensee Schifffahrt (SBS) weitete seinerzeit ihren Betrieb ins Kerngebiet der deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) aus.

Die BSB konterte mit Kostenaufstellungen für die Nutzung BSB-eigener Anlegestellen. Bei der Pressekonferenz der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen am Montag auf der MS Überlingen im Konstanzer Hafen war dies längst kein Thema mehr. Man habe für alles vertragliche Lösungen gefunden und arbeite partnerschaftlich gut zusammen, versicherte BSB-Geschäftsführer Norbert Reuter am Rande.

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der VSU bilanzierte Reuter ein gutes Geschäftsjahr 2018. Die Zahl der Fahrgäste stieg unterm Strich um vier Prozent, bei den deutschen Bodensee-Schiffsbetrieben waren es sogar über sechs Prozent.

"Gutes Wetterjahr, aber schlechtes Wasserjahr"

Einzig die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) verzeichnete bei den Fahrgastzahlen Einbußen (minus 7 Prozent). Laut Geschäftsführer Remo Rey war dies eine Folge des Niedrigwassers, das an mehr als 50 Tagen Abschnitte des Rheins unbefahrbar machte. "Wir hatten ein gutes Wetterjahr, aber ein schlechtes Wasserjahr", sagte Rey. Rein wirtschaftlich betrachtet war die vergangene Saison für die Schifffahrt auf Untersee und Rhein dennoch ein Erfolg.

Die URh bilanzierte eine schwarze Null. Und VSU-Chef Reuter zerstreute Zweifel, wonach bei entsprechender Wetterentwicklung 2019 ein niedriger Bodenseepegel die Schiffahrt auf dem See beeinträchtigen könnte. Für 90 Prozent der Anlegestellen sieht Reuter keine Gefahr.

In den vergangenen Monaten haben die Unternehmen im VSU-Verbund, zu dem neben den beiden Schweizer und dem deutschen Unternehmen auch die österreichischen Vorarlberg Lines gehören, wieder einiges in die Erneuerung ihrer Schiffsflotten investiert. Dabei bewiesen die nautischen Teams viel handwerkliches Geschick, wie auf der MS Stuttgart, wo auf 400 Quadratmetern ein neues Holzdeck eingebaut wurde.

Sternfahrt mit sechs Schiffen aus drei Ländern

Ob neue Böden oder neue Motoren: Ab kommenden Sonntag, 14. April, können sich die Fans der Schifffahrt selbst einen Eindruck von Möglichkeiten und neuen Angeboten verschaffen, denn dann sticht die Weiße Flotte offiziell wieder in See. Die Schweizerische Bodensee Schifffahrt wird dann allerdings bereits zwei Wochen im Einsatz sein. Die Romanshorner haben ihren Betrieb bereits am 30. März gestartet.

Den ersten Saisonhöhepunkt bietet die Weiße Flotte mit der traditionellen Sternfahrt am Samstag, 27. April. Ziel der Tour ist diesmal Friedrichshafen. Vor Friedrichshafen formieren sich dann sechs Schiffe aus der Schweiz, Österreich und Deutschland zu einem Stern.

Das Angebot der Schifffahrtsunternehmen ist auch in der neuen Saison abwechslungsreich. Es reicht von der Sommerparty auf der MS Sonnenkönigin, dem größten Schiff, das den Bodensee befährt, bis zum Strick-Schiff, das von Kreuzlingen bis Stein am Rhein tourt.

Apropos Sonnenkönigin: Das für 1000 Passagiere zugelassene und 2008 in Betrieb genommene Schiff bleibe ein internationales Aushängeschild, versicherte Alexandro Rupp, Geschäftsführer der Vorarlberg Lines. Mit der Sonnenkönigin könnten Touren unternommen werden, die sonst nicht möglich wären. "Gönnen Sie sich ein wenig Luxus", werben die Betreiber.

Als Eisenbahnwaggons mit der Fähre übersetzten

Andrea Ruf, die Geschäftsführerin der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt SBS verwies am Montag in Konstanz auf ein besonderes Verkehrsjubiläum. 1869 wurde die Zugstrecke von Romanshorn nach Rorschach als erstes Teilstück der Seelinie eröffnet. Zugleich wurden erstmalig Eisenbahnwagen per Schiff von Lindau aus über den Bodensee nach Romanshorn transportiert. Es war der Einstieg in die Trajektzeit, des Transport von Eisenbahnwaggons per Fährschiff, die erst 1976 endete. Das 150. Jubiläum wird mit verschiedenen Veranstaltungen in den drei Anrainerländern gefeiert.

Passagierzahlen sind gestiegen

  • Die Weiße Flotte lockt Millionen Menschen auf den Bodensee und Rhein. Die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen (VSU) zählten 2018 im Kursverkehr und auf Sonderfahrten 3,84 Millionen Passagiere. Das sind vier Prozent mehr als 2017. Allein knapp 2,4 Millionen Fahrgäste nutzten Angebote der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) Konstanz. Ein Passagier-Minus von sieben Prozent fuhr indes die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein ein. Der Grund: Der Rhein konnte während einer längeren Trockenheitsphase nicht durchgängig befahren werden.
  • Die Tarife: In der Saison 2019 bleiben die Schweizer-Franken-Preise der Tickets unverändert. Die Euro-Preise wurden hingegen um knapp zwei Prozent angehoben. Im Angebot ist fortan ein Saison-Ticket, mit dem man freie Fahrt auf fast allen Kursschiffen der VSU hat. Die Karte kostet für Erwachsene 250 Euro/270 Schweizer Franken, für Kinder 26 Euro/30 Franken.
  • Der Fahrradtag: Montags können Passagiere ihr Fahrrad auf VSU-Schiffen auf dem Obersee, Untersee und Überlinger See kostenlos mitnehmen. Ausgenommen sind laut VSU allerdings die Sommersaison sowie die Feiertage. Schiffe der Weißen Flotte sind übrigens auch noch unterwegs, wenn die Saison für die Kursschifffahrt beendet ist. So bieten die Unternehmen diverse Sonderfahrten im Herbst, im Advent sowie zu Silvester an.