„Die Lage spitzt sich zu. Das war auch so zu erwarten“, sagt der Konstanzer Landrat Zeno Danner bei einer eilig einberufenen Konferenz. Die Lage, die er beschreibt, trägt einen Namen: Coronavirus. Jetzt ist der Zeitpunkt, um einige wichtige Botschaften zu senden, sagt der Landrat. Schon seit einigen Wochen beschäftige man sich mit dem Thema.

23 bestätigte Corona-Fälle im Landkreis Konstanz

Denn klar ist: Der Coronavirus ist im Landkreis angekommen. Zu den zehn bisher bestätigten Corona-Fällen sind nochmals 13 neue Fälle hinzugekommen (Stand: 13.3.2020). Fünf Personen stammen aus Konstanz, zwei aus Radolfzell und jeweils eine aus Aach, Stockach, Orsingen-Nenzingen, Gaienhofen, Bodman-Ludwigshafen und Rielasingen-Worblingen. Damit sind im Kreis 23 Personen infiziert. „Es geht jetzt steil bergauf. Die Anzahl Corona-Fälle wird noch weiter ansteigen und zwar in einem schnellen Tempo“, sagt Danner.

Frank Hinder, Ärztlicher Direktor der Hegau-Bodensee-Kliniken, nickt. Auch er ist bei der Pressekonferenz im Landratsamt Konstanz anwesend. „Diese Welle, die jetzt auf uns zukommt, muss so flach wie nur irgend möglich werden“, sagt der Arzt. Dort, wo viel passiert sei und viele Menschen zu Schaden gekommen seien, sagt Hinder, das sei immer dann gekommen, wenn das Gesundheitssystem überrollt wurde.

Wer Grippesymptome hat, soll soziale Kontakte meiden

Dass das nicht passiert, dazu könne jeder beitragen. „Wenn man irgendwelche Grippesymptome hat, wenn man glaubt, mit einem Risikopatienten Kontakt gehabt zu haben oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, dann sollte man soziale Kontakte so weit es geht vermeiden“, sagt Hinder. Jeder könne so dazu beitragen, dass die Erkrankung nicht so schnell um sich greift.

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Ein weiteres Mittel, um die Ausbreitung zu verlangsamen, ist die Absage von Veranstaltungen. „Wir als Gesundheitsamt können keine Veranstaltungen untersagen. Aber wir sprechen hiermit eine Empfehlung aus, alle Veranstaltungen abzusagen“, sagt Landrat Danner und nickt den Oberbürgermeistern Uli Burchardt (Konstanz), Bernd Häusler (Singen) und Bürgermeisterin Monika Laule (Radolfzell) zu. Tatsächlich werden in den Kreisstädten Konstanz, Radolfzell und Singen alle Veranstaltungen untersagt.

„Diese Welle, die jetzt auf uns zukommt, muss so flach wie nur irgend möglich werden.“Frank Hinder, Ärztlicher Direktor Hegau-Bodensee-Kliniken
„Diese Welle, die jetzt auf uns zukommt, muss so flach wie nur irgend möglich werden.“Frank Hinder, Ärztlicher Direktor Hegau-Bodensee-Kliniken

Landratsamt rät: Alle Veranstaltungen absagen

Auch wenn die Untersagung von Veranstaltungen gegen eine rasche Ausbreitung des Erregers hilft – ganz kann man diese nicht verhindern. „Wir sehen an den stark ansteigenden Zahlen, dass wir in den nächsten Tagen auch als Krankenhaus betroffen sein und Patienten aufnehmen werden. Wir bereiten uns diesbezüglich vor“, sagt Marcus Schuchmann, Ärztlicher Direktor der Klinikum Konstanz.

