Während der Wasserstand des Bodensees sich in kleinen Schritten auf den historischen jahreszeitlichen Tiefststand von 3,09 Meter (Pegel Konstanz am Donnerstag 3,32 Meter) zubewegt, sorgen sich Umweltbehörden, Fischereivertreter und Wissenschaftler um den Zustand der Bäche und Flüsschen in der Region. Die kleinen Fließgewässer führen aufgrund von anhaltender Hitze und Niederschlagsmangel zunehmend weniger Wasser. Zum Teil sind sie auch bereits komplett ausgetrocknet. Das Landratsamt in Friedrichshafen hat deshalb am Montag ein generelles Verbot der Wasserentnahme aus Oberflächengewässern im Bodenseekreis angeordnet. Landwirte, die bisher Bäche angezapft haben, um Obst- oder Gemüsekulturen zu bewässern, dürfen dies nun nicht mehr. Der Landkreis Konstanz hatte in der Vorwoche die Wasserentnahme zunächst eingeschränkt. Ab dem heutigen Freitag soll ein ebenso striktes Verbot gelten wie im Bodenseekreis.

Die Fische leiden

Bei der Entscheidung des Umweltdezernats im Konstanzer Landratsamt spielt die Einschätzung von Friedhelm Glönkler eine wichtige Rolle. Der Fischereiaufseher warnt vor dramatischen Folgen von Hitze und Wassermangel. "Wir müssen von Stunde zu Stunde mit einem größeren Fischsterben rechnen, deshalb ist das Wasserentnahmeverbot wichtig", sagt Glönkler. Ob Fließgewässer sicherheitshalber abgefischt werden, ist nach Angaben Glönklers Sache der Fischereipächter. Doch im Falle einer solchen Entscheidung stelle sich wieder die Frage: Wohin mit den Fischen? Letztlich sei die Entwicklung akut nur schwer beeinflussbar. "Helfen kann nur ein Wetterwechsel", sagt der Fischereiaufseher.

Niedriger Wasserstand, wenig Strömung, trockene Uferbereiche: der Grenzbach in Konstanz. | Bild: Almut Gerhardt

Das stille Sterben

Doch nicht nur der Fisch ist in Flüssen, Bächen und Weihern in Gefahr. Die Gewässerbiologin und Umwelttoxikologin Almut Gerhardt, die in Konstanz ein Forschungslabor für den Bereich Gewässerqualität betreibt (LimCo International), spricht von einer alarmierenden Situation für zahlreiche kleine Wassertiere und Organismen, die in und an Fließgewässern leben: Bachkrebse, Muscheln, Schnecken, Würmer, Insekten. Gerade der Bachkrebs hat nach Auskunft von Gerhardt eine Schlüsselrolle im Gewässersystem, weil er Pflanzenmaterial zersetzt. Wenn ein Bach langsam austrocknet, wandern Krebse und andere Organismen in die Tiefe ab. Ist das Sediment noch wasserdurchtränkt, bestehen Überlebensmöglichkeiten für eine gewisse Zeit. Als Gerhardt dieser Tage den Adelheider Bach beim Kloster Hegne inspizierte, stellte sie fest, dass in dem Bachbett über mehrere Kilometer Strecke kein Wasser mehr fließt. Auch der Untergrund ist ausgetrocknet, wie ein Test mit der Grabschaufel zeigte. Von Krebsen keine Spur mehr. Mit Blick auf die sonst anzutreffenden Gewässerbewohner spricht die Biologin von einem stillen Sterben. "Wir müssen davon ausgehen, dass es hier an den ausgetrockneten Stellen für Kleinkrebse keine Überlebensmöglichkeit mehr gibt." Noch nicht ganz so schlimm ist die Situation im ebenfalls untersuchten Grenzbach in Konstanz. Hier fließt immerhin noch eine kleine Restmenge an Wasser. Aber es ist nur ein kleiner Teil des sonstigen Durchflusses.