Charlotta Skoglund ist Schwedin, und als solche mit Meer und Seen gut vertraut. Den Tauchschein hat sie seit 20 Jahren auch, ist aber so gut wie nie unter Wasser unterwegs. Lieber wandert sie oder fährt Ski. Mit Schiffen kam sie erst vor kurzer Zeit näher in Kontakt. Weit weg von ihrer Heimat, am Bodensee. Und dann gleich richtig: Seit dem 1. September arbeitet sie als Umweltmanagerin bei den Bodensee Schiffsbetrieben (BSB). Da kommt es einem Begrüßungsgeschenk gleich, dass die 41-Jährige gleich die Emas-Urkunde präsentieren kann. Mit diesem Gütesiegel attestiert die Europäische Union den BSB einen hohen Standard in Sachen Umweltschutz. Erstmals erhielten die BSB dieses Gütesiegel im Jahr 2000 als europaweit erstes Binnenschifffahrts-Unternehmen, schreibt dieses stolz in einer Mitteilung.

Dass nun Charlotta Skoglund die Anstrengungen für den Umweltschutz bei den BSB weiter voranbringen soll, ist vielleicht Zufall, vielleicht aber auch Schicksal. In ihrer schwedischen Heimat hatte sie ihr Studium in Kalmar mit dem Master in Umweltmanagement abgeschlossen und dann von 2000 bis 2013 in verschiedenen Kommunen in den Bereichen Umweltmanagement und Abfallwirtschaft gearbeitet. Vor etwa dreienhalb Jahren folgte sie ihrem Mann, der von seinem Arbeitgeber eine neue Aufgabe in Schaffhausen angeboten bekam. Dank eines halbjährigen Praktikums auf der Insel Mainau erwarb sie nicht nur bemerkenswert gute Deutschkenntnisse, sondern knüpfte auch Kontakt zu den BSB, wo sie jetzt eine 50-Prozent-Stelle hat.

Auch wenn das Arbeitsgebiet der Schwedin weiterhin der Umweltschutz ist, spürt sie dennoch einen starken Unterschied zwischen ihren früher stark industrieorientierten Aufgaben und den jetzigen, die auf den Tourismus ausgerichtet sind. „Man muss viel mehr kommunizieren und es ist eine besondere Herausforderung, Touristen in leichter Form für Umweltthemen zu interessieren“, beschreibt sie diesen Teil ihrer Aufgaben. Eine andere ist die Arbeit an der Emas-basierten Umwelterklärung der BSB, die nun von einem Umweltgutachter freigegeben wurde. In dem 29-seitigen Dokument wird detailliert beschrieben, bei welchen Vorgängen welche Einwirkungen auf die Umwelt entstehen und wie die BSB diese Einwirkungen so belastungsarm wie möglich halten wollen. Da erste große Schritte durch die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und den Einbau von Rußpartikelfiltern bereits gemacht wurden, geht man nach Darstellung von Charlotta Skoglund nun in vielen Bereichen ins Detail. „Ein großes Potenzial hätten die BSB darin, Touristen ein umweltfreundliches Erlebnis bieten zu können“, sagt sie. Neben vielen technischen Stellschrauben gibt es dafür auch Angebote wie Kombitickets bei der Anreise mit der Bahn oder die kostenlose Fahrradmitnahme an Montagen.

Ein Beispiel für möglichst sauberen Antrieb: Das Motorschiff „Stuttgart“ der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) wurde mit Rußpartikelfiltern nachgerüstet. Im Bild (von links) die BSB-Mitarbeiter Hardy Maeß, Ingo Flock (hinten) und Rene Quignon. Bilder: BSB
Ein Beispiel für möglichst sauberen Antrieb: Das Motorschiff „Stuttgart“ der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) wurde mit Rußpartikelfiltern nachgerüstet. Im Bild (von links) die BSB-Mitarbeiter Hardy Maeß, Ingo Flock (hinten) und Rene Quignon. Bilder: BSB | Bild: Bsb

Das Unternehmen beteuert in der Umwelterklärung seine über gesetzliche Vorgaben hinaus gehenden Ansprüche und verpflichtet sich zur kontinuierlichen Verbesserung des Umweltschutzes und der Energieeffizienz. Dies betrifft nicht nur die Schiffe, sondern auch Wartungsbereiche, sonstigen Fuhrpark und Verwaltungsräume. Erlebbar soll dieses Engagement weiterhin auf dem von den BSB unterstützten Forschungsschiff „Aldebaran“ sein.

 

Was bereits erreicht wurde und wie es weiter gehen soll

  • Zahlen: Die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) haben im Jahr 2016 durch einen deutlich geringeren Energieverbrauch die CO2-Emmissionen um 918 Tonnen gegenüber dem Vorjahr verringert, schreiben­ sie in einer Pressemitteilung. Seit dem Jahr 2011 ist der Gesamtenergieverbrauch von 26 171 350 Kilowattstunden (kWh) auf 24 221 001 kWh zurückgegangen. Die Fahrgastzahlen blieben in dieser Zeit weitgehend auf ähnlichem Niveau: 2 259 000 (2011), 2 278 000 (2012), 2 223 000 (2013), 2 163 000 (2014), 2 233 000 (2015) und 2 276 000 (2016).
  • Ressourcen und Abfall: Laut der Umwelterklärung sind die Mitarbeiter in Werft, Werkstätten und auf den Schiffen angehalten, Müll zu trennen. Das Abfallaufkommen hängt eng mit dem Umfang von Schiffsrevisionen in der Werft Friedrichshafen zusammen. Aktuell führe eine große Baumaßnahme im Hafen Lindau dazu, dass die Abfallmenge 2016 (81 Tonnen verwertbare Abfälle, 79,6 Tonnen zu beseitigende Abfälle) gegenüber den Vorjahren angestiegen ist. Den Trinkwasserverbrauch auf den Schiffen reduziere man durch bedarfsgerechte Betankung.
  • Vorhaben: Ab 2019 wird ein neues Schiff in den Kursverkehr eingebunden. Es soll auf Basis des Motorschiffs „Überlingen“ (1000 Passagierplätze) entstehen, da sich laut Pressesprecher Josef Siebler das Design für die BSB sehr bewährt habe. Der Neubau werde aber auch einige Neuerungen haben. Vorgesehen sei, die MS „Karlsruhe“ (800) aus dem Kursverkehr zu nehmen. Es gebe Überlegungen, es zunächst als 13. Schiff in der Flotte zu belassen und im Zuge der Landesgartenschauen in Überlingen 2020 und Lindau 2021 einzubinden.
  • Prüfverfahren: Die Emas-Urkunde ist ein Gütesiegel der Europäischen Union und wird von dieser als weltweit anspruchsvollstes System für nachhaltiges Umweltmanagement bezeichnet. Das Vorgehen bei den BSB trägt den Charakter einer externen Buchprüfung. Laut Umweltmanagerin Charlotta Skoglund hat ein externer Gutachter einen Tag lang an einem Standort zahlreiche Dokumente überprüft, mit Mitarbeitern gesprochen und die bauliche Situation sowie die Ausrüstung begutachtet. In Dreijahres-Zyklen werden alle Standorte überprüft.