Die Lage ist unter Kontrolle. Das möchten das Landratsamt Konstanz und die Krankenhäuser im Landkreis vermitteln. Die Behörden und die Kliniken seien gut auf das Coronavirus vorbereitet. Das müssen sie auch sein. Denn seit gestern gibt es einen zweiten bestätigten Corona-Fall im Landkreis. Das hat das Landratsamt Konstanz in einer Pressemitteilung geschrieben. Die labordiagnostischen Ergebnisse hätten die Infektion mit dem Erreger SARS-CoV-2 am Dienstag bestätigt.

Zweiter Infizierter lebt auf der Höri

Nach SÜDKURIER-Informationen handelt es sich bei der erkrankten Person um einen Senior, der sich zuvor in Tirol aufhalten hat. Der Mann lebt auf der Halbinsel Höri und befindet sich aktuell in häuslicher Isolation. Das Gesundheitsamt ermittelt nun Kontaktpersonen, um eine mögliche Infektionskette zu unterbrechen.

Stefan Bushuven, Oberarzt des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, ist sich sicher: „Wir müssen mit mehr rechnen.“ Aber Sorgen müsse man sich deswegen nicht machen. „Wir haben eine ganze Station für schwere Corona-Fälle eingerichtet“, sagt Marcus Schuchmann, Leiter der Inneren Medizin I und Ärztlicher Direktor des Klinikums Konstanz.

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In einem Gebäude außerhalb des Haupthauses des Klinikums Konstanz habe man 21 Betten eingerichtet. „Dort wird auch extra Personal zur Verfügung gestellt“, sagt er. In Singen ist man ebenfalls auf den Ernstfall vorbereitet. „Auch wir haben eine Station für Corona-Fälle eingerichtet“, sagt Frank Hinder, Ärztlicher Direktor der Hegau-Bodensee-Kliniken (HBK) und Leiter des Corona-Krisenstabs im HBK Bereich. In Singen stehen 16 Betten bereit.

„Die Leute sind gut sensibilisiert“, sagt Stefan Basel vom Landratsamt

Doch momentan sei die Situation in den Krankenhäusern und den Notaufnahmen relativ entspannt. Das bestätigt auch Ivo Quack, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme in Konstanz. „Die Patientenaufnahme geht sogar zurück“, sagt er. Viele Menschen würden die Notaufnahmen meiden. „Es ist deutlich weniger los.“ Das sei ein gutes Zeichen, findet Stefan Basel, Dezernent für Soziales und Gesundheit im Landratsamt Konstanz. „Die Leute sind gut sensibilisiert“, sagt er.

Mundschutz und Desinfektionsmittel sind sehr begehrt. Immer öfter werden diese in Kliniken einfach mitgenommen.
Mundschutz und Desinfektionsmittel sind sehr begehrt. Immer öfter werden diese in Kliniken einfach mitgenommen. | Bild: Barbara Gindl

Denn nicht jedes Husten bedeute, dass man sich mit dem Coronavirus angesteckt habe. Und nicht wegen jedem Schniefen müsse man jetzt in die Notaufnahme kommen. Und mit Rücksicht auf andere würden sich jetzt mehr Menschen mit Krankheitssymptomen krankschreiben lassen.

Verbauch von Mundschutz und Desinfektionsmittel steigt deutlich an

Etwas besorgter sehen Schuchmann und Hinder eher die Lage um Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken. „Es gibt aktuell keinen Engpass. Aber der Verbrauch an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln ist sehr deutlich angestiegen“, bestätigt Schuchmann. Um den Verbrauch etwas zu reduzieren, bitten die Krankenhäuser um die Einhaltung der 1-1-1-Regel bei Patienten, die nur mit Schutzkleidung besucht werden sollten. „Pro Tag sollte ein Patient nur einen Besucher empfangen“, erklärt Hinder. Denn je mehr Besucher, desto höher der Verbrauch des medizinischen Materials.

Mit Atemschutzmasken versuchen sich die Menschen vor einer Ansteckung zu schützen.
Mit Atemschutzmasken versuchen sich die Menschen vor einer Ansteckung zu schützen. | Bild: Rahel Patrasso

Mundschutz und Desinfektionsmittel werden in den Krankenhäusern dringend benötigt. „Wir brauchen die Mittel zur Wundversorgung“, erklärt Schuchmann. Aber die Verunsicherung in der Bevölkerung spiegelt sich im Umgang mit Desinfektionsmitteln deutlich wider. Denn die Krankenhäuser in der Region stellen fest: Desinfektionsmittel und Schutzmasken verschwinden. „Wir stellen kein Desinfektionsmittel mehr in die Toiletten. Gründliches Händewaschen mit Seife reicht vollkommen aus“, sagt Schuchmann. Teilweise hätten Besucher sich aus den Flaschen etwas abgefüllt oder diese gleich ganz mitgenommen.

Das Problem ist global

Der Markt ist abhängig von China, wo die große Mehrheit an Schutzmasken produziert wird. Das Land, das stark gegen dem Coronavirus kämpft, kann der Nachfrage kaum nachkommen. Betroffen von den Lieferengpässen sind nicht nur Schutzmasken. Diesen Engpass machen sich aber einige Menschen zu Nutzen. Auf Ebay Kleinanzeigen werden Mundschutzmasken hoch gehandelt. Anbieter aus der Region bieten Packungen mit 50 Masken für einen Preis bis zu 45 Euro an. Je nach Anbieter kostet eine Packung normalerweise 10 bis 25 Euro.

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