Endlich Wochenende, viele Menschen dürfen ausschlafen. Nicht aber die Bäcker und ihre Angestellten. In den Verkaufsräumen bilden sich zeitweise lange Schlangen, bis jeder Kunde seine Brezeln, Brötchen und Sonstiges hat. Tüten einpacken, zahlen, Frühstücken gehen. Diese Prozedur könnte sich ab dem 1. Januar etwas hinziehen und die Schlange vor dem Tresen verlängern. Denn an Neujahr beginnt die gesetzliche Belegausgabepflicht. Sie besagt, dass Nutzer elektronischer Registrierkassen und ähnlicher Geräte Belege an die Kunden ausgeben müssen, auf Papier oder elektronisch.

Diese Regelung versetzt die Bäcker in Rage. Sie befürchten laut einer Mitteilung der Handwerkskammer Konstanz, dass für jeden noch so kleinen Einkauf ein Beleg ausgegeben werden muss. Allerdings könnte die folgende Aussage des Bundesfinanzministeriums die Gemüter beruhigen: „Eine Ausnahme von der Einzelaufzeichnungspflicht besteht aus Zumutbarkeitsgründen bei Verkauf von Waren an eine Vielzahl von nicht bekannten Personen gegen Barzahlung.“ Die Formulierung klingt, als ob sie eigens für Bäckereien und ihre Filialen geschaffen wurde. Aber, so beklagt die Handwerkskammer: Die Ausnahmeregelungen würden vom Finanzministerium zu streng ausgelegt, sodass bislang kein Handwerksbäcker eine Befreiung erhalten habe.

Kammerpräsident Gotthard Reiner hält Regelung für absurd

Allein 150 Bäckerbetriebe plus Filialen gibt es laut der Mitteilung im Konstanzer Kammerbezirk. Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner fordert, Bäckerbetriebe mit Kassen, die den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, von der Belegausgabepflicht auszunehmen: „Für jede Brezel einen Bon ausgeben zu müssen, ist einfach absurd. Kaum ein Kunde braucht das und es ist auch nicht im Sinne der Nachhaltigkeit“, so Reiner.

Obermeister Daniel Link rechnet Papierverbrauch aus

Zu diesem Aspekt hat Daniel Link, Obermeister der Bäcker-Innung Tuttlingen-Rottweil, ein Rechenexempel aufgestellt. Er führt einen Bäckereibetrieb mit fünf Verkaufsstellen. Mit einer vorsichtigen Schätzung von durchschnittlich zehn Zentimeter je Bon ergebe dies nur für seine Bäckerei eine jährliche Gesamtlänge von rund 85,314 Kilometer an ausgegebenem Papier. Das Handwerk diskutiere über die Reduzierung von Lebensmittel-Abfällen, die Reduktion von Coffee-to-go-Bechern und achte auf regionale Wertschöpfungsketten.

Was Link nicht versteht: „Auf der anderen Seite werden wir nun gezwungen, Müllberge aus beschichtetem Papier zu produzieren. Das ist nicht nachvollziehbar und in Zeiten von Fridays for future nicht zeitgemäß.“ Daniel Link und seine Innungs-Kollegen mahnen: „Man muss sich wirklich mal überlegen, wieviel Müll und Bürokratie zukünftig eine Brezel verursacht, die innerhalb weniger Minuten aufgegessen wird.“