Grillfeste am Ufer, der Aufenthalt in seenahen Biergärten und das Campingerlebnis mit Bodensee-Zugang: All das könnte in den nächsten Wochen ein wenig mühsamer werden für die Fans der Freiluft-Erholung, wenn die Prognose von Rainer Bretthauer zutrifft. Der promovierte Gewässerbiologe hat in seinem Berufsleben an der Universität Konstanz geforscht. Und er hat auch heute im Ruhestand noch ein waches Auge auf die Entwicklung der Stechmücken am Bodensee. Für die nächsten Wochen sagt Bretthauer voraus: „Wir müssen mit einer erheblichen Schnakenanzahl rechnen.“

Der Wasserstand spielt eine Rolle

Dabei klingt die Rechnung Bretthauers einfach. Wenn in Konstanz wie derzeit der Seepegel an der Vier-Meter-Marke nagt, erreicht der Wasserstand die Eiablage-Plätze der Bodenseeschnaken. Und wenn dann noch die Temperaturen steigen wie sie es derzeit tun, dann wird die Larve schnell zur Mücke. Etwa sieben Tage dauert ein solcher Entwicklungsprozess unter günstigen Bedingungen, wenn die Wassertemperatur 15 Grad oder mehr beträgt.

Warum der Wasserstand eine so große Rolle spielt: Die Eiablage-Plätze der Mücken müssen vom Wasser überschwemmt werden, und das sei erst ab einem Pegel um vier Meter der Fall, wie Bretthauer klarmacht. Denn auf dem dann vom Wasser erreichten Uferniveau findet sich der humusreiche Untergrund, den die Stechmücken als Brutstätte benötigen und wo sie ihre Eier ablegen.

Schilfgebiete bieten ideale Voraussetzungen

Ideale Voraussetzungen bieten da beispielsweise das Wollmatinger Ried und auch andere Schilfgebiete am See. „Im Schlickbereich legt die Schnake keine Eier ab“, sagt der Fachmann, der im Ehrenamt noch als Umweltbeauftragter der Stadt Radolfzell und als Naturschutzbeauftragter des Landkreises Konstanz aktiv ist.

Bretthauers Wissen um die mehreren Dutzend am Bodensee nachgewiesenen Stechmückenarten bleibt wohl unverzichtbar. Die Schnake sei derzeit am Bodensee kein Forschungsgegenstand, wie er erläutert. Es ist am Ende wohl das perfekte Zusammenspiel verschiedener Faktoren, das den Schnakensommer möglich macht.

Zum idealen Wasserstand müssen sich zumindest günstige Temperaturen und die ideale Luftfeuchtigkeit gesellen. Rainer Bretthauer tritt übrigens Befürchtungen entgegen, auch die Tigermücke habe die Region inzwischen erreicht und könne folglich auch hier die Erreger des gefährlichen Gelbfiebers übertragen.

Tigermücken in Freiburg und Heidelberg

„Die Tigermücke ist am Bodensee weit und breit nicht vorhanden“, sagt der Schnakenexperte. Es gebe kleine Vorkommen im Raum Freiburg und Heidelberg. Doch die Tigermücke sei wanderträge, die Strecke zum Bodensee ein weiter Weg.

Außerdem könne diese Stechmückenart in Deutschland schwerlich eine tropische Krankheit übertragen: Die Erreger seien in der Bevölkerung nicht vorhanden. Dass die Bodenseeschnaken, deren Stiche für den Menschen zwar lästig, aber nicht gefährlich sind, ungern unterwegs seien, lässt sich indes nicht behaupten. Sie können laut Bretthauer pro Tag bis zu 20 Kilometer zurücklegen.