Armenien-Ausstellung: Landratsamt Konstanz bekommt Kritik von zwei Seiten

Das Konstanzer Landratsamt zeigt eine Ausstellung zum Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich – und bekommt mächtig Gegenwind. Erst stieß die Schau auf Kritik türkischer Interessenvertreter. Und nun moniert der armenische Botschafter die personelle Besetzung einer Podiumsdiskussion am 16. Februar.

Konstanz – Die Entscheidung des Konstanzer Landratsamts, eine Wanderausstellung zu zeigen, die den Völkermord an den Armeniern zur Zeit des Osmanischen Reichs thematisiert, hatte Vertreter türkischer Gemeinschaften zu kritischen Reaktionen veranlasst. So sprach der türkische Generalkonsul in Karlsruhe, Cem Örnekol, in einem Brief an Landrat Hämmerle davon, die türkische Gemeinschaft müsse eine solche "mit Vorurteilen überladene Ausstellung" als Demütigung empfinden. Das Schreiben des Generalkonsuls ist auf Initiative des Landrats in der Ausstellung zu sehen. Nun ist für Donnerstag, 16. Februar, begleitend zur Ausstellung ein Podiumsgespräch angesetzt, bei dem sachkundige Teilnehmer der Frage nachgehen wollen: "Genozid an den Armeniern – darf man das sagen?" Und auch vor dieser Veranstaltung gibt es Kritik an den Veranstaltern, die nun allerdings von armenischer Seite kommt.

Diesmal hat der Botschafter der Republik Armenien in Berlin, Ashot Smbatyan, beim Konstanzer Landrat interveniert. Smbatyan kritisiert, dass an der Podiumsdiskussion auch "eine Person" teilnehmen solle, die vom türkischen Generalkonsul benannt worden sei. Er habe die Sorge, so der Botschafter, dass diese Person, "deren Anhängerschaft im nationalistischen Milieu zu verorten sein soll, wie so oft bei Diskussionen zu diesem Thema wieder mit seinen alternativen Fakten aufwarten wird". Andere deutsche Institutionen hätten daraus ihre Konsequenzen gezogen, so der Botschafter. Er legt damit indirekt nahe, den türkischen Interessenvertreter wieder auszuladen. Smbatyan kritisiert zudem das Motto der Podiumsdiskussion.

Die Fragestellung ". . . darf man das sagen?" erwecke den fatalen Eindruck, "in Konstanz könne man über die Vorgänge von 1915 neu verhandeln". Das Schreiben des Botschafters soll nun, wie von diesem ausdrücklich gewünscht, den Ausstellungsbesuchern zugänglich gemacht werden.

An der Zusammensetzung der Teilnehmerrunde bei der Podiumsdiskussion am Donnerstag werde sich indes auch nach der Intervention des armenischen Botschafters nichts ändern, ausgeladen werde niemand, sagte Veranstaltungsorganisator Wolfgang Kramer. Somit wird Ali Söylemezoglu (Verein Dialog für Frieden) auf Vorschlag des türkischen Generalkonsuls die türkische Sicht der Dinge erläutern. Weitere Teilnehmer sind Aleida Assmann (Uni Konstanz), Forscherin zum Thema Erinnerungskultur, Raffi Kantian, der Vorsitzende der Deutsch-Armenischen Gesellschaft, und die Genozid-Forscherin Seyhan Bayraktar (Uni Basel). Moderator der Veranstaltung ist Dieter Löffler, Leiter des Ressorts Politik beim SÜDKURIER.

Die Podiumsdiskussion: Donnerstag, 16. Februar, Beginn 19 Uhr, Landratsamt Konstanz (Benediktinerplatz 1). Eintritt ist frei.

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