Nur nicht beim Servieren im Bild stehen: Juliane Meier nennt mit einem Augenzwinkern die wichtigste Regel in der Gastronomie bei den Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft vom 14. Juni bis 15. Juli. Die Inhaberin der Seebar am Konzertsegel in Radolfzell freut sich auf den Höhepunkt des Fußballjahres, auf die Euphorie, die Alt, Jung, alle Schichten und viele Nationen verbindet.

Sie ist überzeugt, dass diese Begeisterung bis weit über die WM hinaus ihre positive Wirkung entfalten werde, gerade für Betriebe, die Arenen für die Fans bereit gestellt haben. Sie hat rund 6000 Euro investiert, um in ihrem Freiluftbetrieb bis zu etwa 1000 Fans an einem Abend die begehrten Bilder vom Turnier in Russland liefern zu können.

Die Hoffnung der Wirte: "Da strahlt was Positives ab"

Die Investitionen, so denken sie und auch andere, die zur WM Angebote machen, werden sich auch indirekt auszahlen, mit den guten Gefühlen, die die Fans mit dem Ort verbinden, an dem sie ein Spiel gesehen oder ein Trikot gekauft haben. "Da strahlt was Positives ab", sagt auch Tino Schumann, der am Konstanzer Strandbad Hörnle eine große LED-Leinwand aufstellt und die Fans mit seinem Team am bestehenden Kiosk bedient.

Die FIFA hat den Daumen drauf

Ähnlich sieht das Peter Kolb vom Sportgeschäft Gruner in Konstanz. Für ihn ist die Fußball-Weltmeisterschaft Chance und Risiko zugleich. Fußball, so sagt er, sei die DNA eines Sportgeschäfts, also dessen Kernstück, und so habe er nicht gezögert, 200 Quadratmeter für Trikots und andere Fan-Artikel einzurichten.

Die strengen Regeln des Weltfußballverbands, der die Hand auf die offiziellen Trikots hält, allerdings erschwerten die kaufmännische Kalkulation. Er habe zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Ware ordern müssen und könne nicht nachbestellen. Wenn Deutschland ins Finale komme, habe er zu wenig Trikots, sollte das Team früh ausscheiden, habe er zu viele.

Trikot-Preise schon vor dem Start herruntergesetzt

Der lokale Handel hat sich inzwischen auf die Konkurrenz im Internet eingestellt, so sind in mehreren Geschäften die Deutschland-Trikots schon vor Anpfiff der WM vom Originalpreis von 89,99 Euro auf 69,99 oder 70 Euro heruntergesetzt. Unbezahlbar aber seien die Wohlgefühle und die Kollektiverlebnisse im Verlauf eines solchen Turniers. Das werde dann auch auf den Ausstatter der Fans übertragen, sagt Kolb.

Welche verbindende Kraft das Weltturnier hat, zeigt ein Blick in das Flugblatt zur Fußball-WM, den das Konstanzer Büro Marketing & Tourismus herausgegeben hat. Es listet die 13 Lokale und Biergärten in Konstanz und der Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen auf, die ein größeres Angebot für Fußballfans haben. Darunter findet sich die Strandbar für Studenten ebenso wie das Steigenberger Inselhotel für den gehobenen Gast oder der Kolbenfresser, die Kneipe für die Freunde der heißen, motorisierten Öfen.

18.000 Euro allein für die LED-Leinwand

Keine Stadt im Landkreis bietet eine eigene Fußball-Arena an, diese Aufgabe übernehmen zu dieser Weltmeisterschaft allein Privatbetriebe wie das Brigantinus in Konstanz, in dessen Biergarten bis zu 2500 Fans vor einer großen LED-Bildwand mitfiebern können. 18.000 Euro habe er allein in diese Bilderwand investiert, sagt Gastronom Stefan Müller.

Insgesamt gehe er mit gut 25.000 Euro für zusätzliches Material, Personal, Sicherheitskräfte und Absperrungen in Vorleistung. Er muss darauf setzen, dass zu den Deuschland-Spielen Biergarten-Wetter herrscht und das Nationalteam mindestens das Achtelfinale, besser noch das Viertelfinale erreicht, damit sich das alles rechnet.

Die Schutzvorrichtungen seien übrigens vor allem zur Steuerung der Massen notwendig. Müller, der seit 2006 Erfahrungen mit Großveranstaltungen zur WM hat, sagt, die Fans feierten friedlich und trösteten bei Bedarf auch die Anhänger der gegnerischen Mannschaft oder sich gegenseitig. "Die haben Spaß miteinander."

Er müsse nur eben darauf achten, dass der Platz nicht zu voll wird. Wenn Fans abgewiesen werden, ziehe dies immer einige Diskussionen nach sich. Es sei deshalb notwendig, vorausschauend zu planen. Gute Vorbereitung sei überhaupt der Schlüssel für die große Aufgabe, kurz vor dem Anpfiff und in der viertelstündigen Pause den Ausschank und die Essensausgabe zu bewältigen.

