Zwei neuwertige Ferraris im Wert von mehr als 450 000 Euro. 300 insgesamt 36 000 Euro teure Brillen und Edelkarossen, für die Oldtimer-Freunde eine halbe Million Euro auf den Tisch legen würden. Das sind nur drei besonders spektakuläre von insgesamt 6517 Schmuggelfällen, die das Hauptzollamt Singen im vergangenen Jahr aufdecken konnte. Die daraus resultierenden Verfahren haben dem Bund knapp zwei Millionen Euro eingebracht. "Das entspricht einer Zunahme an Abgaben auf die geschmuggelten Waren gegenüber 2016 – in Höhe von rund 15,5 Prozent", berichtet Kai Dade. Auf der jährlichen Pressekonferenz in Singen blickt der Hauptzollamtsleiter auf ein "schönes Jahr 2017" zurück. Aus seiner Sicht habe man dem Bedürfnis der Bürger nach Sicherheit und Ordnung Rechnung getragen.

Teure Ferraris neben billigen Kleinwagen: Der Zoll entdeckte bei Hilzingen auf einem Autotransporter die insgesamt 455 000 Euro teuren Flitzer. Laut Einfuhrpapieren sollten sie jeweils nur 10 000 Schweizer Franken wert sein. Die Behörde nennt das Schmuggel.  Bild: Hauptzollamt
Teure Ferraris neben billigen Kleinwagen: Der Zoll entdeckte Juli 2017 bei Hilzingen auf einem Autotransporter die insgesamt 455 000 Euro teuren Flitzer. Laut Einfuhrpapieren sollten sie jeweils nur 10 000 Schweizer Franken wert sein. Die Behörde nennt das Schmuggel. Bild: Hauptzollamt

Um das zu veranschaulichen, hat das Zollamt einen ganzen Tisch mit allerlei gefährlichen Utensilien aufgebaut. Ein etwa zwei Kilo schwerer silberner Revolver liegt Seite an Seite mit einer Luftdruck-Pistole. Daneben eine Dose Pfefferspray, Shisha-Tabak mit in Deutschland unzulässiger Glycerin-Konzentration und ein in Folie verpacktes illegales Präparat gegen Durchblutungs-Störungen. Normalerweise stapeln sich diese Gegenstände in der Asservatenkammer des Zollamts Bietingen, verrät Pressesprecher Michael Hauck. Heute sollen sie verdeutlichen, mit welcher Schmuggelware die 867 Zöllner täglich zu tun haben.

 

Aufgedeckte Schmuggelfälle 2017

  • Waffen

    2017 konnten die Beamten rund 640 Waffen, Waffenteile und andere verbotene Gegenstände, wie beispielsweise Totschläger, Schlagringe oder Würgehölzer, beschlagnahmen. Auffallend: Die Zahl der sichergestellten Feuerwerkskörper fällt mit 140 deutlich geringer aus als im Vorjahr. 2016 hatten die Beamten noch mehr als 8000 Böller und Raketen aufgestöbert.

  • Rauschgift

    Im Vergleich zu Hot-Spots wie dem Frankfurter Flughafen oder dem Hafen in Hamburg, habe man es entlang des 331 Kilometer langen Grenzabschnitts zur Schweiz nur mit kleineren Mengen Drogen zu tun. "Wenn mal ein bis zwei Kilogramm Kokain gefunden werden, ist das schon sehr viel und kommt hier nur selten vor", betont Michael Hauck. Im Jahr 2017 kam es bei der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität zu mehr als 2300 Aufgriffen. Knapp 30 der sichergestellten 38 Kilogramm fallen in den Bereich Haschisch und Marihuana. Weiterhin konnten die Zollbeamten 19 Gramm Heroin, 409 Gramm Crystal Meth und etwas mehr als ein halbes Kilogramm Kokain finden.

