Maria Harder seufzt. „Heute ist es aber auch besonders warm“, klagt sie und zupft ihre weiße Badekappe zurecht. Ein Blick auf das Thermometer zeigt: Es sind 33 Grad im Schatten. „Da tut eine Abkühlung richtig gut“, sagt die 79-Jährige und steigt die Leiter hinab in das türkis leuchtende Bassin. Während sie mit gleichmäßigen Zügen ein paar Runden dreht, schwappt das Wasser gurgelnd in den kleinen Abfluss am Beckenrand. „Das mache ich jeden Morgen, wenn es die Zeit und das Wetter zulassen“, ruft die Singenerin.

1978 wurde das Schwimmbecken in Maria Harders Garten gebaut. „Wir wollten uns einfach mehr bewegen, ein bisschen Sport treiben“, erzählt sie. Da ihr Mann damals viel gearbeitet habe, sei die Zeit meist zu knapp gewesen, um ins Schwimmbad zu gehen. „Deswegen haben wir uns irgendwann dazu entschlossen, einen eigenen Pool anzuschaffen“, schildert die 79-Jährige.

Die Singenerin Maria Harder dreht jeden Morgen einige Runden in ihrem Swimmingpool.
Die Singenerin Maria Harder dreht jeden Morgen einige Runden in ihrem Swimmingpool. | Bild: Svenja Graf

Vor vierzig Jahren war so eine hauseigene Schwimm-Oase noch etwas ganz Besonderes. Heute scheinen sich immer mehr Menschen einen Pool zuzulegen, um an heißen Sommertagen die ersehnte Abkühlung im eigenen Garten zu finden. Laut Bundesverband Schwimmbad und Wellness e.V. gab es 2017 allein in Deutschland rund 762 700 private Swimmingpools. In diesem Jahr kommen sicher noch einige dazu. Denn der diesjährige Sommer, der voraussichtlich als einer der heißesten seit Beginn der Messungen in die deutsche Wettergeschichte eingehen wird, beschert den Poolbau-Firmen derzeit jede Menge Arbeit.

Naturpools liegen im Trend

„In diesem Jahr erreicht die Nachfrage einen absoluten Höhepunkt“, erzählt Axel Dieterich. Der Konstanzer Unternehmer baut seit 18 Jahren Schwimmteiche und Naturpools und ist mit seinem Team mittlerweile europaweit im Einsatz. Dabei lasse sich ein klarer Trend beobachten, sagt er: "Immer weniger Kunden wollen rein biologische Schwimmteiche. Naturpools sind viel gefragter." Doch was ist eigentlich der Unterschied?

Laut dem Experten liegt dieser vor allem in der Art der Wasseraufbereitung. Während sie in Schwimmteichen zu einem großen Teil von Filtersubstraten, Pflanzen und Kleinstlebewesen in eigens dafür errichteten Regenerationszonen übernommen wird, wird die Wasserqualität von Naturpools durch eine biologische Filtertechnik gewährleistet. „Darin steckt mittlerweile so viel Technik, dass das Ganze mit Natur gar nicht mehr so viel zu tun hat“, beschreibt Dieterich. Aber für den Unternehmer liegt genau darin der Reiz: "Die Technik wird für jeden Pool individuell geplant und angepasst. Man muss sich immer wieder neue Lösungen überlegen, das macht natürlich Spaß", schildert er seine Erfahrungen.

"Immer weniger Kunden wollen Schwimmteiche mit rein biologischer Aufbereitung. Sie verlassen sich lieber auf die Technik."<strong>Axel Dieterich</strong>, Experte für Wassertechnik und Teichbau
"Immer weniger Kunden wollen Schwimmteiche mit rein biologischer Aufbereitung. Sie verlassen sich lieber auf die Technik."

Axel Dieterich, Experte für Wassertechnik und Teichbau | Bild: Svenja Graf

Viele Kunden, die ein Badeparadies im eigenen Garten planen, schwanken laut Axel Dieterich zwischen einem Schwimmteich und einem Naturpool. Für sie hat er einen Tipp: "Man sollte sich immer zuerst die Frage stellen, wie viel Zeit und Aufwand man in die Pflege investieren möchte." Denn grundsätzlich gilt: Je weniger Technik verbaut wird, desto aufwendiger ist hinterher die Instandhaltung.

Auch für konventionelle Pools gibt es umweltschonende Maßnahmen

Doch auch konventionelle Pools wollen gepflegt werden. Maria Harder hat jahrelang die Wände ihres vier mal acht Meter großen Schwimmbeckens von Hand geschrubbt. Seit einigen Monaten nimmt ihr diese Arbeit ein Saugroboter ab. "Das Ding ist toll! Es macht alles so schön sauber", freut sich die Singenerin. Um Algenbefall zu vermeiden, setzt sie auf Chlortabletten. Dass aber auch ein herkömmlicher Swimmingpool ohne viel Chemie auskommen kann, erklärt Claudia Denzel. Sie arbeitet in der Garten- und Landschaftsbaufirma Denzel in Singen, einem Partner des französischen Poolherstellers Desjoyaux. "Eine Alternative zum Chlor ist Kochsalz", sagt sie und betont: "Das ist umweltfreundlicher und hautschonender – es wirkt wie Meerwasser."

