Kreis Konstanz Bundestagskandidat Armin Kabis fordert den Bau einer Mauer zur Schweiz

Bundestagskandidaten (7): Der Tengener Armin Kabis tritt für die Satire-Partei "Die Partei" zur Bundestagswahl an und scheut sich nicht vor Populismus: Er fordert den Bau einer Mauer zur Schweiz.

Auf den ersten Blick könnte man sie fast verwechseln. Während die echte SPD in der Singener August-Ruf-Straße mit Gitarrenmusik versucht, die Aufmerksamkeit der Wähler zu gewinnen, stehen auf der anderen Seite der Straße Herren der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, kurz Die Partei, in grauen Anzügen, roter Krawatte, diverse Anstecknadeln am Revers und verteilen Flyer und Kugelschreiber. Fasnachter kennen das Konzept der Partei. 2004 von Satirikern gegründet, will sie den etablierten Parteien den Spiegel vorhalten. Der Anzug trennt die Kunstfigur eines Politikers, die Armin Kabis, Bundestagskandidat der Partei, in diesem Wahlkampf mimt, von dem Privatmann, einem 51 Jahre alten Altenpfleger aus dem Hegau. Über diesen Mann möchte er wenig bis gar nicht reden. Bleiben wir also erst einmal bei der Politik.

Warum er sich der Satire-Partei Die Partei angeschlossen habe? "Ich wusste die letzten Jahre nie, wen ich wählen sollte. Aber dieses Jahr kann ich jemanden wählen, dem ich voll uns ganz vertraue und glaube – mich", erklärt Kabis in gewohnt selbstsicheren Wahlkampf-Ton. Den Menschen, denen er einen Flyer in die Hand drückt, verspricht er den Bau einer Mauer zur Schweiz. Die vielen Einkaufstouristen aus dem Nachbarland, die an diesem Samstag in Singen bummeln waren, nehmen es mit Humor. Die deutschen Bürgern zeigen durchaus Interesse an der Idee. Kabis will den "Nudelsonntag" wieder einführen. Da werden bei den über 30-Jährigen Erinnerungen wach, als der Frankenkurs noch ein anderer war und die Deutschen sonntags in die Schweiz fuhren, um Nudeln, Schokolade und Kaffee zu günstigen Preisen zu kaufen. 

Armin Kabis (51) im Gespräch mit einer Wählerin in der Singener Innenstadt. Seine Idee, eine Mauer zur Schweiz zu bauen, kommt gut an. Bild: Anna-Maria Schneider
Armin Kabis (51) im Gespräch mit einer Wählerin in der Singener Innenstadt. Seine Idee, eine Mauer zur Schweiz zu bauen, kommt gut an. Bild: Anna-Maria Schneider

Ja, diese Vorschläge kommen gut an. Eine Frau kommt gezielt an den Stand gelaufen, möchte ein Fähnchen und einen Kugelschreiber für ihren Sohn mitnehmen. "Der findet Euch total cool", erzählt sie. Die Lacher hat Kabis in der Fußgängerzone auf seiner Seite. Kaum einer fühlt sich durch die Anzugträger mit den kuriosen Wahlversprechen gestört. Doch ernst genommen werden sie dennoch nicht.

 

Armin Kabis trägt das skurrile Programm der Partei souverän und ohne mit der Wimper zu zucken vor. Bierpreisbremse statt Mietpriesbremse, Managergehälter nach BH-Größe statt müßiger Gender-Debatte, Not-Abitur für alle statt Schulreform, die Partei hat zu allen Themen eine Meinung. Bundesweit bekommt der Partei-Wahlkampf große mediale Aufmerksamkeit, mal positiv, mal negativ. Und auch Kabis ist Teil der Show, wenn man so will. Zu der Partei kam er vor zwei Jahren durch nächtelanges Grübeln über Politik und Wahlentscheidungen, wie er erzählt. Als Bundestagsabgeordneter sieht er sich bestens geeinigt. Er ist in der Altenpflege, genauer gesagt im Awo-Seniorenzentrum Michael-Herler-Heim in Singen, tätig und kenne sich bestens mit Mangelverwaltung aus. Kollegen und Bewohner unterstützen ihn bei seiner Kandidatur. Jedoch erlaube ihm der Job keinen großen Wahlkampf zu gestalten, man sei wieder mal unterbesetzt auf der Station, wie er in einem kurzen privaten Moment erzählt. 

