Der Seehas zwischen Konstanz und Engen soll zukünftig bis in den Kreis Tuttlingen fahren. Politiker machen sich bei der Stuttgarter Landesregierung dafür stark, dass der Zug von Konstanz aus nicht nur bis Engen, sondern über Engen bis nach Immendingen rollt – und umgekehrt. Für diese Idee werben der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Andreas Jung sowie Landesjustizminister Guido Wolf (beide CDU) in dessen Eigenschaft als Tuttlinger Landtagsabgeordneter in einem Brief an den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Die Seehas-Verlängerung gäbe die Möglichkeit, schneller zwischen den Kreisen Tuttlingen und Konstanz zu pendeln. In Immendingen kann man in den sogenannten Ringzug umsteigen, der die Landkreise Tuttlingen, Rottweil und Schwarzwald-Baar bedient und Anschlüsse nach Ulm bietet.

"Seehas soll weiter hoppeln"

"Seehas soll weiter hoppeln" schrieb Jungs Wahlkreisbüro gestern in der E-Mail-Betreffzeile. Von der Strecke am See soll also weiter landeinwärts gehen, der Seehas soll zum Feldhasen werden. Die Idee gibt es schon seit längerem, vor zwei Wochen aber wurde sie spruchreif. 

Bild: Müller, Cornelia

Beim sogenannten Bahn-Gipfele hatten sich in Singen Bundes- und Landtagsabgeordnete mit Vertretern von Deutscher Bahn und Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) getroffen. Dabei kam auch die Idee einer verlängerten Seehas-Strecke bis Immendingen wieder auf den Tisch.

Und die SBB als Seehas-Betreiber steht dem offenbar sehr aufgeschlossen gegenüber: SBB-Geschäftsführer Patrick Altenburger habe erklärt, die SBB seien als „Lohnkutscher“ bei entsprechendem Auftrag ohne Weiteres in der Lage und gern dazu bereit, Immendingen in den Streckenplan aufzunehmen, schreiben Jung und Wolf an den Verkehrsminister. Die Strecke müsste zwar ausgeschrieben werden, aber die SBB dürften dabei ziemlich gute Chancen haben.

Nicht mehr genug Zugfahrten für wachsende Zahl an Pendlern

Das Land Baden-Württemberg müsste diese Erweiterung bestellen – und dass es das tut, darum bitten Jung und Wolf nun in ihrem Brief. Auch aus Reihen von Kommunalpolitikern gibt es Sympathie für die Idee. Nicht von ungefähr: Die jetzigen Zugverbindungen zwischen den Landkreisen Konstanz und Tuttlingen gelten als nicht mehr zeitgemäß, denn es gebe für die große Zahl an Pendlern nicht mehr genug Zugfahrten.

Historisch bedingt orientieren sich die Nahverkehrsstrecken noch stark an den Landkreisgrenzen: Der Seehas für den Kreis Konstanz, der Ringzug im Kreis Tuttlingen. Die Wirklichkeit sehe aber mittlerweile so aus, dass viele Arbeitnehmer aus dem Kreis Konstanz gen Immendingen und Tuttlingen pendeln und umgekehrt. „Beim Nahverkehr gibt es zwischen den Landkreisen eine harte Grenze – bei der Wirtschaftsregion aber nicht“, sagt Jung.

Daimler-Teststrecken ziehen weitere Arbeitnehmer an

Und es dürften in Zukunft eher noch mehr Pendler werden: Mit dem Ausbau des Prüf- und Technologiezentrums von Daimler in Immendingen samt Teststrecken erwarten Experten nicht nur 100 Arbeitsplätze bei Mercedes, sondern auch rund 2000 weitere in Betrieben der Region. Und auch der Medizintechnik-Standort Tuttlingen boomt.

Kennerknecht: Vielleicht am besten gleich bis Tuttlingen

Helmut Kennerknecht, im Konstanzer Kreisrat Verkehrsexperte, sieht gute Chancen: Der Bund habe den Topf aufgestockt, mit dem die Länder Nahverkehr finanzieren. Die jährlichen Kosten für die geplante Verbindung könnten grob geschätzt bei rund 750 000 Euro abzüglich der Einnahmen für Fahrkarten liegen, so der CDU-Kreisrat. Der Seehas hat derzeit 15 000 Fahrgäste pro Tag.

Kennerknecht hält die Idee für sehr gut: „Von den Pendlerströmen und den Verflechtungen her" sei die Plausibilität "mit Händen zu greifen“. Er schlägt sogar vor, auch gleich eine Erweiterung des Fahrplans bis Tuttlingen zu prüfen.