Immer wieder mal gab es Gerüchte, dass Landrat Frank Hämmerle die dritte Amtsperiode nicht bis zum Ende auskosten werde. Der heute 66-Jährige dementierte wiederholt. Erst im Juli antwortete er auf die Frage, ob er sich 2019 auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Kreistag mit vielen neuen Gesichtern freue: „Natürlich.“

Und nun hat er sich anders besonnen. Er geht also doch. Er sei nicht krank, nicht vergrämt und nicht amtsmüde, versicherte er seinem vertrauten Kreistag am Montag und führte die politische Verantwortung ins Feld.

Hämmerle agiert als Stratege und Netzwerker

Wer wissen will, was das bedeutet, muss auf die Mechanismen der Kreispolitik schauen. Hämmerle agiert hier als Stratege und Netzwerker, der mit viel Zeit, Mühe und gerne unter Ausschluss der Öffentlichkeit Entscheidungen vorbereitet. Dabei geht er auf alle Fraktionen zu und hat damit auch Erfolg.

Überraschungen in diesem Geschäft liebt er nicht besonders. Überraschendes ergibt sich folglich höchst selten in öffentlichen Kreistagssitzungen, weil in der Regel alles gut vorbereitet ist und bei strittigen Themen tragfähige Kompromisse erarbeitet wurden. Der angekündigte Rücktritt ist Teil der Strategie.

Hämmerle weiß nicht nur, dass bei den Kommunalwahlen im Mai nächsten Jahres viele erfahrene Kreisräte nicht wieder kandidieren werden und damit viel Sachkenntnis verloren geht. Er befürchtet auch, dass Populisten wie die AfD den Sprung in den Kreistag schaffen.

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Möglicherweise schwinden die Chancen, einem CDU-Kandidaten den Weg auf den Chefposten im Landratsamt zu ebnen, wenn in Zeiten abnehmender Akzeptanz der Volksparteien ein Kreistag in neuer Zusammensetzung die Entscheidungen trifft.

Da könnte es von Vorteil sein, wenn das derzeitige Gremium die wichtige Personalie entscheidet. Um diese Möglichkeit zumindest zu eröffnen, verzichtet der Amtsinhaber auf ein Jahr Amtszeit. Wer so vorgeht, provoziert allerdings die Frage nach dem demokratischen Grundverständnis.

Warum sollte man dem neuen Kreistag sein Königsrecht verwehren?

Denn die Wahl des Landrats ist Königsrecht des Kreistags. Warum sollte man dem neuen Gremium dieses Recht verwehren? Weil man den Einfluss von Populisten auf die kommunalpolitische Selbstverwaltung fürchtet? Sollte der alte Kreistag das Königsrecht des neuen nicht beschneiden wollen, kann er das weitere Verfahren blockieren. Und Hämmerle wird vielleicht gefragt, bis 2020 weiterzumachen. Die Verantwortung für den Fortgang der Dinge wechselt somit zum noch amtierenden Kreistag. Das nennt man Strategie.