Stockach Deutsch-französisches Projekt an Berufsschulen: Völkerverständigung für die Zukunft

Angehende Ingenieure von einer Elitehochschule in Lyon erkunden die Region. Die Energiewende und die wirtschaftliche Entwicklung in einer Region am Rand der EU beschäftigen die Gäste.

Ein bisschen ging es auch um Völkerverständigung – auch wenn dieses Anliegen aus den frühen Zeiten von Schüleraustausch und Städtepartnerschaft längst zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein scheint. Einige Teilnehmer einer Podiumsdiskussion am Stockacher Berufsschulzentrum (BSZ), zu der Studenten der französischen Elitehochschule INSA in Lyon kamen, gaben gleich zu Beginn zu, dass es um ihr Französisch nicht allzu gut bestellt sei. Die Gäste aus Frankreich glichen das aus, denn sie gehören zu einem Studiengang mit europäischem Hintergrund und sprechen Deutsch – nur bei Spezialitäten wie dem Rasenmäherprinzip (wörtlich übersetzt principe de la tondeuse) übersetzte Dozentin Catherine Vincensini.

Sie begleitete mit ihrer Kollegin Astrid Bührle eine Gruppe von 18 Studenten der Hochschule, die zwar den Ingenieurberuf anstreben, im Grundstudium aber eine Reise ins Ausland selbst planen und vorbereiten. Für die Studenten mit der Spezialisierung auf Deutsch ging es für eine Woche an den Bodensee, wo das BSZ in Stockach und die Konstanzer Wessenbergschule mit eigenen Schülern Partner für das deutsch-französische Projekt waren. Auf deutscher Seite haben Anne Hipp (Wessenbergschule) und Andreas Maier (BSZ Stockach) das Projekt betreut.

Am See besuchte die Gruppe unter anderem die Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen, die Flüchtlingshilfeorganisation Save Me und die Universität in Konstanz und die Firma Solarcomplex in Singen, ehe die Woche mit einer Podiumsdiskussion am Stockacher BSZ zu Ende ging. Thematisch gesehen liefen die Fäden bei dieser Veranstaltung zusammen, bei der Dorothea Wehinger, Landtagsabgeordnete der Grünen, Tobias Volz, Bundestagskandidat der SPD, Jörg Dürr-Pucher, Präsident der Bodensee-Stiftung und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Clean Energy, Thomas Körner, Bezirksgeschäftsführer des Umweltverbandes Nabu in Überlingen, Andreas Renner, Politikchef und Lobbyist bei Energie Baden-Württemberg (EnBW), und Bene Müller, Vorstand von Solarcomplex, als Gesprächspartner zur Verfügung standen.

Dabei ging es zum Beispiel um die Energiewende und die Einschätzung, dass sie viel zu langsam vorankommt (Müller), das Zusammenspiel von Unternehmen, Verbänden und Politik bei Projekten der alternativen Energieversorgung (Dürr-Pucher), den „wahnsinnigen“ Flächenverbrauch in der dicht besiedelten Bodenseeregion (Körner), den Rückbau von Kernkraftwerken und die dezentrale Speicherung von Strom (Wehinger und Renner) und Verkehrslärm am See (Volz).

Und wie fanden es die Teilnehmer aus Frankreich? „Für mich war der Besuch bei Save Me das erste Mal, dass ich mit Flüchtlingen gesprochen habe“, sagte Charlotte Sommacal dazu. Auch den Besuch bei Solarcomplex und die vielen Informationen über erneuerbare Energien dabei hob sie hervor. Nach der Podiumsdiskussion fügte sie etwas nachdenklich hinzu: „Unsere Generation muss mehr über Ökologie nachdenken.“ Und Maxime Siber sagte: „Beim Ausstieg aus der Atomkraft und bei erneuerbaren Energien kann sich Frankreich etwas abschauen. Dafür ist ein französischer Konzern gut bei Elektroautos.“ Vielleicht ist Völkerverständigung doch nicht so selbstverständlich.

Die Hochschule

Das Nationale Institut der angewandten Wissenschaften in Lyon, auf französisch als INSA abgekürzt, ist eine französische Elitehochschule nach dem Muster der grandes écoles. Sie wurde 1957 gegründet. Die Studenten, die nun zu Besuch waren, sind im ersten, allgemeinen Teil ihres Studiums im auf Europa spezialisierten Zweig. Die Spezialisierung nach Fachrichtungen kommt im zweiten Teil des Studiums. (eph)

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