Am Ende war es vielleicht auch so, dass nicht noch ein weiterer Bürgermeister an den Schalthebeln der Macht sitzen sollte. Trotz einer schwungvoll-optimistischen Vorstellung und trotz erstaunlicher Sicherheit in Fakten-Fragen hat es Rathauschef Dirk Schaible aus dem schwäbischen Unterland nicht geschafft, neuer Landrat im Kreis Konstanz zu werden. 31 Stimmen errang er, der Karrierebeamte Zeno Danner holte mit 36 Stimmen den Sieg. Und das gewiss nicht nur, weil er eben kein Bürgermeister ist. Sondern weil er, unter anderem mit seiner internationalen Erfahrung, so viel von dem mitbringt, was dieses wichtige Amt von seinem Inhaber erfordert.

Was der Landrat können muss: Außenminister in Richtung Schweiz und Integrationsbeauftragter im Kreis

Denn Landrat in Konstanz, das ist mehr als Behördenchef und mehr als Vorsitzender des Kreistags mit seinen vielen Bürgermeistern als Mitgliedern. Landrat in Konstanz, das ist auch regionaler Außenminister in Richtung Schweiz, das ist Integrationsbeauftragter in einem Landkreis mit ebenso unsichtbaren wie mächtigen Trennlinien, das ist auch Stimme eines Landstrichs, der im Herzen Europas und doch am äußersten Rand der Republik liegt.

Nach dem Wahlkampf kann der Blick schnell nach vorne gehen – denn der große Riss ist nicht entstanden

Die damit verbundenen Aufgaben wahrzunehmen, das traut die Mehrheit im Kreistag Zeno Danner eher zu als Dirk Schaible. Dennoch passt das Wort vom zweiten Sieger wie selten. Zeno Danner bleibt so eine Aufgabe erspart: Einen großen Riss im Kreistag gilt es nicht zu kitten. Denn eine übergroße Mehrheit sagte schon in den vergangenen Wochen, sie könne mit beiden Landräten leben.

Kliniken, Nahverkehr, Schulen und Natutschutz: Aufgaben gibt es für den neuen Landrat mehr als genug

Die Bürger können von Zeno Danner umso mehr erwarten, dass er die Sachthemen schnell anpackt. Der Gesundheitsverbund ist vor einer Privatisierung fürs erste sicher, braucht aber Geld und Personal – auf einem leergefegten Arbeitsmarkt. Der Öffentliche Nahverkehr schafft eine Zweiklassengesellschaft, weil die Orte ohne Seehas-Anschluss auch künftig benachteiligt sein werden. Die Schulbaupläne in Konstanz werden teils argwöhnisch begleitet; die ganz konkrete Energiewende schafft schnell Streit; Naturschutz ist bisweilen eben auch eine Zumutung.

Frank Hämmerle hat dem Amt des Landrats Profil verliehen, für den Nachfolger ist das Chance und Last zugleich

Auf all diesen Feldern tritt Zeno Danner am 1. Mai in große Fußstapfen. Frank Hämmerle hat durch Tat und Wort dem Amt des Landrats besonderes Profil verliehen. Sein Nachfolger kann diesen Bonus nutzen und muss zugleich aus dem Schatten des Vorgängers heraustreten. Auch das ist Teil der schönen wie anspruchsvollen Aufgabe. Es läge im Interesse aller, wenn Zeno Danner sie mit dem Mut und der Tatkraft seiner engagierten Bewerbung und dem nötigen Quäntchen Glück schultert.