Pose mit Zigarre: Armin Kabis. Bild: Schober
Pose mit Zigarre: Armin Kabis. | Bild: Erik Schober

Der Tengener Altenpfleger ist froh, wenn der Wahlkampf für ihn vorbei ist. Trotz all der Politikverdrossenheit zollt er seinen Wahlkampfkollegen den größten Repekt: "Ich ziehe den Hut vor all den Politikern, die regelmäßig in den Fußgängerzonen stehen, ohne Aussicht auf ein Mandat", sagt er und zeigt auf den SPD-Stand gegenüber. Ihm habe der Wahlkampf zwar großen Spaß gemacht, doch bereiten ihn die Gespräche mit den Wählern auch Sorgen. Seine politische Enttäuschung führte ihn zur Satire-Partei, viele andere hätten sich der populistischen AfD zugewandt. Ohne sich mit deren Inhalten auseinanderzusetzen, wie er bemängelt. Kabis blickt alles andere als hoffnungsvoll in die deutsche Zukunft und wird zum Schluss philosophisch: "Vielleicht ist Die Partei auch nur die Begleitmusik zum Untergang, ähnlich dem Dadaismus in den Zwangziger Jahren, bevor die Nationalsozialisten an die Macht kamen". Ein bisschen Klamauk mache die ernste Situation erträglicher. Es sind resignierte Worte eines müden Altenpflegers, der nebenher einen Bundestagskandidaten spielt. Doch der Moment der Schwäche ist gleich vorbei und Kabis findet zurück in seine Rolle. Zum Abschied drückt er die Hand und sagt "Wir sehen uns dann ja nicht mehr, ab nächster Woche bin ich in Berlin". Wieder hat er alle Lacher auf seiner Seite.

Zur Person, Partei und dem Wahlprogramm

  • Zur Person: Armin Kabis ist in dem Mooser Ortsteil Bankholzen auf der Höri geboren, ledig, kinderlos und hat, laut eigener Aussage, außer der Politik keine Hobbies. Er arbeitet im Awo-Seniorenzentrum Michael-Herler-Heim in Singen als Altenpfleger, hatte aber mehrere andere Berufe bisher. Unter anderem hat er eine Ausbildung zum Drucker absolviert. Kabis wohnt in Tengen.
  • Die Partei gibt es seit 2004 und wurde unter anderem von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründet. Dessen ehemaliger Chefredakteur Martin Sonneborn zog 2014 mit 0,63 Prozent sogar ins Europäsche Parlament ein. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 erreichte Die Partei landesweit 0,3 Prozent der Stimmen und konnte dabei ihr Ergebnis von 2011 vervierundvierzigfachen: Nach 384 Stimmen bei der vorigen Landtagswahl erhielt sie diesmal 17 049 Stimmen.
  • Der Spitzenkandidat: Der türkischstämmige Kabarettist Serdar Somuncu geht als Kanzlerkandidat der Partei in den Wahlkampf. Er möchte "Kançler" werden, wie ihn die Satire-Partei nennt. Somuncu ist gelernter Theaterschauspieler und hat viele Jahre auf der Bühne aus Hitlers "Mein Kampf" vorgelesen, um die Lächerlichkeit des Buches zu verdeutlichen. Später ernannte er sich zum "Hassprediger" und zog in seinem Kabarett-Programm über Ausländer, Deutsche und eigentlich alle anderen auch her.
  • Im Kreis Konstanz hat sich der Ortsverband diverse Ziele gesteckt, wie auf deren Facebook-Seite zu lesen ist. So sollen das Lago und die Universität Konstanz einfach die Plätze tauschen, Kreuzlingen selbst soll komplett in Parkplätze umgewandelt werden, eine Sperrstunde von 12 bis 13 Uhr, Ausfuhrscheine nur noch für ungerade Cent-Beträge, Bierpflicht am Seerhein und eine U-Bahn durch den Bodensee. Auch eine Obergrenze für Flüchtlinge steht im Programm: Deutschland soll nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen als es das Mittelmeer kann. Speziell für seinen Heimatort Tengen hat Armin Kabis eine besondere Forderung: Er möchte offizielle Feiertage zum Tengener Schätzele-Markt einführen.
  • Viel Kritik erntete Die Partei mit dem Wahlplakat des Dresdner Kreisverbandes, welches den toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi, der 2015 an einem türkischen Strand starb, zeigt. In Anlehnung an die CDU-Plakate stand "Für einen Strand, an dem wir gut und gerne liegen" darüber. Nach heftiger Kritik wurde das Bild von der Facebook-Seite der Partei gelöscht. (ans)

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