Hundebesitzer kennen solche Situationen auf Spaziergängen, wenn ein anderer Hund näher kommt. Beim ersten Beschnüffeln deuten angehobener Schwanz sowie aufgestellter Kamm auf dem Rücken eine gewisse Abwehrhaltung. Jetzt genügt eine Kleinigkeit und aus der anfänglichen Skepsis wird im Nu eine bissfeste Auseinandersetzung. "Wenn sich angeleinte Hunde begegnen und die Leinen wie im beschriebenen Fall fest gespannt sind, bedeutet das für die Hunde einen immensen Stress", erklärt Carolin Hoffmann, zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltenstherapeutin. "Als Hundehalter muss ich lernen, die Körpersprache des Hundes richtig zu deuten."

Carolin Hoffmann, zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltenstherapeutin, mit ihrem Kurt. Sie verstehen sich perfekt.
Carolin Hoffmann, zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltenstherapeutin, mit ihrem Kurt. Sie verstehen sich perfekt. | Bild: Schuler, Andreas

Einer der häufigsten Gründe, warum Hundebesitzer für eine Beratung bei Hundetrainern anfragen, ist die Leinenaggression gegenüber anderen Hunden. Hinter jedem Verhalten steht eine Emotion. Wenn ein Hund an der Leine aggressiv wird, hat er Angst oder er ist frustriert. "Wenn der Hund Angst hat, möchte er den anderen auf Distanz halten durch Verbellen oder Schnappen und Beißen", berichtet Carolin Hoffmann. "Im zweiten Fall möchte er gerne eine Distanzverringerung erreichen, er möchte gerne zum anderen Hund hin, mal Hallo sagen, die Leine aber hindert ihn daran." Im Übrigen sei dies auch der Grund, warum es so häufig ohne Leine keine Probleme gibt: Kann der Hund die Distanz selber wählen, entstehen keine Konflikte.

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Vor ein paar Monaten noch undenkbar, heute ein schöner Moment: Kerstin Eggstein mit ihrem Kiko (links) treffen auf Carolin Hoffmann und Kurt – ohne Stress und Knurren.
Vor ein paar Monaten noch undenkbar, heute ein schöner Moment: Kerstin Eggstein mit ihrem Kiko (links) treffen auf Carolin Hoffmann und Kurt – ohne Stress und Knurren. | Bild: Schuler, Andreas

Bis es zu dem Verhalten „Leinenaggression“ kommt, hat der Hund bereits einige schlechte Erfahrungen gemacht. Lernt er dann, dass sein Verhalten erfolgsversprechend ist, wird es es nicht ändern. Kerstin Eggstein weiß genau, von was die Hundetrainerin spricht. Spaziergänge mit ihrem Kiko waren ein wahrer Albtraum. Es kam regelmäßig zu aggressiven Auseinandersetzungen. "Wir sind dann nur noch dort lang gegangen, wo wir mit Sicherheit keinen anderen Hunden begegnen würden", erzählt das Frauchen. An diesem Tag steht sie mit Kiko am Waldrand von Hegne, ein paar Meter daneben Carolin Hoffmann mit ihrem Kurt. Und es passiert – nichts. "Mir war bewusst, dass ich als Hundebesitzerin vieles falsch gemacht habe, wenn Kiko aggressiv wurde", so Kerstin Eggstein. "Wir haben mit dezenter Gewalt versucht, den Hund zu bändigen. Nichts halt geholfen."

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Genau an diesem Punkt kam die professionelle Hilfe ins Spiel. "Menschen sagen dann gerne: Ich muss dem Hund zeigen, wer der Chef ist und schlagen dann zu oder spritzen dem Tier Wasser ins Gesicht. So etwas lehnen wir strikt ab." In ihren Augen und nach ihrer langjährigen Erfahrung gibt es in solchen Fällen nur eine Möglichkeit: Durch klassische Gegenkonditionierung und systematische Desensibilisierung kann die Leinenaggression therapiert werden. "Das heißt, über positives Training wird versucht, all die schlechten Erfahrungen durch gute aufzuwiegen, so dass die Emotion Angst oder Frust in eine positive, entspannte Grundhaltung verwandelt wird", sagt Carolin Hoffmann.

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Jede Form des aversiven Einwirkens wie Herunterdrücken, Blockieren oder mit Gegenständen Bewerfen würde das Problem nur verschlimmern, "da die zugrunde liegende negative Emotion über Druck, Ängstigung, Hemmung, Bedrohung und körperliche Zurechtweisungen intensiviert wird. Das Verhalten mag kurzfristig gedeckelt werden. Aber darunter wird es weiterkochen. Zum geeigneten oder auch ungeeigneten Zeitpunkt wird das alte Verhalten, dann meist massiver, wieder auftreten. Es sei denn, der Hund wurde so traumatisiert, dass er sich gar nicht mehr traut, irgendetwas zu tun."

