Der Glühwein ist lecker und die Mandeln riechen fantastisch. Viele Menschen lieben es einfach, auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Genau das machen sich andere zunutze – die Rede ist von Taschendieben. Alle Jahre wieder warnt die Polizei vor neuen Diebes-Maschen im Gedränge. Zu Recht: Denn diese werden immer moderner. Umso besser, über neue Tricks der Diebe Bescheid zu Wissen.

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Kreditkarten-Daten abgreifen im großen Stil: Diese Masche resultiert aus der neuen kontaktlosen Zahlmetode, bekannt unter dem Kürzel NFC. Diese drei Buchstaben stehen für Near-Field-Communication – zu deutsch: Nah-Feld-Kommunikation. Gekennzeichnet sind diese intelligenten Karten mit vier Wellen, die an ein WLAN-Signal erinnern. Mit vielen EC- oder Kreditkarten aber auch Smartphones mit integrierten NFC-Chip kann man kontaktlos an Kassen bezahlen. Bis zu einem Betrag von 25 Euro ist dazu nicht mal eine Pin notwendig.

Überweisung beim Vorbeigehen

Und genau das nutzen Trickdiebe aus: Sie müssen lediglich 25 Euro investieren. So viel kostet ein Kartenlesegerät, welches man ganz legal im Internet erwerben kann. Zuzüglich einer passenden Software ist es ihnen möglich, Opfern binnen weniger Sekunden Beträge bis zu 25 Euro zu stibitzen. Selbst an höhere Beträge können die High-Tech-Diebe kommen. Hier ist zwar eine Autorisierung mit der Unterschrift für die Transaktion erforderlich. Aber Pirmin Wöhrstein, Leiter der Marketing-Abteilung der Sparkasse Gottmadingen, sagt: „Es ist uns leider nicht immer möglich, die vielen Unterschriften auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.“ Diebe machen sich diese Sicherheitslücke zunutze, halten beim Vorbeigehen das Lesegerät einfach an die Taschen und schon haben sie ihre Investition wieder ausgeglichen.

Smartphones mit NFC-Chips ersetzen immer öfter die EC- oder Kreditkarte. Das machen sich aber auch Diebe zunutze.
Smartphones mit NFC-Chips ersetzen immer öfter die EC- oder Kreditkarte. Das machen sich aber auch Diebe zunutze. | Bild: ©Davizro Photography - stock.adobe.com

Signal kann man stören

Um das zu verhindern legt Wöhrstein nahe, die NFC-Kommunikation von der Bank abstellen zu lassen. Das sei auch bei E-Karten auf Smartphones möglich, sagt er. Als zweite Möglichkeit könne der Verbraucher auf Wunsch einen Kartenschutz bei seiner Bank anfordern, der die NFC-Kommunikation stört. Laut dem Deutschen Kreditinstitut könne man auch selbst das Signal stören, in dem man zwei NFC-Karten im Geldbeutel trage. Dadurch würden sich die Signale an der Karten und des Smartphones gegenseitig stören. Absolute Sicherheit gibt es aber nicht.

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Gute Nachrichten hat Jürgen Harder, Leiter der Kriminal-Prävention Konstanz: „Im ersten Halbjahr 2019 gab es noch keine gravierenden Vorfälle, da das System neu ist.“ Die NFC-Funktion gelte als sicher und sei bei Missbrauch mit vielen Risiken verbunden.“ Das bestätigt auch der Finanzexperte Primin Wöhrstein. Er erklärt, dass Transaktionen nachvollziehbar seien und somit das Konto des Täters ausfindig gemacht werden könne.

Brieftasche beim Abklopfen stehlen

Andere Maschen laufen direkter ab – mit Körperkontakt. Mitglieder organisierter Banden schütteten absichtlich Glühwein auf die Kleidung ihrer Opfer und schon seien diese ihre Brieftasche los. „Beim Saubermachen der Kleidung, klopfen die Diebe Mäntel ab, erfühlen den Geldbeutel und entwenden ihn,“ erklärt Sicherheitsexperte Harder. Ist der Geldbeutel oder das NFC-fähige Smartphone plötzlich weg, sollte auf jeden Fall alle Karten sperren lassen.

Schutz vor Taschendieben: Das rät die Polizeiliche Kriminalprävention

Außer den Besuchern sind auch Verkaufsstände auf den Märkten von Diebstählen betroffen. „Bei dem Geldwechsel-Trick nutzen Betrüger die unübersichtliche Situation beim Bezahlen aus, reden auf den Kassierer ein und wollen das Wechselgeld ständig anders herausgegeben haben“, erklärt Harder. Dieses Ablenkungsmanöver verschaffe Dieben die Chance, unbemerkt einen Betrag aus der Kasse zu entwenden.

Taschendiebstahl wird mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet

Selbst harte Konsequenzen halten die Weihnachtsdiebe nicht von ihren Machenschaften ab. „Bei einem Taschendiebstahl wird eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe auferlegt“, sagt Thomas Heim von der Singener Kriminalprävention. Im Jahr 2018 beliefen sich die Taschendiebstähle im Zuständigkeitsbereich des Landkreis Konstanz auf 304 Vorfälle. Daher legt Heim Weihnachtsmarktbesuchern ans Herz, nicht zu viel Geld mit sich herumzutragen und den Geldbeutel eng am Körper zu halten. Der Geldbeutel in der Gesäßtasche ist dann tabu.