Erst tut sich fast nichts, dann geht alles ganz schnell. Und dann wiederum: Erst geht alles ganz schnell, dann tut sich lange nichts. Diese Eindrücke haben viele Passagiere, wenn sie den Fortgang der Bahnsteigsanierung zwischen Konstanz-Wollmatingen und Radolfzell-Markelfingen beobachten. Die Seehas-Nutzerin Vreni Lehmann aus Radolfzell hat aber auch ein gewisses Verständnis und vergleicht den Koordinierungsaufwand der unterschiedlichen Arbeiten mit einer Haussanierung. "Wir müssen uns wohl mit solch langen Handwerkszyklen abfinden, denn die Auftragsbücher der Firmen sind voll", vermutet sie. Und sie erinnert sich an ihre Schwierigkeiten beim Ein- und Aussteigen in Markelfingen, als sie starke Rückenprobleme hatte. Mit diesen strapaziösen Klettereien sei es nun ja bald vorbei.

Die Schwierigkeiten für die Nutzer von Kinderwagen, Gehhilfen oder Fahrrädern nehmen an den Haltepunkten im Süden des Landkreises stetig ab, auch wenn die nach und nach höher gelegten Bahnsteige in Richtung Radolfzell noch geschottert sind oder in Fahrtrichtung Konstanz Zugangsrampen noch fehlen, wie in Markelfingen. "Hier musste der Zugang umgeplant werden, das führte zu einem Zeitverlust", erläutert ein Bahnsprecher aus Stuttgart. Im Oktober solle das aber erledigt sein. Dann muss Conny Rauch ihre jetzt drei Monate alte Tochter Finja nicht mehr über einen geschotterten Umweg zum Bahnsteig schieben. Für sie kam die Sanierung gerade rechtzeitig zur Geburt ihres ersten Kindes, denn Conny Rauch fährt mit Kinderwagen regelmäßig nach Reichenau. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Hilfsbereitschaft anderer Passagiere beim Ein- und Aussteigen in Grenzen hält und ist froh, dass bald auch die Bahnsteige in Richtung Radolfzell komplett angehoben sind.

Restarbeiten: Am Bahnhaltepunkt Markelfingen musste die Zugangsrampe zum Bahnsteig laut Bahn umgeplant werden. Sie wird voraussichtlich im Oktober fertiggestellt.
Restarbeiten: Am Bahnhaltepunkt Markelfingen musste die Zugangsrampe zum Bahnsteig laut Bahn umgeplant werden. Sie wird voraussichtlich im Oktober fertiggestellt.

Begrenzt sei für sie der Nutzen der Schallschutzwände gegen nächtlichen Baulärm. Sie wohne nahe dem Haltepunkt, aber leider genau an einer Schallschutzlücke. Doch die Belastungen seien erträglich.

Viele Bahnnutzer hatten sich die ursprünglich angekündigten Restarbeiten nach der ersten Sanierungsetappe weniger umfangreich vorgestellt. In Fahrtrichtung Konstanz müssten die betroffenen Haltepunkte bereits fertig sein, damit in der anderen Richtung gearbeitet werden kann. Dies geschehe nun bei der Anhebung der Bahnsteige sicherheitshalber häufig nachts, wenn keine Züge fahren, erläutert der Bahnsprecher. Arbeiten an Kartenautomaten, Licht und Wartehäuschen könnten tagsüber erledigt beziehungsweise fertiggestellt werden. Zwei weibliche Fahrgäste, die zwischen Konstanz und Böhringen pendeln, glauben aber noch nicht so richtig daran, dass es dort 2018 weitergehen soll. Für sie sind die mangelhafte Informationspolitik bei Zugausfällen und zu geringe Kapazitäten bei großen Veranstaltungen in Konstanz aber das größere Problem.

Restarbeiten: Am Haltepunkt Wollmatingen gingen nach langem Stillstand die Arbeiten schnell voran. Unter anderem fehlt am ersten Bauabschnitt noch ein Teil der Pflasterung.
Restarbeiten: Am Haltepunkt Wollmatingen gingen nach langem Stillstand die Arbeiten schnell voran. Unter anderem fehlt am ersten Bauabschnitt noch ein Teil der Pflasterung.

Die Erleichterung, dass überhaupt etwas geht, ist bei vielen Fahrgästen größer als die Irritation über den unregelmäßigen Baufortschritt. Frank Zeuske, der per Fahrrad oder Auto von Güttingen nach Markelfingen fährt und in den Seehas umsteigt, wirkt gelassen. Seiner Ansicht nach werde jeder Zugang zügig verbessert. Und der Stuttgarter Bahnsprecher versichert, dass man den Zeitplan der südlichen Haltepunkte einhalten und zum Jahresende fertig sein wolle. Restarbeiten ausgenommen.

So geht es weiter

Nach den Sommerferien haben an den Bahnhaltepunkten Wollmatingen, Reichenau, Hegne, Allensbach und Markelfingen die Arbeiten in Fahrtrichtung Radolfzell begonnen. Im Jahr 2018 werden zwischen März und Dezember wieder in zwei Etappen mit einer mehrwöchigen Pause im Sommer bahnsteigweise die Haltepunkte und Bahnhöfe Konstanz-Petershausen, Radolfzell-Böhringen, Mühlhausen-Ehingen, Welschingen-Neuhausen und Engen in Angriff genommen. Ein separates Bahnhofs-Modernisierungsprogramm betrifft den Hauptbahnhof Konstanz. Die dortigen Arbeiten sollen bis zum Jahr 2019 abgeschlossen sein. (bub)