Wie geht es nach der Schule weiter? Vor dieser Frage stehen jedes Jahr zahlreiche Schüler in der Region. Es gibt Hunderte Ausbildungsberufe und eine Vielzahl von Studiengängen – das Angebot ist riesig und die Jugendlichen haben die Qual der Wahl. Vier Schulen aus dem Landkreis Konstanz bereiten ihre Schüler so gut auf diese Entscheidung vor, dass sie nun mit dem Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg – genannt Boris – ausgezeichnet wurden. Die Konstanzer Gebhardschule, die Gemeinschaftsschule Eigeltingen, die Gerhard-Thielcke-Realschule Radolfzell und die Christliche Schule im Hegau gehören jetzt zu den etwa 1500 Siegelschulen in Deutschland. Die feierliche Verleihung der Auszeichnung fand in der Bildungsakademie in Singen statt.

Wie wichtig das Thema Berufsorientierung an Schulen ist, betonte Alexandra Thoss, Leiterin des Bereichs Ausbildung der IHK Hochrhein-Bodensee: "Die geburtenstarken Jahrgänge, also die sogenannten Babyboomer, gehen nach und nach in den Ruhestand und es kommen nicht genug Fachkräfte nach. Uns fehlen mittlerweile rund 200 000 im Südwesten." Außerdem verändere die Digitalisierung den Arbeitsmarkt und man brauche junge, gut ausgebildete Leute, die sich den neuen Herausforderungen stellen, so Thoss.

Alexander Urban, Leiter der Boris-Landesgeschäftsstelle, formulierte das Ziel des Projekts mit den Worten: "Die Schüler sollen nach dem Abschluss nicht ins Berufsorientierungs-Weltall geschossen werden." Daher sei es schön zu sehen, wie umfangreich die vier frisch gebackenen Siegelschulen im Kreis Konstanz ihre Schützlinge bei dem Übergang zum Berufsleben unterstützen. Urban dankte außerdem den vielen ehrenamtlichen Juroren, die die Bewerberschulen besucht und bewertet haben, mit der einfachen Formel: "Keine Juroren – kein Boris."

Diese Schulen wurden ausgezeichnet

Sie nahmen das Siegel für die Gemeinschaftsschule Eigeltingen entgegen: (v.l.) Maurice Surmin, Oliver Tobian, Michael Wernersbach, Niklas Bihler, Andreas Rossatti, Heike Schwarzenberger, Pino Martuscello und Samantha Franz.
Sie nahmen das Siegel für die Gemeinschaftsschule Eigeltingen entgegen: (v.l.) Maurice Surmin, Oliver Tobian, Michael Wernersbach, Niklas Bihler, Andreas Rossatti, Heike Schwarzenberger, Pino Martuscello und Samantha Franz. | Bild: Svenja Graf

Das Wort Verantwortung wird in der Gemeinschaftsschule Eigeltingen groß geschrieben. "Die Schüler übernehmen Verantwortung in Schülerfirmen und gestalten so das Schulleben mit", erklärte Schulleiter Michael Wernersbach. Sein Stellvertreter Andreas Rossatti führte aus: "Es gibt zum Beispiel einen Bäckerverkauf und einen Online-Trödler. Was mit dem erwirtschafteten Geld passiert, entscheiden die Schüler mit." Außerdem können sich die Jugendlichen bei einer jährlichen Jobbörse informieren.
 

Alexander Urban (l.) überreichte das Boris-Siegel an die Vertreter der Gerhard-Thielcke-Realschule Radolfzell: (v.l.) Peter Przibylla, Karin Petri, Daniel Krüger und Sascha Golitschek. Die Laudatio hielt Werner Graf.
Alexander Urban (l.) überreichte das Boris-Siegel an die Vertreter der Gerhard-Thielcke-Realschule Radolfzell: (v.l.) Peter Przibylla, Karin Petri, Daniel Krüger und Sascha Golitschek. Die Laudatio hielt Werner Graf. | Bild: Graf, Svenja

Die Gerhard-Thielcke-Realschule in Radolfzell setzt beim Thema Berufsorientierung auf starke Partner. "In unserem Persönlichkeits-Entwicklungs-Programm PEP arbeiten wir mit Dozenten von außen zusammen", erklärte Peter Przibylla. So gab zum Beispiel ein Vertreter der Barmer Krankenkasse den Neuntklässlern Bewerbungstipps und der Ausbildungsleiter der Firma ZF TRW führte die Schüler bei einem Besuch durch das Werk. "Das Boris-Siegel sehen wir als Wertschätzung und Auftrag zugleich", betonte Sascha Golitschek.
 

Alexander Urban freut sich mit Jan Reinard von Gebhardschule in Konstanz über das Siegel.
Alexander Urban freut sich mit Jan Reinard von Gebhardschule in Konstanz über das Siegel. | Bild: Svenja Graf

An der Konstanzer Gebhardschule ist die Praxis besonders wichtig. "Die Sechstklässler dürfen einen Tag lang ihre Eltern zur Arbeit begleiten und finden das natürlich super spannend", erzählte Jan Reinard. Die Schüler der siebten Klasse leiten eigenverantwortlich das Schulcafé "Yuba" und für die Acht- und Neuntklässler gibt es das sogenannte "future dating". Reinard erklärte das Prinzip: "Die Schüler stimmen online darüber ab, welche Berufe sie interessieren. Dann kommen Vertreter dieser Berufsgruppen und stellen sich und ihre Arbeit vor."
 

Alexander Urban und Laudator Oliver Heuer zeichneten die Christliche Schule im Hegau mit dem Bori-Siegel aus.
Alexander Urban und Laudator Oliver Heuer zeichneten die Christliche Schule im Hegau mit dem Bori-Siegel aus. | Bild: Svenja Graf

In der Christlichen Schule im Hegau wird jeder Schüler als ein tragendes Mitglied der Gemeinschaft gesehen. "Wir setzen auf Selbstwirksamkeit", betonte Schulleiterin Siglinde Unger. Neben jährlichen Praktika sammeln die Schüler wichtige Erfahrungen bei der Mitarbeit in der Schulküche, dem Schulcafé oder der "Gemüse-Ackerdemie". Auch ein Bewerbungstraining gehört zu dem breiten Angebot, das die Boris-Juroren letztlich überzeugt hat. Diese attestierten der Schule eine "hervorragende Arbeit im Bereich der Berufsorientierung".