Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem breit angelegten Aufschwung. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt. Gute Zahlen charakterisieren auch den Jahresbericht 2017 der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg und damit die Entwicklung in den drei Landkreisen Konstanz, Ravensburg und Bodenseekreis. Doch das ist nur die eine Seite des Berichts. Die andere Seite stellt die Herausforderungen des neuen Jahres in den Mittelpunkt: die rasche Digitalisierung der Arbeitswelt, die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit.

"Künftig wird es immer wichtiger werden, sowohl Arbeitslose wie auch Beschäftigte fit zu machen für die Arbeitswelt der Zukunft. Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt wird sich in vielen Bereichen immer deutlicher bemerkbar machen. Darauf müssen sich Unternehmen ebenso einstellen wie Arbeitnehmer." Dieser schriftliche Appell der Arbeitsagentur-Chefin Jutta Driesch lässt sich konkretisieren. So hat die Agentur für Arbeit im vergangenen Jahr in einem zehnteiligen Fortbildungsprogramm das eigene Personal in Sachen Digitalisierung schulen lassen. Fallmanager der Agentur informierten sich an der Hochschule Konstanz über autonomes Fahren und an den beruflichen Schulen über die Lernfabrik der Zukunft. Wer Arbeitslosen Zukunftspfade aufzeigen will, sollte zuerst selbst Bescheid wissen, auch über die zwölf Apps für Smartphones, die die Bundesagentur für Arbeit anbietet.


 

 

 


An Geldmangel scheitert die Weiterbildung übrigens nicht. So können kleine und mittlere Unternehmen für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter Zuschüsse bei der Arbeitsagentur beantragen. Doch in den vergangenen Jahren wurde der 20 Millionen Euro-Etat des Programms mit Namen Wegebau maximal zu 70 Prozent ausgeschöpft. Agentursprecher Walter Nägele macht den Firmen Mut. "Die Gelder gehen da nicht aus", sagt er. Das gelte auch für die Eingliederungshilfe für Arbeitslose: "Der Topf ist richtig gut gefüllt." Wichtiger ist Nägele aber die Sachargumentation. Je besser die Qualifikation eines Beschäftigten, desto geringer sei das Risiko den Job zu verlieren.


 

 

Arbeitsagentur-Geschäftsführerin Driesch betont im Ausblick auf 2018, dass der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit und die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt wichtige Themen bleiben. Sie ist zuversichtlich, dass Fortschritte erzielt werden können.


 

 

Stärken und Schwächen des Arbeitsmarkts

So sieht die Bilanz der Agentur für Arbeit für 2017 aus. Zum Agenturbezirk zählen die Landkreise am Bodensee: Dies sind Konstanz, Ravensburg und der Bodenseekreis.

  • Weniger Arbeitslose: Im Jahresdurchschnitt 2017 waren 13 175 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das sind 551 Personen weniger als 2016. Die Arbeitslosenquote wurde dadurch um 0,2 Prozentpunkte auf 3 Prozent gedrückt. Damit liegt der Bodenseeraum deutlich unter dem Landesdurchschnitt (3,5 Prozent) und unter der bundesweiten Arbeitslosenquote (5,7 Prozent). Im Arbeitsagenturbezirk am Bodensee weist der Landkreis Konstanz die schlechteste Arbeitsmarktbilanz aus (5358 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt 2017, Quote 3,4 Prozent). Bodenseekreis und Kreis Ravensburg stehen besser da (Quote 2,8 Prozent). Die Arbeitsagentur weist auf die Dynamik des Arbeitsmarkts hin: 2017 haben sich rund 47 500 Personen arbeitslos gemeldet, zugleich haben sich 48 400 Frauen und Männer aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet.
  • Mehr offene Stellen: Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist beträchtlich und kann nicht gedeckt werden. Nach Angaben der Arbeitsagentur informierten Unternehmen und Verwaltungen 2017 über 26 528 neue, offene Stellen. Das sind rund 900 Angebote mehr als 2016. Im Agenturgebiet waren 2017 im Jahresdurchschnitt rund 7400 unbesetzte Stellen gemeldet.
  • Weniger Langzeitarbeitslose: 2017 waren nach Angaben der Arbeitsagentur 3189 Menschen als langzeitarbeitslos registriert. Das sind 299 weniger als im Vorjahr (minus 8,6 Prozent). Oft seien Betroffene vor große persönliche und existenzielle Probleme gestellt, heißt es im Jahresbericht. Statt schlichter Vermittlung müsse ein Netzwerk Lebenshilfe bieten, um die Menschen in einen Job vermitteln zu können.
  • Integration von Asylbewerbern: Gute Sprachkenntnisse sind wichtig für Migranten, die beruflich Fuß fassen wollen. 2017 haben 312 Flüchtlinge mit Unterstützung der Arbeitsagentur eine Arbeit aufgenommen, 197 eine Ausbildung. 500 Flüchtlinge befinden sich in Qualifizierungsmaßnahmen.