Eigentlich fehlen nur noch die Strandliegen und die Sonnenschirme. Und ein Imbissstand mit Getränke- und Eisverkauf. Und entspannende Musik aus den Lautsprechern. Ist es vielleicht Amrum, Föhr oder eine andere der Inseln im Norden, die für ausgedehnte Strände bekannt sind? Nein. Die leuchtend hellen Flächen, die ein wenig anmuten wie Sandstrände am Meer, sind am Bodensee zu finden und wirken aus der Vogelperspektive besonders beeindruckend.

Schlick, nicht Sand

Wer hier schwimmen möchte, muss Anlauf nehmen: das Strandbad am Konstanzer Hörnle (unten) in rekordverdächtigen Niedrigwasserzeiten.
Wer hier schwimmen möchte, muss Anlauf nehmen: das Strandbad am Konstanzer Hörnle (unten) in rekordverdächtigen Niedrigwasserzeiten. | Bild: Achim Mende

Sie liegen links und rechts des Reichenauer Damms, am Ermatinger Becken oder rund um die Insel Werth bei Stein am Rhein. Freigelegt werden die Uferzonen von einem Seepegel, der seit Wochen langsam aber beständig sinkt. Ganz abgesehen davon, dass es zum Beispiel im Naturschutzgebiet am Reichenauer Damm verboten wäre, ein Strandlager aufzuschlagen: Es würde auch keinen Spaß machen und wäre recht unkomfortabel. Denn bei den hellen freigelegten Flächen handelt es sich um Schlick, um langsam trocknenden Seegrund und nicht um feinkörnigen Nordseesand.

Folgen für Mensch und Natur

Wo der See zum Rhein wird, da tut sich Land auf: Die Insel Werd bei Stein am Rhein. Von Eschenz aus führt die Brücke auf das kleine Eiland.
Wo der See zum Rhein wird, da tut sich Land auf: Die Insel Werd bei Stein am Rhein. Von Eschenz aus führt die Brücke auf das kleine Eiland. | Bild: erhard Plessing Flug und Bild

Mit Blick auf die aktuellen Verhältnisse ließe sich noch trefflich fachsimpeln, welche Folgen der Niedrigwasserstand für Mensch und Natur hat. Wann müssen die Bodenseeschiffsbetriebe (BSB) den Verkehr einschränken, weil Stege sich nicht mehr anfahren lassen? Erst bei einem Wasserstand von unter drei Metern (Pegel Konstanz) dürfte es laut BSB gravierendere Einschränkungen geben. Am Dienstag betrug der Pegel in Konstanz 3,09 Meter.

Dem See geht nicht das Wasser aus

Wo der Rhein in den Untersee fließt: Die Farben des Wassers changieren im Ermatinger Becken. Die Fahrrinnen für die Schiffe werden immer enger. Links oben der Schweizer Seeort Ermatingen, rechter Hand ein Stück Uferlinie des Wollmatinger Rieds vor Ausläufern der Insel Reichenau.
Wo der Rhein in den Untersee fließt: Die Farben des Wassers changieren im Ermatinger Becken. Die Fahrrinnen für die Schiffe werden immer enger. Links oben der Schweizer Seeort Ermatingen, rechter Hand ein Stück Uferlinie des Wollmatinger Rieds vor Ausläufern der Insel Reichenau. | Bild: Gerhard Plessing Flug und Bild

Geht dem See am Ende das Wasser aus? Über diese Frage wird man bei der Bodenseewasserversorgung milde lächeln. Natürlich nicht. Nun wollen wir an dieser Stelle nicht den Klimawandel beschwören. Stattdessen sollen die Bilder der Fotografen Achim Mende und Gerhard Plessing einfach nur ihren Zauber entfalten.

Stelldichein auf der Kiesbank: Diese Wassersportler haben ihren Platz zum Ausruhen zwischen Reichenau und Mettnau gefunden.
Stelldichein auf der Kiesbank: Diese Wassersportler haben ihren Platz zum Ausruhen zwischen Reichenau und Mettnau gefunden. | Bild: Achim Mende

 

Trockene Füße: In diesem Teil des Ensembles der Pfahlbausiedlung in Unteruhldingen sind die Holzstelzen, auf denen die Gebäude stehen, nicht mehr vom Bodenseewasser umspült.
Trockene Füße: In diesem Teil des Ensembles der Pfahlbausiedlung in Unteruhldingen sind die Holzstelzen, auf denen die Gebäude stehen, nicht mehr vom Bodenseewasser umspült. | Bild: Gerhard Plessing Flug und Bild

 

Mehr fließen als tosen: Der Rheinfall bei Schaffhausen scheint gezähmt in diesen Tagen.
Mehr fließen als tosen: Der Rheinfall bei Schaffhausen scheint gezähmt in diesen Tagen. | Bild: Gerhard Plessing Flug und Bild

 

Niedrigwasser am 21. August 2018, Bregenzer Ach
In Zeiten des Niedrigwassers mäandert die Bregenzer Ach durch ihr freigelegtes Delta mit kleiner Grünzone in der Mitte. Dem aus dem Bregenzer Wald kommenden Flüsschen, das hier bei Hard in den Obersee mündet, fehlt die Kraft, seine Fracht mit Schwung in die Tiefen des Bodensees zu tragen. | Bild: Gerhard Plessing

 

Niedrigwasser am 21. August 2018, Rhein-Kanal, Fußach/Hard, Vorarlberg
Ähnlich ergeht es derzeit dem zwischen zwei Dämme gepressten Rhein, in dessen Auslauf das Dreieck einer Sandbank sichtbar ist. Der Rand der milchig-grau gefärbten Fläche auf Höhe der Sandbank markiert den sogenannten Rheinbrech, die Trennlinie zwischen dem Wasser des Alpenrheins und dem des Bodensees. Derweil verrichtet ein stückweit rheinauf der Kiesbagger seine Arbeit. | Bild: Gerhard Plessing