Bahnfahrer, Kommunalpolitiker, Bürgermeister: Alle freuen sich darüber, dass entlang der Seehas-Strecke die Bahnsteige auf eine einheitliche Höhe umgebaut werden. Auf 55 Zentimeter über der Schienen-Oberkante. So ist barrierefreies Einsteigen möglich, denn die Nahverkehrszüge haben exakt diese Höhe. An den ersten Haltepunkten nahe und in Konstanz sind die Arbeiten schon fertig. 9,3 Millionen Euro haben Landkreis und Kommunen investiert. Nun geht’s im Hegau und in Radolfzell weiter. Da flattert eine verstörende Nachricht vom Bundesverkehrsministerium in Berlin herein: Das Haus von Minister Andreas Scheuer (CSU) verkündet, dass alle Bahnsteige, die in Zukunft umgebaut werden, der Barrerefreiheit halber eine einheitliche Höhe haben sollen – 76 Zentimeter.

Diese 76 stehen seit Jahrzehnten in der Eisenbahnbundesordnung (EBO). Die Vorgabe wurde aber nie umgesetzt. Und so bürgerten sich 55 Zentimeterfür den Nah- und 76 für den Fernverkehr ein. Sollte das Ministerium für alles 76 Zentimeter einfordern, hieße das: Weil die Nahverkehrszüge auf 55 Zentimeter gebaut sind, müssten Passagiere künftig vom Zug auf den Bahnsteig herauf- und umgekehrt herunterhüpfen.

Frisch sanierte Bahnsteige sollen unverändert bleiben

Man brauche jetzt keine Angst haben, dass die Seehas-Bahnsteige schon wieder umgebaut werden müssen, beruhigt Ralf Bendl, im Landratsamt Nahverkehrs-Amtsleiter. Auch das Ministerium wiegelt ab: „Regionale Besonderheiten sollen berücksichtigt werden“, schreibt die Pressestelle auf Anfrage. Und: „Kein bestehender Bahnsteig soll vor Ende seiner Nutzungsdauer abgerissen werden.“ Klingt nach guten Voraussetzungen für einen Kompromiss, wie ihn das Landratsamt vorschlägt: 55 Zentimeter für kleinere Haltepunkte, 76 Zentimeter für Fernverkehrs-Bahnsteige in Bahnhöfen. Bendl: „Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent kommt der Kompromiss.“ Landrat Frank Hämmerle hat nun den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung gebeten, sich dafür einzusetzen.