Kreis Konstanz Bahnsteig-Sanierungen an Seehas-Strecke: Im Landkreis-Westen wird es fast ein Jahr später

Eigentlich wollte die Deutsche Bahn ab Frühjahr 2018 auch in Böhringen-Rickelshausen, Mühlhausen, Welschingen-Neuhausen und Engen die Bahnsteige höher legen, vor allem zugunsten von Senioren und Eltern mit Kinderwagen. Doch jetzt soll es erst Ende 2018 losgehen. Das erzürnt Bürgermeister.

Die Seehas-Haltepunkte zwischen Radolfzell-Böhringen und Engen sollen erst ab Ende 2018 saniert werden. Die Planung war vorher eine andere, nämlich dass die Deutsche Bahn (DB) die Bahnsteige bereits Anfang des nächsten Jahres erneuert. Der derzeit laufende erste Bauabschnitt betrifft die Seehas-Haltepunkte Wollmatingen, Reichenau, Hegne, Allensbach und Markelfingen. Der zweite Abschnitt geht in Richtung Westen und betrifft die Haltepunkte Böhringen-Rickelshausen, Mühlhausen, Welschingen-Neuhausen und Engen – und an all diesen Orten müssen die Fahrgäste nun fast ein Jahr länger auf die Umbauten warten. Und das heißt: Senioren und Eltern mit Kinderwagen müssen nun noch länger eine große Stufe zwischen Bahnsteig und Zugwagen überwinden. 

Die Bahnsteige am Haltepunkt Böhringen-Rickelshausen sind extrem niedrig. Der Ein- und Ausstieg der Waggons ist hingegen sehr hoch. Die Deutsche Bahn hat, anders als vorher geplant, verlauten lassen: Sie saniert den Bahnsteig erst Ende 2018. <em>Bild: Gerald Jarausch</em>
Die Bahnsteige am Haltepunkt Böhringen-Rickelshausen sind extrem niedrig. Der Ein- und Ausstieg der Waggons ist hingegen sehr hoch. Die Deutsche Bahn hat, anders als vorher geplant, verlauten lassen: Sie saniert den Bahnsteig erst Ende 2018. Bild: Gerald Jarausch

Der Bürgermeister von Mühlhausen-Ehingen, Hans-Peter Lehmann, erhebt schwere Vorwürfe: „Obwohl die DB seit Oktober 2016 davon weiß, dass sich die Planung verschiebt, hat sie uns darüber nicht informiert.“ Mit „uns“ meine er die beteiligten Städte und Gemeinden. Er sei im regelmäßigen Kontakt mit den Verantwortlichen bei der Bahn. Im Oktober diesen Jahres habe er wieder angerufen. „Ich bekam die Information, dass eine reine Plangenehmigung für die Sanierung der Bahnsteige nicht klappen würde. Mir wurde mitgeteilt, dass es nur durch ein Planfeststellungsverfahren gehen würde“, erzählt er von seinem Telefongespräch. 

Laut Lehmann und dem Bürgermeister der Stadt Engen, Johannes Moser, soll ein Grund für die Verzögerung der Bauarbeiten ein Planfeststellungverfahren sein, in dem es vor allem um Lärmbelastungen geht. Das Verfahren liege seit Spätherbst 2016 beim Regierungspräsidium in Freiburg vor. Laut Moser ist in Allensbach ein solches Verfahren nicht vorgenommen worden. Die komplette Maßnahme ist seit dem Jahr 2012 durchfinanziert und müsse bis 2018 abgerechnet sein. Dies sei bei dem erneut verschobenen Bautermin kaum realisierbar. Auch könnte das Planfeststellungverfahren die Sanierung um unbestimmte Zeit verzögern und verteuern, so Moser.

„Seit einem Jahr lässt uns die Deutsche Bahn in dem Glauben, dass im Frühjahr 2018 die Bauarbeiten an den Bahnsteigen beginnen“, sagt Hans-Peter Lehmann. Sein Hauptkritikpunkt: Die DB gehe nicht offen mit solch wichtigen Informationen um. „Wenn so ein Paradigmenwechsel, wie eben eine Zeitverzögerung, eintritt, dann fände ich es gut, wenn die Gemeinden sofort darüber informiert werden“, fordert Lehmann. Für ihn sei es ein Vertrauensbruch. Er frage sich, ob man so mit seinen Vertragspartnern umgeht. Außerdem ärgere ihn dies: „Die Deutsche Bahn wechselt ebenso ihr Planungsbüro aus, ohne die Kommunen zu benachrichtigen. Ich mag darüber im Vorfeld gern informiert werden.“ Die Leidtragenden einer Verzögerung bei den Bauarbeiten sind die Reisenden und Fahrgäste: „Der Höhenunterschied beim Einstieg in den Seehas ist enorm. Für Senioren ist es schwierig und für Mütter mit Kinderwagen erst recht“, sagt er. Als direkte Folge aus den Ereignissen hätten alle Beteiligten die DB aufgefordert, einen festen Bauzeitenplan vorzulegen, so Lehmann. Senioren und Eltern mit Kinderwagen jedenfalls müssen nun noch mehrere Monate länger mit der großen Stufe klarkommen.

Die Deutsche Bahn gibt zu den Vorwürfen keine dezidierte Stellungsnahme ab. Auf die Vorwürfe angesprochen, antwortet ein Bahnsprecher lediglich: „Für die Sanierung der Seehas-Bahnsteige Böhringen-Rickelshausen, Mühlhausen und Welschingen-Neuhausen ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig.“ Da dies noch nicht abgeschlossen sei, beginne die Sanierung voraussichtlich im Herbst 2018. Das werde sich auf die Projektkosten auswirken, so der Bahnsprecher.

Umbau und Sanierung der Haltepunkte waren von langer Hand geplant. Die Arbeiten sollen den Passagieren das Leben leichter machen: Nach Angaben der Bahn werden an allen Stationen die Bahnsteige jeweils auf einer Länge von 150 Metern auf die Höhe von 55 Zentimetern – gemessen ab Schienenoberkante – gebaut. Am Ende sollen alle Komponenten zusammenpassen, sodass ausfahrbare Trittbretter genutzt werden können. In den Seehas-Waggons sind diese bereits vorhanden. Darüber hinaus erhalten alle Haltepunkte erfühlbare Blindenleitsysteme und stufenfreie Zugänge. Zudem geht es um neue Beleuchtung, Wetterschutz, Sitzgelegenheiten und neue LED-Anzeigen für An- und Abfahrtszeiten.

So läuft das Verfahren ab

Ein Planfeststellungsverfahren ist ein Genehmigungsverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit, das heißt: Die Planung über das Projekt soll für die Bürger transparent gestaltet sein. Falls die Bürger es wünschen, folgen dabei auch Erörterungstermine. Bedenken werden von der Verwaltung gesammelt und wieder zurück an das Regierungspräsidium geschickt. Dort angekommen, befassen sich die Verantwortlichen erneut mit der Thematik. Ein solches Verfahren wird unter anderem bei Flughäfen und Eisenbahntrassen vorgenommen. (set)

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