Kurt.
Kurt. | Bild: Schuler, Andreas

Mit aller Deutlichkeit distanziert sie sich von den Methoden des Cesar Millan. Der amerikanische Hundeflüsterer hat diverse TV-Shows und tritt weltweit mit seinen Dressurveranstaltungen auf. Carolin Hoffmann zeigt Flagge und veröffentlich auf ihrer Homepage diese Stellungnahme: "Er ist ein Tierquäler, der veraltete, gefährliche Methoden anwendet, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlagen entbehren. Seine Rudelführertheorie ist absurd und längst widerlegt, es ist lange bekannt, dass Hunde keine hierarchisch strukturierten Rudel bilden – und schon gar nicht mit Menschen ... Herr Millan resozialisiert nicht, er bricht gewaltsam ihren Willen: Er fügt Schmerzen und Angst zu über Tritte, Kniffe in die Genitalien, Schläge, Strom, Würgen bis zur Panik, bedrohlicher, ängstigender Körpersprache und vieles mehr – mit dem Effekt, die Hunde in die erlernte Hilflosigkeit zu führen oder sie zu unberechenbaren Zeitbomben zu machen. Viele von ihm "therapierte" Hunde mussten im Nachgang eingeschläfert werden, weil sie für ihre Besitzer und die Umwelt noch weniger tragbar waren als zuvor. Auf dem Rücken der Tiere werden Menschen in die Irre geleitet – ein unsäglicher Zustand, den es endlich zu beenden gilt. Und nein, um einem der Hauptargumente der Millan-Fans zuvorzukommen: Ich bin nicht neidisch. Ich gönne von Herzen jedem seinen Erfolg und Reichtum. Wenn der Weg dahin nicht mit Leichen gepflastert ist!"

Kiko.
Kiko. | Bild: Schuler, Andreas

Seitdem Kerstin Eggstein mit Kiko bei Carolin Hoffmann und Kurt trainiert, hat sie das Problem im Griff – weil Frauchen weiß, wie Kiko denkt und wie sie seine Körpersprache deuten muss. Zur Belohnung gibt's ein Leckerli. "Es gibt Kritiker, die uns das vorwerfen", so Carolin Hoffmann. "Wie kann es schlecht sein, dem Hund eine Belohnung für sein Verhalten zu geben? Dadurch lernt er, dass er etwas gutes gemacht hat und wiederholt dies, bis es zum Automatismus wird." Bei Kindern sie dies ähnlich. "Mein Credo ist das Arbeiten mit dem Hund statt gegen ihn und die Kooperation zwischen Mensch und Hund, in der der Hund mit Spaß und ohne Zwang lernt, sich in die menschliche Gesellschaft zu integrieren und den Anforderungen gerecht zu werden – auf artgerechte und bedürfnisorientierte Weise für ein auf Vertrauen basierendes, harmonisches Miteinander." Ute Blaschke-Berthold, Hunde-Trainerin und Verhaltenstherapeutin, hat diesen Satz geprägt: "Wer sagt, dass zuverlässiges Verhalten bei diesem oder jenem Hund nicht ohne Strafe erreichbar ist, sagt nichts über den Hund aus, sondern beschreibt seine eigenen Fähigkeiten."

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Hundesteuer, Hundekot und Leinenpflicht: Das gilt im Landkreis

Das tägliche Leben mit Hunden ist auch im Landkreis Konstanz reglementiert. Das Landratsamt veröffentlicht die Regeln. In einigen Aspekten wie zum Beispiel Leinenpflicht sind die Gemeinden aufgerufen, eigene Regeln aufzusetellen und zu kommunizieren.