„Wir haben den Rountinebetrieb angepasst. Operationen, die nicht nötig sind, werden verschoben.“Marcus Schuchmann, Ärztlicher Direktor der Klinikum Konstanz
„Wir haben den Rountinebetrieb angepasst. Operationen, die nicht nötig sind, werden verschoben.“Marcus Schuchmann, Ärztlicher Direktor der Klinikum Konstanz | Bild: Hans Noll

Besonders viel Wert werde bei der Vorbereitung auf die Optimierung der Sauerstoffversorgung gelegt. Diese habe nämlich in Italien oft zu Problemen bei der Versorgung der Patienten geführt. „Es sind in Italien wohl viele Menschen verstorben, weil zum Schluss die Sauerstoffversorgung nicht adäquat möglich war“, sagt der Mediziner. Im Kreis Konstanz stehen daher 50 Plätze bereit, an denen Patienten beatmet werden könnten, sagt er.

Unnötige Operationen werden verschoben

„Wir stehen Gewehr bei Fuß“, sagt Schuchmann und meint damit, dass der Routinebetrieb des Krankenhauses auf einen Notfallbetrieb heruntergefahren werden kann. „Das geht in sehr kurzer Zeit. Wir haben den Rountinebetrieb sowieso schon etwas angepasst“, erklärt er, „Operationen, die nicht dringend nötig sind, werden verschoben.“

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„Was mich persönlich bewegt, ist, das ich feststelle, es gibt immer noch eine Gruppe in der Bevölkerung, die sagt: ‚Das ist eine Hysterie, davor habe ich keine Angst. Was soll die Panikmache?‘ Und diese Leute müssen verstehen, das sie ein Teil der Infektionskette sein können“, sagt Uli Burchardt. Es ginge nicht darum, ob sich gesund oder stark genug fühlt, sondern „jeder von uns kann diese Krankheit übertragen.“ Es sei ein Aufruf der Solidarität. „Auch die, die jetzt gesund sind, sollen vernünftig sein“, lautet sein Appell.

„Was mich bewegt, ist, das ich feststelle, es gibt immer noch eine Gruppe in der Bevölkerung, die sagt: ‚Das ist eine Hysterie.‘“Uli Burchardt, Ob Konstanz
„Was mich bewegt, ist, das ich feststelle, es gibt immer noch eine Gruppe in der Bevölkerung, die sagt: ‚Das ist eine Hysterie.‘“Uli Burchardt, Ob Konstanz | Bild: SK

Arbeitgeber sollten flexible Arbeitszeiten ermöglichen

Landrat Danner appelliert auch an die Vernunft. „Gleichwohl müssen wir darauf achten, dass nicht gleich alles zum Erliegen kommt. Wir müssen unser Leben aufrecht erhalten, wir müssen unser Funktionieren aufrecht erhalten“, sagt er. Man müsse darauf achten, „wenn die Corona-Krise mal vorbei ist, dass wir nicht in einem verwüsteten Landstrich sind. „Ich habe es für mich auf den Nenner gebracht: Weiterarbeiten, Abstand halten und anständig mit der Situation umgehen“, sagt er.

„Es geht jetzt steil bergauf. Die Anzahl Corona-Fälle wird noch weiter ansteigen und zwar in einem schnellen Tempo.“Zeno Danner, Konstanzer Landrat
„Es geht jetzt steil bergauf. Die Anzahl Corona-Fälle wird noch weiter ansteigen und zwar in einem schnellen Tempo.“Zeno Danner, Konstanzer Landrat | Bild: Scherrer, Aurelia
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In diesem Punkt sieht er besonders Arbeitgeber in der Pflicht. Denn ab Dienstag sind in Baden-Württemberg alle Schulen und Kitas geschlossen. „Kinder, die zu Hause sind, bedeutet auch: Eltern sind zu Hause“, sagt Danner. Eltern, die vielleicht dringend im Gesundheitssystem gebraucht werden. Deshalb fordert er alle Arbeitgeber auf, flexibel mit der Kinderbetreuung und den Arbeitszeiten seiner Mitarbeiter umzugehen. „Je mehr Arbeitgeber diese Flexibilität bieten, desto einfacher wird es dann für den Fall der Fälle für die kritischen Arbeitsbereiche“, erklärt er.

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