Kreis Konstanz Bodensee: Wenn das Wasser sich zurückzieht

Das Niedrigwasser von Bodensee und Rhein schafft viele neue Perspektiven. Alarmierend ist die Lage am See aber nicht – weder für die Schifffahrt, noch für die Natur.

Ein Spaziergang am Bodensee und am Rhein lohnt sich in diesen Tagen besonders. Denn der abgesunkene Pegel gibt den Blick frei auf Landzungen, kleine Inseln und Felsen, die sonst weitgehend von Wasser überspült oder zumindest umspült sind. In Konstanz lag der Bodenseepegel am Mittwoch bei 2,79 Metern.

Weit draußen: Am Strandbad Hörnle in Konstanz hat das Niedrigwasser eine respektable Landzunge freigegeben. Der Fotograf stand bei der Panoramaaufnahme etwa 80 Meter vom Ufer entfernt. Hinten rechts vor den Bäumen ist die DLRG-Station am eigentlichen Seeufer zu sehen, davor zeichnet sich die Linie des Badestegs ab. Linker Hand lecken die Wellen aus Richtung Konstanzer Trichter, rechts aus Richtung Überlinger See. Bilder: Oliver Hanser (2), Thomas Güntert
Weit draußen: Am Strandbad Hörnle in Konstanz hat das Niedrigwasser eine respektable Landzunge freigegeben. Der Fotograf stand bei der Panoramaaufnahme etwa 80 Meter vom Ufer entfernt. Hinten rechts vor den Bäumen ist die DLRG-Station am eigentlichen Seeufer zu sehen, davor zeichnet sich die Linie des Badestegs ab. Linker Hand lecken die Wellen aus Richtung Konstanzer Trichter, rechts aus Richtung Überlinger See. Bilder: Oliver Hanser (2), Thomas Güntert

Das ist deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von 3,32 Metern, aber noch klar über der Niedrigwasser-Rekordmarke von 2,29 Metern aus dem Jahr 2006. In Radolfzell am Untersee betrug der Wasserstand 2,40 Meter und lag damit deutlich unter dem Mittelwert (2,98 Meter). Bis zur bisherigen Tiefstmarke von 2,11 Metern besteht aber noch Luft. Jörg Heimler, der bei der baden-württembergischen Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz die Pegeldaten analysiert, spricht angesichts der aktuellen Lage zwar von Niedrigwasser, er sagt aber auch: "Dramatisch ist das mit Sicherheit nicht."

Als eine Ursache der niedrigen Wasserstände an Bodensee und Rhein nennt Jörg Heimler die Trockenheit im Dezember. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) registrierte für den letzten Monat des Jahres 2016 am Standort Konstanz 2,8 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das sind nur 4,9 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge von 57 Litern pro Quadratmeter. In Friedrichshafen betrug die Niederschlagsmenge 3,4 Liter, das sind 5,3 Prozent des langjährigen Durchschnitts von 63,8 Litern pro Quadrameter. Rekordmäßig wenig Niederschlag bilanzierte auch der eidgenössische Wetterdienst für die Schweiz.
 

Felsen umtost von Wassermassen: So kennen und lieben Besucher den Rheinfall bei Neuhausen. Die Aufnahme entstand im Juni 2016, als der Rhein reichlich Wasser führte.
Felsen umtost von Wassermassen: So kennen und lieben Besucher den Rheinfall bei Neuhausen. Die Aufnahme entstand im Juni 2016, als der Rhein reichlich Wasser führte.
Das Niedrigwasser und die Folgen: Der Rheinfall in Neuhausen präsentiert sich derzeit wie eine Mondlandschaft mit nahezu freiem Zugang zum Rheinfallfelsen.
Das Niedrigwasser und die Folgen: Der Rheinfall in Neuhausen präsentiert sich derzeit wie eine Mondlandschaft mit nahezu freiem Zugang zum Rheinfallfelsen.

Sorgen bereitet das Niedrigwasser des Bodensee derzeit weder den Fährebetreibern am Obersee noch jenen Biologen, die sich für den Erhalt der Ufervegetation engagieren. Aus Sicht der Konstanzer Stadtwerke, die die Fähre-Verbindung zwischen Konstanz-Staad und Meersburg betreiben, ist der derzeitige Wasserstand unproblematisch. Einschränkungen seien kein Thema, sagte Stadtwerkesprecher Josef Siebler. Es gebe da auch keine Schmerzgrenze. Bei Bedarf rüsten die Fährebetreiber die Zufahrt zu den Schiffen mit Auffahrhilfen aus, damit die Autos nicht aufsetzen. Anhaltend hohe oder niedrige Wasserstände können auch Folgen für die Ufervegetation haben. Doch in Bezug auf die aktuelle Lage gibt der Biologe Michael Dienst Entwarnung. Der Wasserstand sein unbedenklich für die Strandrasenarten am See, so der Sprecher der Arbeitsgruppe Bodenseeufer.

Sorge ums Grundwasser

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) warnt unabhängig von der Lage am Bodensee vor möglichen Folgen von Niedrigwassersituationen. Die geringen Regenmengen im vergangenen Herbst und vor allem im Dezember bereiten laut LUBW nicht nur der Fluss-Schifffahrt Probleme, sondern wirken sich auch auf das Grundwasser aus. "Die Grundwasserstände und Quellschüttungen bewegen sich zur Zeit in Baden-Württemberg auf unterdurchschnittlichem Niveau", so informiert LUBW-Präsidentin Margareta Barth in einer Mitteilung. In den vergangenen 30 Jahren habe es zum Jahreswechsel keine vergleichbare landesweit ausgeprägte Niedrigwassersituation für das Grundwasser gegeben.

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