Singen bekommt eine neue Rettungswache. Ende des Jahres soll mit dem Bau gegenüber des Singener Klinikums begonnen werden. Dies verkündete der vom Kreisverband des DRK (Deutsches Rotes Kreuz) wiedergewählte Vorsitzende, Landrat a.D. Frank Hämmerle, bei der Hauptversammlung des Verbandes.

Das 3500 Quadratmeter große Grundstück wird vom DRK-Kreisverband in Erbpacht von der Gemeinde Singen angemietet. Das Gebäude soll über eine Nutzfläche von 2000 Quadratmetern mit Garagen für vier Rettungswagen und einen Notarzt-Rettungswagen sowie eine weitere Großraumgarage für zehn Krankentransportwagen verfügen und rund fünf Millionen Euro kosten.

9,6 Millionen Euro in der „Spardose“ des DRK

Der DRK-Kreisverband hat das Geschäftsjahr 2018 mit einem Überschuss von 136 000 Euro abgeschlossen. Sein Vermögen beläuft sich auf 9,6 Millionen Euro. Mit der gut gefüllten Spardose wolle der Verband die große Investition in Singen tätigen, so Schatzmeister Jens Heinert auf der Hauptversammlung im Radolfzeller Milchwerk.

Landrat Zeno Danner lobt Netzwerk

Die Delegiertenversammlung wählte Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler und den ehemaligen Bürgermeister von Steißlingen, Artur Ostermaier, zu stellvertretenden Vorsitzenden. Die Gäste Landrat Zeno Danner sowie der Radolfzeller Oberbürgermeister Martin Staab bedankten sich bei den Delegierten und DRK-Mitgliedern für ihr Engagement. Danner zollte dem gut funktionierenden Netzwerk aus Leitstelle, Rettungsdienst und Gesundheitsverbund sowie den sozialen Einrichtungen des DRK seinen Respekt.

Staab zeigte sich beeindruckt von den Leistungen des Kreisverbandes und wies darauf hin, dass gerade das DRK das Gesamtsystem der Hilfe aufrecht erhalte und den Menschen Lebensqualität gebe. Geschäftsführer Patrik Lauinger sagte: „Unsere Hilfe gibt den Menschen Sicherheit.“ Er bezeichnete das DRK als Deutschlands größtes Security-Unternehmen.

Rettung ist schnell zur Stelle

Im Landkreis Konstanz erreichen in 92 Prozent aller Fälle der Notarzt und der Rettungswagen den Notfallpatienten in der vorgeschriebenen Zeit von 15 Minuten. Damit gehört der DRK-Kreisverband Konstanz zu den fünf bestplatzierten Dienstleistern innerhalb der 34 baden-württembergischen Rettungsdienst-Gebiete.

Das Hinterland von Engen, Stockach und Öhningen auf der Höri sei jedoch in der vorgegebenen Frist schwer zu erreichen, erläuterte Frank Hämmerle im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Ein sogenanntes Rendezvous-System, bei dem Arzt und Rettungswagen getrennt zum Einsatzort fahren, helfe dem Kreisverband die Zeiten zu optimieren, so Patrik Lauinger. Früher konnte er bei Notfällen Hauptberufliche und Ehrenamtliche gemeinsam einsetzen. Das sparte Kosten für das DRK und für die Kostenträger.

Einsatz von Ehrenamtlichen erschwert

Der Rückgang an Ehrenamtlichen sowie neue gesetzliche Vorschriften zwingen den Kreisverband, künftig hauptberufliches Personal mit Tarifverträgen einzustellen. Damit erklärte Lauinger die vom Schatzmeister abgegebene Prognose, dass es immer schwieriger sein werde, ein positives Ergebnis zu erzielen.

Der DRK-Kreisverband könne künftig keine größeren Gewinne erzielen: Der Gesetzgeber schreibe vor, dass der Fahrer ausgebildeter Rettungssanitäter sein müsse und beim Patient ein Sanitäter-Assistent zu sitzen habe. Durch die beruflichen Belastungen könne den Ehrenamtlichen keine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter zugemutet werden.

Hämmerle bleibt für Übergangszeit Vorsitzender

Für den DRK-Kreisverband habe es sich bewährt, dass er engen Kontakt zu politischen Instanzen halte, erklärte Frank Hämmerle. Traditionell wird der Vorsitz des DRK-Kreisverbands deshalb vom amtierenden Landrat übernommen. Am Anfang könne man als Landrat nur begrenzt Ehrenämter ausüben, erzählte Hämmerle aus eigener Erfahrung. Deshalb behalte er in Absprache mit dem neuen Landrat, der erst seit etwa neun Wochen im Amt sei, für eine Übergangsphase den Vorsitz. Scherzhaft wandte Hämmerle sich an Danner: „Das kommt aber auf dich zu und du musst das in deine Karriereplanung einbauen.“

Die Arbeit des Roten Kreuzes in Zahlen

  • Der DRK-Kreisverband Landkreis Konstanz zählte in seinen 16 Ortsverbänden im vergangenen Geschäftsjahr 15 147 Fördermitglieder. Davon engagierten sich 945 Mitglieder aktiv in der Notfallbereitschaft, in Arbeitsgemeinschaften sowie in der Sozialarbeit. Die DRK-Jugendgruppen zählten 968 Mitglieder als Juniorhelfer und Schulsanitäter. Allein im vergangenen Jahr brachten es die ehrenamtlichen Helfer auf 75 846 Einsatzstunden. Bei insgesamt 68 Blutspende-Terminen im Landkreis unterstützten im vergangenen Geschäftsjahr 1732 Helfer mit 13 701 Einsatzstunden das Deutsche Rote Kreuz. In 695 Kursen wurden 8538 Teilnehmer vom Roten Kreuz weitergebildet. 135 Mal rückte das DRK im Katastrophenschutz zu Einsätzen bei Schadenslagen aus. Die Notfallseelsorge des DRK wurde 155 Mal angerufen.
  • Insgesamt 15 976 Einsätze mit dem Rettungswagen zählte der Kreisverband im Vorjahr, 7258 Notarzteinsätze sowie mehr als 30 000 Kranken- und Kliniktransporte. Die 177 im Rettungsdienst beschäftigten Mitarbeiter fuhren 2018 im Landkreis Konstanz rund 1,3 Millionen Kilometer. Der ambulante Pflegedienst betreute mit 21 Pflegefachkräften 269 Patienten. 14 Mitarbeiterinnen halfen im Haushalt mit. Das DRK lieferte an 107 Kunden 12 344 Essen aus. Der Hausnotruf des DRK hatte im vergangenen Jahr 1690 Teilnehmer.