  • Hundesteuer: Wer einen Hund hält, muss diesen anmelden und Hundesteuer bezahlen. Die Hundesteuer ist eine Gemeindesteuer. Jede Gemeinde kann dafür eigene Regelungen festlegen. Daher können die Voraussetzungen und die Höhe der Steuer von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein. Zuständig dafür ist die Gemeinde- oder Stadtverwaltung des Hauptwohnsitzes des Hundehalters. Der Hund muss innerhalb eines Monats ab dem Tag anmelden, seit dem er beim Halter eingezogen ist. Die zuständige kann die Frist jedoch verlängern. Wird der Hund nicht angemeldet, begeht der Halter eine Ordnungswidrigkeit. Leinenzwang, Hundekotbeseitigung und verbotenen Orten wie beispielsweise Metzgereien werden ebenfalls direkt von den Gemeinden geregelt.
  • Kampfhund: Für die Haltung eines Kampfhundes, der älter als sechs Monate ist, benötigen man eine Erlaubnis. Kampfhunde sind Hunde, bei denen von einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren auszugehen ist. Bei Hunden der Rassen und Gruppen „American Staffordshire Terrier“, „Bullterrier“ und „Pit Bull Terrier“ sowie deren Kreuzungen untereinander wird die Kampfhundeeigenschaft vermutet. Diese Einordnung richtet sich nach der Kampfhundeverordnung. Hunde anderer Rassen gelten erst dann als Kampfhunde, wenn die Kampfhundeeigenschaft durch die Ortspolizeibehörde festgestellt wurde. Die Kampfhundeverordnung soll die Bevölkerung vor den Gefahren schützen, die von Kampfhunden ausgehen können. Deshalb ist die Haltung von Kampfhunden nur mit behördlicher Erlaubnis zulässig.
  • Aus dem Ausland: In zunehmendem Maße werden Hunde nach Deutschland eingeführt und vermittelt. Das Landratsamt Konstanz warnt, wie Sprecher Benedikt Graf schreibt: Sie dürfen frühestens im Alter von 15 Wochen von anderen Mitgliedsländern nach Deutschland verbracht werden. Das Risiko der Einschleppung ansteckender Krankheiten wie Staupe, Parvovirose und Parasitosen durch ungenügend oder gar nicht immunisierte Hunde aus Ländern, in denen diese Erkrankungen weit verbreitet sind, darf nicht unterschätzt werden. Das Landratsamt empfiehlt dringend, sich vor dem Kauf eines Hundes persönlich einen Eindruck von der Aufzucht und der Haltung der zu vermittelnden Tiere zu verschaffen und nur Tiere mit einer nachvollziehbarer Herkunftsgeschichte zu erwerben. Wenn in Deutschland einen Hund aus einem anderen Mitgliedsstaat zum Kauf angeboten wird, muss dieser Hund beim innergemeinschaftlichen Verbringen immer von einem TRACES Zeugnis (Bescheinigung für den innergemeinschaftlichen Handel) begleitet werden. Sie brauchen immer einen Europäischen Heimtierausweis, eine gültige Tollwutimpfung und müssen mittels Transponder elektronisch gekennzeichnet sein.
  • Leinenpflicht: Zum Schutz des Jungwildes und der Bodenbrüter bittet die Untere Jagdbehörde des Landratsamtes Konstanz die Bevölkerung, während der Setz- und Brutzeit (März bis ca. Mitte Juni) in der Natur nur die ausgewiesenen Wege zu nutzen und Hunde an der Leine zu führen. Damit sollen Störungen und Übergriffe von freilaufenden und stöbernden Hunden auf Wildtiere verringert werden. Diesen dienen Dickungen und großflächige Wiesengebiete als Rückzugsort. Gerade zu dieser Zeit sind am Boden brütende Vögel in besonderer Art und Weise gefährdet. Viele Vogelarten bauen ihre Nester in Wiesen, Feldern, auf dem Waldboden oder auch im Schilfrohr. Dadurch werden sie oftmals Opfer von Beutegreifern wie Fuchs, Waschbär, Marder und Dachs sowie der Krähe. Ebenso sind Menschen, insbesondere Spaziergänger mit freilaufenden Hunden, ein großer Störfaktor für diese Vögel. Auch einige freilebende Säugetiere (z.B. Rehe und Hasen) setzen ihren Nachwuchs im Mai/Juni in deckungsreichen Biotopen in Feld und Wald und benötigen für die gute Entwicklung der Jungtiere Ruhe. Gerade wenn sich Menschen mit ihrem freilaufenden Hund fernab der vorgegebenen Wege bewegen, stellt dies für die Wildtiere eine Stresssituation dar.
  • Kot sammeln: Die Jagdbehörde ruft Hundebesitzer außerdem dazu auf, den Kot ihres Hundes einzusammeln. Bleibt der Kot im erntereifen Gras liegen, kann er in das Futter der Nutztiere gelangen und darin Schimmelbefall auslösen oder Krankheiterreger übertragen. Innerhalb von naturschutzrelevanten Gebieten (wie z. B. Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und Biotope) und städtischen Erholungsbereichen können weitergehende Regelungen für eine Leinenpflicht gelten. Hier informieren Schilder über die jeweiligen Bestimmungen vor Ort.