Den Traum vom eigenen kleinen Gartenparadies inklusive Schwimmteich hat sich auch Familie Retter aus Scherzingen erfüllt.
Den Traum vom eigenen kleinen Gartenparadies inklusive Schwimmteich hat sich auch Familie Retter aus Scherzingen erfüllt. | Bild: Axel Dieterich GmbH

Und da ein Pool nicht nur die Wasser-, sondern auch die Stromkosten in die Höhe treibt, gibt es auch dafür mittlerweile ausgeklügelte Systeme. "Statt einer Sandfilteranlage nutzen wir Gewebe-Membranfilter", erklärt Claudia Denzel. Das spare Energie, denn durch diese Filtertaschen sei keine Rückspülung nötig.

Solche Gewebe-Membranfilter nutzt die Firma Denzel für ihre Pools.
Solche Gewebe-Membranfilter nutzt die Firma Denzel für ihre Pools. | Bild: Svenja Graf

Ob konventionelles Becken, Naturpool oder Schwimmteich – in einem sind sich Axel Dieterich und Claudia Denzel einig: Ein Garten muss nicht riesig sein, damit ein Pool darin Platz hat. Auch preislich gibt es verschiedenste Größenordnungen: Kleinere Fertigbecken sind schon ab 1000 Euro zu haben, für große langlebige Konstruktionen werden schnell 40 000 Euro und mehr fällig. Außerdem gibt es bei der Planung einiges zu beachten. Für Pools mit einem Volumen bis zu 100 Kubikmeter ist in Baden-Württemberg zwar keine Baugenehmigung nötig – trotzdem müssen örtliche Vorschriften eingehalten werden. Auskunft über die jeweiligen Richtlinien gibt auf Anfrage die zuständige Baubehörde.

Wasser und Grün im Einklang: Die Bepflanzung lässt diesen Schwimmteich im Thurgau besonders natürlich aussehen.
Wasser und Grün im Einklang: Die Bepflanzung lässt diesen Schwimmteich im Thurgau besonders natürlich aussehen. | Bild: Axel Dieterich GmbH

Maria Harder möchte auf ihr privates Schwimmbad nicht mehr verzichten. "Der Bau war damals sehr viel Arbeit, aber das vergisst man schnell, wenn dann alles fertig ist und man zum ersten Mal ins Wasser steigt", erinnert sie sich an früher. Mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen fügt die 79-Jährige hinzu: "Außerdem ist es gut für die Gesundheit und hält einen ziemlich lange ziemlich fit."

Die kleine Variante

Eine günstige Alternative zu Naturpools, Schwimmteichen und Co. sind sogenannte Aufstellpools. Die verschiedenen Bassin-Typen haben aber unterschiedliche Eigenschaften, die man beachten sollte:

  • Aufblasbare Pools sind schnell auf- und abgebaut und leicht zu verstauen. Da keine teuren Zusatzprodukte wie Filterpumpen oder Heizungen benötigt werden, sind sie schon für kleines Geld zu haben. Allerdings sind sie nicht winterfest und bieten aufgrund der geringen Tiefe nur wenig Platz zum Schwimmen. Durch die dünnen Kunststoffwände sind diese Pools auch nicht sehr langlebig, nach zwei bis drei Sommern geht ihnen im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus.
  • Quick-Up-Pools (Schnellbau-Pools) gehören genau genommen zu den aufblasbaren Schwimmbecken, die Technik ist jedoch eine andere: Nur ein Umlaufring an der Oberseite wird mit Luft gefüllt. Durch das einlaufende Wasser richten sich die Poolwände dann selbstständig auf. Dieser Becken-Typ kann den Sommer über aufgebaut bleiben – dann ist allerdings eine Filterpumpe empfehlenswert. Laut einer Analyse des Online-Vergleichsportals Idealo gehören Quick-Up-Pools mit 23 Prozent der Nachfrage zu den beliebtesten Aufstell-Bassins der Deutschen.
  • Frame-Pools (Gestell-Pools) werden nach Angaben von Idealo mit 61 Prozent am häufigsten gekauft. Die stabile Konstruktion mit einem Gestell aus Metallrohren macht sie langlebiger als die aufblasbare Variante, ist jedoch auch deutlich teurer. Auch bei diesen Modellen sollte man in eine Filterpumpe investieren, wenn man den Pool den ganzen Sommer über nutzen will.
  • Stahlwand- und Holzpools sind die stabilsten, aber auch teuersten Aufstellpools. Sie haben eine lange Lebensdauer und sind winterfest. Dank einer größeren Wassertiefe sind sie zum Schwimmen besser geeignet als aufblasbare oder Quick-Up-Pools, allerdings ist der Aufbau aufwendig und eine Filteranlage nötig. Der Untergrund für diesen Pooltyp sollte besonders tragfähig sein, da die Stahl- und Holzkonstruktionen einiges auf die Waage bringen. (svg)