Die Fraktion der Grünen im Kreistag missbilligt die Stellungnahme des Landratsamts zu den Thurgauer Windkraftplänen. "Wir hätten (. . .) es für notwendig gehalten, wenn in dieser wichtigen Angelegenheit auch das Meinungsbild des Kreisrats eingeholt und abgebildet worden wäre", heißt es in einem von Fraktionssprecherin Anne Overlack gezeichneten offenen Brief.

Bei der Stellungnahme des Landratsamts handele es sich nicht um eine objektive und an belegbaren Sachverhalten orientierte Äußerung. "Es ist vielmehr eine politische Meinung, eine klare Ablehnung der Nutzung von Windenergie im Bodenseeraum", schreibt Overlack.

Es geht um mögliche Windräder auf der Schweizer Seite des Untersees

Der Kanton Thurgau will Standorte für Windkraftanlagen ausweisen, davon auch einige im Bereich des Untersees. In dem Planungsverfahren können bis zum heutigen Mittwoch auch deutsche Interessenvertreter ein Statement abgeben. Das Konstanzer Landratsamt hat in einem am Montag veröffentlichen Papier kritisch Position bezogen.

Vor allem der vom Thurgau vorgesehene Windkraftstandort Salen-Reutenen auf dem Seerücken oberhalb von Steckborn wird von der Kreisbehörde abgelehnt. Windräder in diesem Bereich würden das Landschaftsbild erheblich stören. Mit der möglichen Folge, dass die Insel Reichenau ihren Status als Unesco-Weltkulturerbe verlieren könne.

"Das halten wir fast schon für Zynismus"

Die grüne Kreistagsfraktion kommentiert dies folgendermaßen: "Den sinnvollen Ausbau der Windenergie in der Schweiz allein mit der Begründung der negativen Auswirkungen auf das harmonische Landschaftsbild der Bodenseeregion zu begründen, halten wir fast schon für Zynismus."

Das Konstanzer Rathaus überlegt noch

Unterdessen ist die Position der deutschen Unterseegemeinden gegenüber den Thurgauer Windkraftplänen am exponierten Standort auf dem Seerücken uneinheitlich. Einige Kommunen lehnen die Planungen ab, andere wollten nicht kritisch Position beziehen. Die Stadt Konstanz erarbeitet noch eine Position. Man habe beim Kanton Thurgau um Fristverlängerung für die Abgabe der Stellungnahme gebeten, sagte Stadt-Sprecher Walter Rügert.