Weißer Staub bedeckt den Boden. An einer Innenwand lehnen mannshohe Rahmen. Davor stehen Pappkisten mit allerlei Material, Plastikeimer mit Spachtelmasse. Zwei Säulen stützen die Decke ab. Wer nicht auf Metallschienen treten will, muss große Schritte machen. Und wer aus den offenen Fensteröffnungen schaut, blickt auf Teile des Fassadengerüsts. Noch braucht es Fantasie, sich vorzustellen, wie es hier aussieht, wenn alles fertig ist. Lisa Bammel, Wolfgang Heintschel und Christian Grams benötigen dafür keine besondere Vorstellungskraft. Sie wissen, was kommt. Es ist ein Stück weit ihre Baustelle. Die beiden Männer sind Geschäftsführer von Horizont, der gemeinnützigen Gesellschaft, die das ökumenische Hospiz- und Palliativzentrum errichtet und die es auch betreiben wird. Die Frau ist bei Horizont für die Öffentlichkeitsarbeit und das Einwerben von Unterstützungsgeldern zuständig. Die Baustelle liegt in der Hegaustraße in Singen, ein zentraler Ort in der Stadt.

Das Sterben aus der Tabuzone holen

„Hier kommt das Café hin“, sagt Lisa Bammel und blickt in den Raum, der die gesamte Grundfläche des markanten Altbaus ausfüllt. Das sogenannte Grüne Haus wird saniert. Es ist Bestandteil des neuen stationären Hospiz, das für die Bevölkerung im Landkreis Konstanz eingerichtet wird. Das Café soll ein Treffpunkt sein, für die da draußen und die da drinnen. Das Grüne Haus ist durch eine gläserne Fuge mit dem Neubau verbunden, der sich nach hinten in L-Form anschließt. „Wir müssen das Sterben aus der Tabuzone holen“, sagt Wolfgang Heintschel. Deshalb ist das Hospiz wichtig. Das Horizont-Team hat sich vor dem Start des Projekts andere Hospiz-Einrichtungen in Deutschland angeschaut, die besten Ideen sollten in das Projekt einfließen. Das Haus in Singen soll einen familiären Charakter haben. „Das stationäre Hospiz möchte es schwerkranken Menschen ermöglichen, die letzte Lebensphase in Würde und Geborgenheit zu verbringen“, schreibt Horizont. Geschäftsführer Christian Grams unterstreicht, dass das Hospiz für alle offen steht: „Alle Kulturen sollen eingebunden werden.“

Innenausbau schreitet voran

Rund 240 stationäre Hospize gibt es in Deutschland. Das Hospiz- und Palliativzentrum für den Landkreis Konstanz mit seinen 280 000 Einwohnern soll ein landesweit einzigartiges Zentrum für die Themen Sterben, Tod und Trauer werden. Bei der Ortsbesichtigung informieren Lisa Bammel, Wolfgang Heintschel und Christian Grams über den Stand der Dinge. Der Innenausbau schreitet voran. In den neun Gästezimmern für sterbenskranke Menschen, im Bürobereich für das professionelle Betreuungsteam und im Veranstaltungsbereich, der auch für die interessierte Öffentlichkeit geöffnet werden soll. Berührungsängste abbauen, lautet die Devise. Das Hospiz bietet aber auch Rückzugsmöglichkeiten, zum Beispiel einen Raum der Stille. Besonders stolz sind die Bauherren auf ein Angebot, dass im Außenbereich eingerichtet wird: der interkulturelle Trauerort. Dahinter steht die Erfahrung, dass Migranten, aber auch Einheimische oft keine Gelegenheit haben, die Gräber verstorbener Angehöriger und Freunde zu besuchen, um dort zu trauern. Bei der Gestaltung reden Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen mit. Auch an diesem Platz zeigt sich, dass zum Leben der Tod dazugehört.