Zum Auftakt der Frühjahrssaison hält der Verkehrsverbund Hegau-Bodensee (VHB) eine gute Nachricht für Berufstätige und Ausflügler auf der Strecke Radolfzell-Stockach bereit. In den von der Hohenzollernschen Landesbahn betriebenen Seehäsle-Zügen können die Kunden ab sofort ganzjährig ihr Fahrrad kostenlos transportieren. Der Testbetrieb im vergangenen Jahr verlief so positiv, dass der Schritt den Verantwortlichen offenbar nicht schwerfiel. Beim Seehäsle-Angebot hat der Landkreis Konstanz selbst das Sagen, denn er ist der Verkehrsträger und macht den Betrieb durch finanzielle Zuschüsse möglich. Rund 3000 Fahrgäste befördert der Zug pro Tag. Die Aufwendungen für die Gratisfahrradmitnahme belaufen sich nach Angaben von Ralf Bendl, Leiter des Kreisamts für Nahverkehr und Straßen, auf 7000 Euro pro Jahr. Das war offenbar ein akzeptabler Betrag für den zuständigen Betriebsausschuss, der im Februar grünes Licht für die Dauerlösung gab. Zumal auch die Resultate des Probebetriebs für das feste Angebot sprachen. Der Test sei ohne Probleme verlaufen. "Kein Chaos, kein Stress bei den Fahrgästen", so Ralf Bendl, der auch Mitgeschäftsführer des VHB ist.

Nun wäre es nach Ansicht von Thomas Bauschert schön, wenn auch beim großen Bruder des Seehäsle, dem auf der Strecke Konstanz-Engen verkehrenden Seehas, die Fahrradmitnahme kostenlos wäre. Aber das ist nicht der Fall. Kosten seien Hürden, wenn es um umweltfreundliches Verhalten gehe, sagt Bauschert, der in Singen wohnt und gerne mit dem Fahrrad unterwegs ist. Wer den Autoverkehr zurückdrängen wolle, müsse auch alternative Angebote machen, ist er überzeugt. Wenn es Anreize für Berufstätige gebe, Bahn und Rad abwechselnd zu nutzen, lasse sich das ohnehin hohe Pkw-Verkehrsaufkommen reduzieren, was sicher im Interesse des grünen Landesverkehrsministers Winfried Hermann liege.

Auch für den Seehas war zumindest ein Testbetrieb für den Gratis-Fahrradtransport angedacht und sollte am 1. Januar starten. Doch dazu kam es trotz grundsätzlicher Bereitschaft nicht. Denn hier liegen die Dinge komplizierter, wie Beteiligte einräumen. Da ist zum einen die Fahrgast-Dimension. Statt 3000 Nutzern wie auf der Strecke Radolfzell-Stockach sind zwischen Konstanz und Engen 15 000 Menschen pro Tag unterwegs. Tendenz steigend. Und: "Wir liegen an einer internationalen Fahrradroute", sagt Patrick Altenburger, Geschäftsführer der Seehas-Betriebsgesellschaft, der deutschen SBB GmbH. Altenburger hat die Dinge analysieren lassen. Es geht um besonderen Platzbedarf in den Hochzeiten der Fahrradsaison, um mögliche Sicherheitsprobleme, um Pünktlichkeit. Aber da wäre noch ein Problem. Im Falle des Seehas hat das Land Baden-Württemberg die Verkehrsdienstleistung beauftragt, und im Vertrag mit der SBB GmbH ist die kostenlose Fahrradmitnahme nicht vorgesehen. Das Land müsste folglich der Betriebsgesellschaft die erwarteten Ausnahmefälle extra bezahlen. "Wir haben ein Angebot gemacht", informiert Altenburger. Nun sei das Verkehrsministerium am Zug. Nach Einschätzung des VHB geht es um einen mittleren fünfstelligen Betrag.

Ein wenig Entscheidungshilfe bietet ein aktuelles Schreiben des Landkreises an das Verkehrsministerium. Darin appelliert Landrat Frank Hämmerle an Minister Hermann, "auch im Landkreis Konstanz das ansonsten im Land geltende flächendeckende Angebot für eine kostenlose Fahrradmitnahme umzusetzen und gegebenenfalls . . . die geltend gemachten Einnahmeausfälle auszugleichen."

Die Regelungen

Im Bahnverkehrsnetz am Bodensee gelten nach Angaben des Verkehrsverbunds unterschiedliche Bestimmungen für den Fahrradtransport. Auf den Regionalbahnen Radolfzell-Friedrichshafen sowie Singen-Basel ist die Fahrradmitnahme kostenlos. Ausgenommen ist die Berufsverkehrszeit von sechs bis neun Uhr (montags bis freitags). Gleiches gilt für die Seehäsle-Strecke Radolfzell-Stockach. Im Seehas (Konstanz-Engen, SBB) und auf der Schwarzwaldbahn (DB) müssen Fahrgäste für den Biketransport bezahlen. Für den Seehas kostet die Fahrrad-Einzelkarte 2,50 Euro (Tageskarte 3,50 Euro). Die Fahrradtageskarte der DB im bundesweiten Nahverkehr kostet 5,50 Euro.