Stefan Müller und seinen Teams gelingt das mit zusätzlichen Ausgabestationen und zusätzlichem Personal. An einem normalen Schönwetter-Abend arbeitet er mit zwölf Helfern im Biergarten, an einem WM-Tag mit Deutschlandspiel sind es 30.

Auf dem Land schauen viele lieber in großen Privatgärten

Doch es gibt ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Sperrzäune, Sicherheits­personal und Schwierigkeiten, den Massenandrang zu bewältigen, solche Probleme kennt Boris Graf nicht, er ist Inhaber der Nellenburger Talstation in Stockach. Die WM-Zeit, so sagt er, bedeute erst einmal, dass etliche Stammgäste der Vesperstube wegbleiben, weil sie sich zu den Spielen in privaten Kreisen treffen. Im ländlichen Raum gibt es noch die großen Häuser und Gärten für Otto-Normalverbraucher, die das ermöglichen.

Auch in Vereinskreisen organisieren sich einige. Boris Graf hat Erfahrung mit den Massenevents zur Fußball-Weltmeisterschaft. Für sein Lokal hat er sich gegen eine große Lösung entschieden, auch wegen des Organisations- und Kostenaufwands. Bei ihm bleibt es bei einem kleineren Fernsehgerät im vorderen Teil des Lokals. Ohne weitere Werbung dafür bleiben die Abgaben an die Verwertungsgesellschaft Gema unter 100 Euro.

Polizei hat die großen Fan-Feste und die Autokorsos im Blick

Die Polizei im Landkreis hat die großen Fan-Feste im Blick, ebenso die Autokorsos. Bei Eigen- oder Fremdgefährdung werden die Beamten konsequent einschreiten, kündigt Gerold Sigg an, der kommissarische Chef des Konstanzer Polizei-Präsidiums. "Die Polizei hat nichts gegen ausgelassenes Feiern, jedoch dürfen Korsos nicht als rechtsfreier Raum verstanden werden."

Null Toleranz sei zu erwarten, wenn sich einer im Alkohol- oder Drogenrausch hinters Steuer setze, mit Gegenständen werfe, sich weit aus dem fahrenden Auto lehne oder auf einem fahrenden Fahrzeug herumklettere.

Die Polizei werde darauf achten, dass Anwohner nicht über Gebühr mit Hupkonzerten belästigt werden. "Die Stadt wäre froh, wenn nicht schon jedes Vorrundenspiel einen Korso auslöst", sagt Marcus Berger, der die Abteilung Sicherheit und Ordnung bei der Stadt Singen leitet. Wegen der relativ frühen Anpfiffe, das Finale beginnt etwa um 17 Uhr, sind dieses Jahr wenig Probleme mit nächtlichem Lärm zu erwarten.

Die größten regionalen Arenen

  • Kreuzlingen

    Bodensee-Arena, kleine Halle, Seestraße 11b: 25 Quadratmeter Leinwand, mehr als 2000 Sitzplätze, Reservierung von Tischen und Lounges möglich, Eintritt: 4 Euro oder 50 Franken für eine Dauerkarte. Kasse öffnet eine Stunde vor Spielbeginn.
     

  • Konstanz

    Brigantinus, Reichenau­straße 15: LED-Groß-Leinwand, 2500 Plätze, Reservierung von VIP-Tischen mit Getränken und Essen möglich.
    Hafenhalle, Hafenstraße 10: Mindestens zehn Groß-Fernseher, 1000 Sitzplätze, VIP-Tisch buchbar mit Getränken und Brezeln. Alle Spiele.
    Café Restaurant Hörnle, Eichhornstraße 100: LED-Groß-Leinwand, mehrere hundert Plätze, Sitzplatz auf dem Handtuch. Alle Spiele.
    Strandbar, Webersteig 12: Großbildleinwand, mehrere hundert Plätze.
     

  • Singen

    Gems, Mühlenstraße 13: Kinoleinwand mit professioneller Kinotechnik, 300 Plätze.
    Willy's Sportsbar, Hegaustraße 55: Innen 14 Fernseher, drei davon in einem separaten Raucherraum, im Freien ein Großbildfernseher. Innen 150 Plätze, außen 100 Plätze. Alle Spiele.
     

  • Radolfzell

    Seebar am Konzertsegel, Karl-Wolf-Straße 1: Bis zu sieben Großfernseher, etwa 1000 Plätze.
    5tes Element, Teggingerstraße 5: Drei Großfernseher (je nach Wetterlage innen oder außen). Innen bis zu 180 Plätze, außen bis zu 120. Alle Spiele.
    Tanke, Haus am See, Karl-Wolf-Straße 23: Verschiedene Fernseher, um die hundert Plätze. Tische buchbar. Wer gebucht hat, muss eine halbe Stunde vor Anpfiff da sein.
     

  • Stockach

    Nellenburger Talstation, Nellenbadstraße 10: Ein Fernseher im vorderen Teil der Wirtschaft, etwa 25 Plätze. In Stockach fällt am Sonntag, 17. Juni, das erste Spiel der Deutschen mit einem Tag des Stadtfests zusammen. Wobei das Spiel (Anpfiff 17 Uhr) schon vorbei ist, wenn zum Festabend um 20 Uhr die Magieshow beginnt.