Konstanz Denkmaltag: Einmalige Blicke hinter historische Fassaden

Am Tag des Denkmals konnten die Konstanzer Räume besichtigen, die ihnen sonst verschlossen bleiben. Vor allem die Führungen durch drei Privathäuser in der Altstadt waren restlos ausgebucht.

Immer schön den Kopf einziehen. Diesen Tipp bekamen Besucher des Denkmaltags einige Male mit auf den Weg. Denn auf Baustellen der Denkmalpflege und in historischen Räumen mangelte es an Luftraum. Überhaupt ging es bei den Führungen durch acht Denkmäler eng zu. Hunderte nutzten die teilweise einmaligen Einblicke. Manche waren über Stunden hinweg von einer Station zur anderen unterwegs, so wie Theresa Ostermeier oder Dieter Rapp aus Konstanz. Beide lieben es, sich in die Geschichte der Stadt zu vertiefen. Auch Touristen mischten sich unter die Besucher, so wie Siemke Höwelmeyer aus Berlin, die bei ihrer ersten Station im Konstanzer Münster auf den Denkmaltag stieß.

Wer hatte in der Stadt das Sagen, der Bischof oder die Bürger? Der Historiker Lukas Daniel Barwitzki sprach dazu bei Tag des offenen Denkmals im Rosgartenmuseum. Bild: Claudia Rindt
Wer hatte in der Stadt das Sagen, der Bischof oder die Bürger? Der Historiker Lukas Daniel Barwitzki sprach dazu bei Tag des offenen Denkmals im Rosgartenmuseum. Bild: Claudia Rindt
Christine Schneider, Gebietsreferentin des Landesamts für Denkmalpflege, eröffnete einmalige Blicke unter Teile des Gewölbes im Münster-Kreuzgang. Besucher durften mit ihr auf Baustellengerüsten bis unter die Decke steigen. Dort sahen sie Putz aus der Bauzeit von 1300 und Fragmente von Engelbildern, die 1604 hinzugefügt wurden. Sie würden für die Nachwelt gesichert, aber nicht mehr sichtbar sein, sondern bald hinter einer weißen Schutzschicht verschwinden, sagt Schneider. Nur ein in den 80er-Jahren restauriertes Feld mit den Engelmotiven werde weiter gezeigt. Der heutige Kreuzgang entspreche dem Zustand nach einem Brand von 1824, bei dem der West- und der Nordflügel zerstört wurden. Wie der gesamte Komplex 1604 gestaltet war, das wüssten die Restauratoren nicht, und wollten deshalb die Engelbilder nicht als Einzeldarstellung zeigen.
Tobias Kraus (2. v. li) gibt Einblicke in sein Haus in der Salmannsweilergasse.
Tobias Kraus (2. v. li) gibt Einblicke in sein Haus in der Salmannsweilergasse. | Bild: Rindt Claudia
Tief hängende Holzdecken, Reste von Fresken, historischen Tapeten und früheren Bemalungen auf Bohlenwänden sind im privaten Wohnhaus Salmannsweilergasse 10 zu sehen. Die Bauherren, Nicole Dillschnitter und Tobias Kraus, gelernter Architekt, lassen an vielen Stellen die Gestaltungsgeschichte der Wände sichtbar. Es sei nicht ganz einfach, die Böden und Einrichtung darauf abzustimmen, sagt Nicole Dillschnitter. Zwischen Kauf des 1336 errichteten Hauses und dem Einzug seien vier Jahre vergangen. "Wir haben viel selbst gemacht und hier 150 Tonnen Schutt herausgeschafft." Alle alten Türen und Beschläge im Haus seien, wenn möglich, wieder verwertet worden. Insgesamt waren drei Privathäuser für angemeldete Bürger zur Besichtigung geöffnet. Diese Führungen waren komplett ausgebucht.

Der Denkmaltag

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat den Denkmaltag ins Leben gerufen. Konstanz beteiligt sich regelmäßig daran. Das diesjährige Thema Macht und Pracht war wie gemacht für den Blick auf die ehemalige Bischofsstadt Konstanz. Der Historiker Lukas Daniel Barwitzki sprach im Rosgartenmuseum darüber, warum ein Besuch in Konstanz zeitweise einer Pilgerfahrt nach Rom gleichkam, wie die Bischöfe bis ins 12. Jahrhundert in der Stadt das Sagen hatten, und erst danach die Bürger und die Zünfte mit ihrer Hinterzimmer-Politik.

 

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