  • Textilien

    Immer wieder haben es die Beamten mit Textilien-Schmugglern zu tun. So etwa im vergangenen Oktober, als die Zöllner am Konstanzer Güterbahnhof bei der Kontrolle einer Paketsendung gefälschte Markenbekleidung entdeckten. Als Originale hätten die Kleidungsstücke einen Wert von rund 11 500 Euro gehabt, berichtet Hauck. 2017 konnten 71 Paare gefälschter Schuhe und 42 einzelne gefälschte Kleidungsstücke sichergestellt werden. "Meistens werden die geschmuggelten Textilien in der Türkei oder Asien hergestellt", erklärt der Pressesprecher. Immer wieder könne man auch Versuche, Billigware über die Grenzen zu schleusen, aufhalten. Michael Hauck kann nur darüber spekulieren, welche Absicht die Schmuggler in solchen Fällen verfolgen. "Eventuell will man die Ware auf dem Wochenmarkt oder in Billigboutiquen verkaufen." Auch das Internet biete entsprechende Möglichkeiten.

  • Schwarzarbeit

    Die Zollbeamten sind nicht nur an der Grenze im Einsatz. Branchenübergreifend hat man 2017 mehr als 540 Arbeitgeber auf der Suche nach Schwarzarbeitern kontrolliert. Das Ergebnis: "Die Schwarzarbeit ist nach meiner Einschätzung nicht zurückgegangen. Sie ist eine feste Größe in diesem Land", erklärt Michael Hauck. Markus Beck ist der Leiter der Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Er weiß, wie schwierig Kontrollen in diesem Bereich sind – und wünscht sich eine effektivere internationale Zusammenarbeit: „Es kann schon mal bis zu sechs Monate dauern, bis eine Anfrage im Ausland beantwortet wird. Die Drähte innerhalb der EU könnten besser laufen, was das angeht." Besonders wichtig sei es seiner Erfahrung nach die Buchhaltung der Unternehmen nach etwaigen Ungereimtheiten zu inspizieren. Diese Strategie zeige Erfolge. 2017 seien fast 1000 Strafverfahren abgeschlossen worden.

 

Vom Schlagring bis zum Teleskop-Schlagstock: eine Auswahl der an der Grenze zur Schweiz sichergestellten Waffen.
Vom Schlagring bis zum Teleskop-Schlagstock: eine Auswahl der an der Grenze zur Schweiz sichergestellten Waffen. | Bild: Sabine Tesche

440 000 grüne Zettel weniger

Nicht nur die zusätzlichen Stempelstellen in Konstanz, Laufenburg und Küssaberg sind neu im Bezirk des Hauptzollamts Singen. Auch beim Personal und der Anzahl der Ausfuhrscheine hat sich einiges verändert.

  • Weniger Ausfuhrscheine: Im Zuständigkeitsbereich des Hauptzollamts wurden im Jahr 2017 rund 10,79 Millionen Ausfuhrscheine bearbeitet, das entspricht 35 700 grünen Zetteln pro Werktag. 2016 waren es noch 11,23 Millionen Scheine – damit sank die Anzahl der Abfertigungen im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent.
  • Mehr Personal: Das Hauptzollamt Singen stellte 29 zusätzliche Tarifbeschäftigte ein, die bei der Abfertigung der Ausfuhrscheine aushelfen. „Damit sind wir nun an den Stempelstellen ganz gut aufgestellt“, bilanziert Hauptzollamtsleiter Kai Dade.
  • Elektronische Abfertigung: Ein elektronisches Verfahren zur Zollabwicklung würde weitere Entlastung bringen. Nach Dades Einschätzung wird dieses jedoch nicht vor 2020 in den Probebetrieb gehen.
  • Bagatellgrenze: Die mögliche Einführung einer Bagatellgrenze, die eine Steuererstattung erst ab einem bestimmten Warenwert vorsieht, ist seit Langem ein Streitthema. Eine Einigung ist bisher nicht in Sicht: „Ob es eine Grenze geben wird, ist eine politische Entscheidung. Das wird in Berlin entschieden und nicht bei uns“, fasst Kai Dade zusammen. (svg)